Robin ist ein junger neurodivergenter, queerer, gemischtrassiger britischer Mann, der nicht aufhören kann zu reden, wenn er nervös ist, und die Kamera weiß das. Masc, der neue Film des in Großbritannien lebenden schwedischen Regisseurs Bertil Nilsson, folgt ihm durch eine Reihe sozialer Tests, die wie einzelne, aneinandergereihte Kurzfilme wirken. Der Film ist holprig, manchmal verblüffend und oft sehr komisch – ein Porträt britischer sozialer Verlegenheit, das sich weniger wie ein Film und mehr wie eine Workshop-Übung anfühlt.
Der Titel funktioniert auf zwei Ebenen. Er bezieht sich auf die Geschlechterpräsentation und spielt zugleich auf das Masking an, den erschöpfenden Akt, normal zu erscheinen, um die neurotypischen Menschen in seiner Umgebung nicht zu beunruhigen. Robins nervös zuckende Beine und seine Neigung, jeden, der eine Frage stellt, mit Informationen zu überschütten, kennzeichnen ihn als jemanden, für den gewöhnliche Interaktionen sehr stressig sind. Die erste Szene des Films etabliert das Muster: Robin hat ein Bewerbungsgespräch mit Seth und beantwortet offene Fragen zu seinen Stärken und Schwächen, als ein schneller Schwenk nach links drei weitere Personen enthüllt, die das Gespräch beobachten, als wäre es eine Aufführung.
Die Interview-Szene
In dieser Eröffnungsszene huschen die Kamera und schnelle Schnitte durch den Raum, ohne einen klaren Blick auf Robins Gesicht zu geben. Dann zeigt ein schneller Schwenk nach links drei Beobachter, die die Interaktion zwischen ihm und Seth kommentieren. Eine von ihnen, selbst Afro-Karibin, merkt an, dass Robins üppige Afro-Frisur „vielleicht ein bisschen zu Mufasa“ sei. Die Unklarheit, ob dies eine Probe oder ein echtes Bewerbungsgespräch ist, wird nie aufgelöst, und der Film behält diese Unklarheit durchgehend bei.
Später wird die Szene erneut geprobt, wobei Seth und Robin die Rollen tauschen. Diese Wendung legt nahe, dass alles, was wir gerade gesehen haben, Proben sein könnten oder kleine Stücke über das Masking, die Robin in seinem Kopf aufführt. Das experimentelle Gefühl des Films rührt von dieser Unsicherheit her – er wirkt näher an der Art von Arbeit, die man auf der Bühne der Londoner Physical-Theater-Szene sehen könnte.
Griffins Hauptdarstellung
Joshua Griffin spielt Robin und ist der Star der Show. Seine maschinengewehrartige Art zu sprechen, seine massige Körperlichkeit und seine verhangenen, traurigen Augen ziehen in jeder Szene, in der er zu sehen ist, alle Aufmerksamkeit auf ihn. Griffin spielte zuvor eine ähnliche autistische, schwule Figur in Nilssons gefeiertem Kurzfilm Repair, und dieselbe Intensität bringt er in Masc ein.
Nilsson, der auch als Kameramann des Films fungiert, inszeniert Griffin durchweg liebevoll. Diese Verbundenheit macht es leicht, die etwas zusammenhanglosen, verwirrenderen Qualitäten des Films zu übersehen. Griffin hat mit Complicité, früher Théâtre de Complicité, einem wichtigen Akteur im Bereich des physischen Theaters, gearbeitet, und Tanz spielt hier eine wichtige Rolle im Film.
Unterstützende Szenen
Nicht jede Sequenz gelingt. Eine Szene, in der Robin in einem Labor mit einem sehr gesprächigen nicht-binären Kollegen Cam arbeitet, der nicht aufhören kann, über LARPing zu reden, lässt weniger klar erkennen, welchen Punkt Nilsson machen will. Doch Bellekom hat eine charmante nervöse Energie, die verhindert, dass die Szene untergeht.
Andere Sequenzen funktionieren besser. Robin geht mit Benji, einem neuen Freund von dem Baujob, den er kürzlich angenommen hat, ins Fitnessstudio, und er steht ziemlich belustigt daneben und schaut zu, wie Benji und ein dritter Mann darum wetteifern, wer mehr Gewicht beim Bankdrücken schafft. Diese Szene fängt männliche Performance im wörtlichsten Sinne ein.
In einer anderen Sequenz geht Robin mit Darius, einem älteren Mann, der Robins Vater zu sein scheint, campen, und die beiden mühen sich ungeschickt ab, auf einem Hügel ein Zelt aufzubauen. Der Prozess ist so komplex wie der Versuch, einen Weg zu finden, miteinander zu sprechen als erwachsene Männer, die die Unterschiede des jeweils anderen akzeptieren.
Das Produktionsteam
Nilsson führt Regie, schreibt, produziert und dreht den Film. Der vollständige Abspann zeigt eine kleine Produktionsfirma namens Duktiga, wobei Nilsson selbst als Produzent genannt wird. Joanne Michael fungiert als Executive Producer, und Nico Carmandaye ist für das Kostümdesign zuständig.
Anna Meller ist für den Schnitt zuständig, Ines Adriana für Sounddesign und Mischung, und Daniel Sonabend liefert die Musik. Phil Canning fungiert als Music Supervisor, und Harry Price choreografiert. Hannah Ashby Ward ist für das Casting zuständig.
Was wir daraus machen
Masc ist ein auffälliges, unverwechselbares Debüt. Nilssons bewusst fragmentarische Regie verlangt vom Zuschauer, die Ambiguität auszuhalten, statt sie aufzulösen, und dieser Ansatz wird nicht jedem gefallen. Die holprigen Übergänge und inszenierten Unsicherheiten des Films bedeuten, dass er zu abgehoben sein könnte, um über Festivals und Nischenkontexte hinauszugehen.
Doch die Unverwechselbarkeit von Nilssons Vision und Griffins Können werden viele Zuschauer gespannt darauf warten lassen, was die beiden als Nächstes tun. Griffins Darstellung ist faszinierend, und Nilssons Regie ist, obwohl manchmal rätselhaft, berauschend und bewegend.
Der Film ist eine Meditation über die performative Natur der alltäglichen Existenz und behandelt dieses Thema mit ebenso viel Humor wie Strenge. Es ist ein Werk über britische soziale Verlegenheit, nicht weniger als jede Komödie von Richard Curtis, aber ohne die teuren Soundtrack-Entscheidungen oder die abscheuliche Sentimentalität.
Key Facts Box – Titel: Masc – Regie: Bertil Nilsson – Hauptdarsteller: Joshua Griffin – Laufzeit: 1 Stunde 23 Minuten – Produktionsfirma: Duktiga
Nebendarsteller – Tega Alexander als Benji – Reece King – Ed White als Seth – Lincoln Conway als Darius – Robbie Bellekom als Cam – Hi Ching – Barney-Joe Jones – Rocky Gharu – Jamie Quinn – David Boyle
Nilsson und Griffin teilen sich das Drehbuch, basierend auf einer Geschichte von Nilsson und Griffin. Der Film schöpft Stärke aus Griffins faszinierender Hauptdarstellung, und die Unverwechselbarkeit von Nilssons Vision wird die Zuschauer sehen lassen wollen, was die beiden als Nächstes tun.
Quellenmaterial: „,Masc‘ Review: A Neurodivergent Gay Man Navigates the World in a Striking and Distinctive Debut Feature“, The Hollywood Reporter.
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