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Borusan Contemporary eröffnet zwei Ausstellungen zur Frage, wie Bilder die Realität prägen

Zwei neue Ausstellungen im Borusan Contemporary untersuchen, wie Bilder die Realität prägen, von antiken Städten bis zur digitalen Kultur.

Von mitch·5 Min. Lesezeit
An abstract blend of a vintage photograph of ancient ruins and a digital rendering of data streams.

Am 19. September 2026 eröffnen im Borusan Contemporary in Istanbul zwei neue Ausstellungen, die eine einzige Frage teilen: Wie formen Bilder das, was wir für real halten? Eine Ausstellung blickt auf die Geschichte der Fotografie zurück; die andere blickt auf die digitale Gegenwart voraus. Zusammen argumentieren sie, dass der Akt des Sehens selbst schon immer das Thema war.

Die beiden derzeit im Borusan Contemporary gezeigten Ausstellungen befassen sich beide mit Vermittlung – damit, wie Bilder Bedeutung und Erinnerung von einem Moment zum anderen tragen. Olivo Barbieri: Time Space Geometry und Haunted, die zusammen als Sammlungspräsentation gezeigt werden, laufen im Museum parallel.

Barbieris erste Einzelausstellung in der Türkei

Olivo Barbieri: Time Space Geometry ist die erste Einzelausstellung des italienischen Fotografen in der Türkei. Kuratiert von Dr. Fırat Arapoğlu, versammelt die Schau Werke aus fünf großen Serien, die mehr als vier Jahrzehnte von Barbieris Praxis umfassen. Der Künstler bewegt sich von antiken archäologischen Stätten und zeitgenössischen Städten zu Wasserfällen, den Alpen und Capri.

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Diese Schau untersucht, wie Größe, Blickwinkel und Tricks mit dem Licht beeinflussen, wie wir Orte um uns herum sehen. Sie umfasst eine Reihe von Bildern, die eigens für die Borusan Contemporary Art Collection entstanden sind und sich auf neun alte Städte in der gesamten Türkei konzentrieren. Diese Fotografien werden erstmals gezeigt und verwandeln bekannte Szenen in etwas, das zugleich vertraut und fremd wirkt.

Barbieris Werk fragt, wie Orte gesehen, erinnert und rekonstruiert werden. Die Fotografien dokumentieren Orte nicht einfach; sie greifen in die Erfahrung des Betrachters mit diesen Orten ein. Maßstab wird zum Werkzeug, Perspektive zur Entscheidung, und das Ergebnis ist ein Gefühl von Ort, das zugleich vertraut und fremd ist.

Haunted: Technologie als Thema

Haunted, kuratiert von Dr. Kumru Eren, Direktorin des Borusan Contemporary, zeigt Werke aus der Borusan Contemporary Art Collection von Künstlern wie Rafael Lozano-Hemmer, Memo Akten, teamLab, Quayola, Zimoun, DRIFT, Marco Brambilla und Daniel Canogar sowie Arbeiten auf Papier von Kemal Önsoy. Die Schau repräsentiert eine deutliche andere Richtung als die erste Ausstellung.

Statt Technologie bloß als Mittel der Vermittlung zu betrachten, untersucht die Ausstellung, wie künstliche Intelligenz, Algorithmen, Datentechnologien und digitale Kultur heute eine zentrale Rolle dabei spielen, die Bilder zu prägen, durch die Wirklichkeit konstruiert, erfahren und bewahrt wird.

Zwei Ausstellungen, zwei Perspektiven

Die beiden Schauen laufen parallel bei Borusan Contemporary in Istanbul und greifen beide das Thema auf, wie Bilder unser Verständnis von Wirklichkeit prägen – von Szenen, die durch den Akt des Betrachtens selbst geformt werden, bis hin zu Welten, die heute häufiger von Computersystemen erzeugt werden.

Die Barbieri-Ausstellung blickt durch die Geschichte zurück und zeichnet nach, wie sich fotografische Verfahren über viele Jahre verändert haben. Im Gegensatz dazu nimmt The Haunted die Gegenwart in den Blick und untersucht das Hier und Jetzt der digitalen Kultur.

Ausstellung Künstler Schwerpunkt
Olivo Barbieri: Time Space Geometry Olivo Barbieri Fotografie, Maßstab, Perspektive
Haunted Mehrere Künstler Digitale Kultur, KI, Datentechnologien

Dieser Vergleich soll nicht klären, welche Show überlegen ist. Stattdessen untersucht er, wie zwei unterschiedliche Ansätze der Bilderzeugung – der eine auf physischen Materialien basierend, der andere vollständig aus Code bestehend – ein gemeinsames Band teilen: die Beziehung zwischen der Person, die das Werk betrachtet, und dem, was sie sieht.

Der Akt des Betrachtens

Barbieris Fotografien nutzen Maßstab, Perspektive und optische Eingriffe, um die Wahrnehmung des Ortes durch den Betrachter zu formen. Seine neue Serie über antike Städte führt diese Tradition fort und verwandelt vertraute Landschaften in etwas, das zugleich erkennbar und unvertraut wirkt.

Die zentrale Frage der Ausstellung betrifft, wie Orte wahrgenommen, erinnert und wiederaufgebaut werden. Diese Frage gilt gleichermaßen für die antiken Städte und die modernen urbanen Umgebungen, die Barbieri im Laufe seiner Karriere dokumentiert hat.

Digitale Kultur und Erinnerung

Die Ausstellung Haunted stellt Technologie in den Mittelpunkt, statt sie als unparteiisches Mittel zum Zweck zu behandeln. Stattdessen untersuchen die beteiligten Künstler, wie KI, Algorithmen, Datensysteme und digitale Kultur tatsächlich die Bilder formen, durch die Wirklichkeit hergestellt, gesehen und erinnert wird.

Zu den in der Ausstellung vertretenen Künstlern gehören Rafael Lozano-Hemmer, Memo Akten, teamLab, Quayola, Zimoun, DRIFT, Marco Brambilla und Daniel Canogar. Arbeiten auf Papier von Kemal Önsoy runden die Präsentation ab.

Die Ausstellungen laufen parallel

Beide Ausstellungen behandeln das Thema der Vermittlung. Barbieris Fotografien vermitteln die Erfahrung des Ortes durch den Betrachter mittels Maßstab und Perspektive. Die Ausstellung Haunted reflektiert darüber, wie Technologie unsere Erfahrung der Wirklichkeit vermittelt.

Die Ausstellungen eröffnen am 19. September 2026.

Fazit

Borusan Contemporary zeigt derzeit zwei Ausstellungen, die nachzeichnen, wie Bilder über viele Jahrhunderte hinweg unser Wirklichkeitsempfinden geprägt haben. Im Mittelpunkt des Projekts steht der Akt des Sehens, der von den frühen Arbeiten Barbieris bis in die digitale Gegenwart führt.

Die Barbieri-Ausstellung folgt der Entwicklung der Fototechnik durch vergangene Jahre, während die Ausstellung The Haunted den gegenwärtigen Zustand der digitalen Kultur betrachtet. Beide Schauen machen dieselbe Aussage: Bilder halten die Wirklichkeit nicht einfach passiv fest. Stattdessen wirken sie als aktive Kräfte darauf ein, wie wir unsere Welt aufbauen.

Zusammen genommen argumentieren sie, dass der Akt des Sehens selbst stets das Thema gewesen ist.

Quellenmaterial: „Borusan Contemporary Presents Two New Exhibitions“, Hyperallergic.

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