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‚Loving Vincent‘ malt eine Mordgeschichte aus Van Goghs Briefen. )

Eine Geschichte von Ölskizzen, die zum Leben erweckt werden, in der der Tod eines Malers ein ungelöstes Rätsel bleibt. )

Von mitch·6 Min. Lesezeit
A painted landscape rendered in swirling brushstrokes, evoking the work of a troubled artist.

„Loving Vincent“ ist ein Film, der ausschließlich aus Ölgemälden besteht. Jede Einzelaufnahme des Films ist eine Leinwand, handbemalt von Künstlern, die Vincent van Goghs Technik und sein Leben studiert haben und anschließend Rotoscoping einsetzten, um aus Fotografien bewegte Bilder zu erzeugen. Das Ergebnis ist ein seltsames, schönes und manchmal erschöpfendes Stück Kino, das versucht, eine Frage zu beantworten, die Kunstliebhaber seit über einem Jahrhundert beschäftigt: Hat Van Gogh sich selbst getötet, oder wurde er ermordet?

Der Film beginnt ein Jahr nach dem Tod des Malers, im Jahr 1891. Postmann Joseph Roulin bittet seinen Sohn Armand, Van Goghs letzten Brief an seinen Bruder Theo zuzustellen. Roulin vermutet Unregelmäßigkeiten, da Van Gogh nur wenige Wochen zuvor geschrieben hatte, dass seine Stimmung ruhig und normal sei. Armand reist zunächst widerwillig nach Auvers-sur-Oise, um zu ermitteln.

Trailer, über Good Deed Entertainment.

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Die Malerei hinter der Leinwand

Das visuelle Trickspiel ist einfach zu beschreiben, aber schwer, es über längere Zeiträume anzusehen. Jede Szene besteht aus Einzelbildern, die ineinander übergehen und eine wackelige, atmende Qualität erzeugen, die fast wie ein Fiebertraum wirkt. Es ist beeindruckend anzusehen, besonders in weiten Aufnahmen von Feldern und Hügeln, die in Van Goghs charakteristischen Swirls und Farben wiedergegeben werden. Nahaufnahmen, insbesondere von Gesichtern, können beunruhigend sein, da die Pinselstriche über die Haut wandern und verschmieren.

Die Technik erfordert Geduld. Einige Sequenzen, wie zum Beispiel die Er öffnungscredits, die Van Goghs Leben durch seine eigenen Pinselstriche nachzeichnen, sind reiner Genuss. Andere, insbesondere die Actionszenen, fühlen sich an wie das Ansehen einer Diashow im Zeitraffer. Der Effekt kann hypnotisch sein, aber er flacht auch Bewegung ab und nimmt die Unmittelbarkeit weg, auf die sich Live-Action-Drama stützt.

Armands Ermittlungen

Armands Reise führt ihn durch ein Netz von Charakteren, die Van Gogh in seinen letzten Monaten kannten. Père Tanguy, ein Kunsthändler in Montmartre, teilt ihm mit, dass Theo tatsächlich sechs Monate nach Vincent starb. Diese Zeitleiste ist ein entscheidendes Stück Information, da sie bedeutet, dass Theo am Leben war, als sein Bruder starb. Tanguy schickt Armand nach Auvers-sur-Oise, um Dr. Paul Gachet zu finden, der Van Gogh nach seiner Entlassung aus einer Anstalt betreute und an seiner Beerdigung teilnahm.

In Auvers hält Armand sich im selben Gasthaus auf, in dem Van Gogh gewohnt hatte. Er trifft Adeline Ravoux, die provisorische Wirtin, die warm von dem Maler spricht und sichtlich überrascht von seinem Tod wirkt. Sie schlägt vor, den örtlichen Bootsmann zu besuchen, der berichtet, dass Van Gogh Zeit mit der Tochter von Dr. Gachet, Marguerite, verbrachte. Armand besucht daraufhin Marguerite, die jegliche Beteiligung an seinem Tod bestreitet und wütend wird, als Armand dies anzudeuten versucht.

Der Verdacht fällt auf René

Während Armand tiefer gräbt, fällt der Verdacht auf einen lokalen Jungen namens René Secretan. Berichten zufolge hat er Van Gogh gequält, eine Waffe besessen und diese oft betrunken in der Stadt zur Schau gestellt. Dr. Mazery, der Van Gogh untersuchte, behauptet, der Schuss, der ihn tötete, muss aus wenigen Metern Entfernung gekommen sein, was eine Selbsttötung ausschließt. Als Armand René verdächtigt, gesteht Marguerite, dass sie Van Gogh nahestand, jedoch nicht romantisch involviert war. Sie besteht jedoch darauf, dass René nicht fähig zu Mord war.

Der Film präsentiert diese Hinweise, ohne sie jemals vollständig aufzulösen. Die Mehrdeutigkeit ist beabsichtigt und spiegelt das historische Bild wider, das keine endgültigen Antworten über Van Goghs Tod bietet. Ob das Publikum im Glauben an Selbstmord oder Mord geht, hängt davon ab, welche Version von Armands Geschichte es wählt zu glauben.

Ein bemerkenswerter Cast

Der Sprechcast ist stark, obwohl der Film ihre Gesichter selten zeigt. Douglas Booth spielt Armand, Robert Gulaczyk spielt Van Gogh, Eleanor Tomlinson spielt Adeline Ravoux, und Saoirse Ronan spielt Marguerite Gachet. Helen McCrory erscheint als Louise Chevalier, und Chris O’Dowd spielt Postmann Joseph Roulin. John Sessions ist Père Tanguy, Jerome Flynn ist Dr. Paul Gachet, Aidan Turner ist der Bootsmann, Holly Earl ist La Mousmé, Cezary Łukaszewicz ist Theo van Gogh, und Martin Herdman ist Gendarme Rigaumon.

McCrorys Leistung sticht hervor. Ihre letzte Filmrolle kam vor ihrem Tod im April 2021 und ihre Präsenz verleiht einer Szene Gewicht, in der Louise Chevalier, eine ehemalige Prostituierte und Freundin von Van Gogh, über seine Freundlichkeit und seine Einsamkeit nachdenkt. Es ist ein kleiner Moment, aber er wirkt stark, weil die Schauspielerin nicht mehr unter uns weilt.

Wo der Film scheitert

Das Problem mit „Loving Vincent“ ist nicht seine Ambition. Es ist, dass diese Ambition nicht mit narrativer Disziplin einhergeht. Der Film verbringt zu viel Zeit damit, zwischen Schauplätzen und Gesprächen umherzuwandern, und das zentrale Rätsel formt sich nie ganz zu einer befriedigenden Gestalt. Armands Ermittlungen wirken episodisch, wobei jeder neue Zeuge nur einen kleinen Informationsfragment liefert, der sich nie wirklich mit den anderen verbindet.

Das Tempo leidet darunter. Bei 95 Minuten ist der Film nach modernen Maßstäben kurz, aber die fragmentierte Struktur lässt ihn länger erscheinen, als er ist. Einige Szenen, insbesondere solche mit dem Bootsmann und René, schleppen sich dahin, weil der Rotoscoping-Effekt an Neuheit verliert, während die Geschichte ins Stocken gerät.

Das Technische

Der Film ist ein technisches Meisterwerk. Es dauerte Jahre bis zu seiner Fertigstellung, wobei ein Team von 125 Künstlern aus der ganzen Welt jeden der 65.000 Frames malte. Das ist eine unglaubliche Menge an Arbeit, und das zeigt sich im fertigen Produkt. Die Farben sind kräftig, die Texturen sind dick, und die Bewegung, wenn auch unvollkommen, fängt etwas von der emotionalen Intensität von Van Goghs Werk ein.

Es ist auch eine Koproduktion zwischen Polen und dem Vereinigten Königreich, finanziert vom Polnischen Filminstitut und teilweise durch eine Kickstarter-Kampagne. Die Kickstarter-Kampagne brachte über 600.000 Dollar ein, was dazu beitrug, das immense Projekt zu finanzieren. Der Film feierte seine Premiere auf dem Internationalen Animationsfilmfestival Annecy 2017 und gewann anschließend den Preis für den besten Animationsfilm bei den 30. Europäischen Filmpreisen in Berlin. Er wurde außerdem für den besten Animationsfilm bei den 90. Academy Awards nominiert.

Vergleich der Techniken

Technik Wie es funktioniert Was es hinzufügt
Ölmalerei Von Künstlern handbemalte Frames Reichhaltige Farbe, Textur, Authentizität
Rotoscoping Fotografien, die auf gemalte Leinwände übertragen wurden Bewegung, Tiefe, Realismus
Digitale Effekte Keine im Original beschrieben Nicht zutreffend

Die Kombination aus Malerei und Rotoscoping ist die Kerninnovation des Films. Es handelt sich um eine echte Premiere in der Filmgeschichte, und dafür verdient der Film Anerkennung. Aber Innovation ist nicht dasselbe wie Erfolg.

Fazit

„Loving Vincent“ ist ein Film, den man eher bewundern als lieben kann. Sein technisches Können ist unbestreitbar, und sein Ehrgeiz, Van Goghs Kunst zum Leben zu erwecken, ist bewundernswert. Aber die Geschichte, die er erzählt, ist dünn, und das Rätsel, das er aufwirft, bleibt ungelöst. Der Film fordert den Zuschauer auf, eine lange, langsame Untersuchung zu verfolgen, für eine Belohnung, die nie ganz eintrifft.

Es lohnt sich, ihn einmal zu sehen, möglichst im Kino, um die Malerei in Bewegung zu erleben. Aber es ist kein Film, der wiederholtes Anschauen belohnt. Die Technik ist das Anziehungsmittel, und die Technik ist die Grenze.

6,2 von 10

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