Davis Mitchell ist ein Mann, der keine Gefühle empfinden kann. Das ist der Motor von „Demolition“, einer 2016 entstandenen Tragikomödie von Regisseur Jean-Marc Vallée, die ein gebrochenes Herz in ein langsames Desmantelprojekt verwandelt. Der Film beginnt mit einem Autounfall, bei dem Davis’ Frau Julia stirbt und er ins Krankenhaus kommt. Dort versucht er, Süßigkeiten aus einem Getränkeautomaten zu kaufen und bleibt stecken. Er schreibt einen Beschwerdebrief an den Hersteller, und dieser Brief wird zu einem Bekenntnis. Davis lässt Dampf über seine Ehe, seinen Job, seinen Schwiegervater Phil und alles andere ab, was nicht mehr funktioniert. Der Beschwerdebrief ist das ehrlichste, was er seit Jahren getan hat.
Jake Gyllenhaal spielt Davis als einen Mann, der zu einer Maschine geworden ist. Er ist erfolgreich, wohlhabend und völlig betäubt. Sein Job ist Private Equity, eine Welt, in der er Unternehmen kauft und verkauft, ohne jemals die Konsequenzen zu spüren. Der Unfall ändert das. Davis kehrt früher als jeder erwartet an die Arbeit zurück, aber er trägt die Werkzeuge seiner Trauer bei sich. Er fängt an, Dinge auseinanderzunehmen. Eine Toastmaschine. Ein Laptop. Eine Badezimmertür. Er sagt Phil, er habe den Drang, eine 120 Jahre alte Standuhr in seinem Büro zu zerlegen. Nichts bleibt intakt in seiner Umgebung.
Trailer, via SearchlightPictures.
Karen Moreno und die Beschwerde-Hotline
Der Brief erreicht Karen Moreno, gespielt von Naomi Watts. Karen arbeitet bei der Getränkeautomatenfirma als Kundendienstmitarbeiterin. Sie liest die Beschwerden und hört die Geschichten dahinter zu. Davis’ Brief ist anders. Er ist roh, wütend und konkret. Sie beginnen zu reden. Davis teilt seine Trauer auf eine zurückhaltende Weise mit, indem er Geschichten ohne Emotionen erzählt. Karen hört zu. Sie ist die Einzige, mit der er spricht. Ihre Gespräche werden zu einer Lebensader für beide.
Karen trägt ihre eigenen Lasten. Sie lebt mit ihrem Freund und Chef, Carl, und ihrem jugendlichen Sohn, Chris. Ihr Zuhause ist ein einziges Chaos. Davis sieht das. Er sieht auch, dass Karen die Einzige ist, die ihn versteht. Er erzählt ihr Dinge, die er niemand anderem sagen würde. Der Film baut eine Verbindung zwischen ihnen über Telefonleitungen und Pendelstrecken auf. Karen verfolgt Davis, fährt mit dem Zug mit ihm, ohne sich zu erkennen zu geben. Sie lässt ihre Ausweiskarte versehentlich zurück, und Davis findet sie bis zu ihrem Haus. Das ist der Punkt, an dem sich der Film von der Beschwerde-Linie zu etwas hin zu einer Beziehung wandelt.
Der Pendelzug und die Notbremse
Das zentrale Element des Films ist das Beschwerdeschreiben selbst. Davis schreibt, um zu entladen, und dabei beginnt er, wieder zu fühlen. Der Film ist um diese Austauschvorgänge herum strukturiert, wobei Davis’ Briefe Karens Antworten auslösen. Jeder Austausch bewegt die Geschichte vorwärts. Davis’ emotionaler Zustand wird unberechenbar, während er versucht, wieder Kontakt zu seinen Gefühlen aufzunehmen. Er bemerkt einen braunen Kombi, der ihm folgt. Er zieht die Notbremse in einem Zug, als man ihn fragt, was er fühlt. Diese Momente zeigen einen Mann, der die Kontrolle verliert.
Die Szene im Zug ist der Höhepunkt des Films. Davis wird gefragt, was er fühlt, und er kann nicht antworten. Er stoppt den Zug stattdessen. Es ist eine physische Weigerung, und es funktioniert. Der Film ist auf diese kleinen, spezifischen Handlungen aufgebaut. Davis zerlegt Dinge, um zu verstehen, was sich darin befindet. Er nimmt seine Geräte auseinander, seinen Computer, eine Badezimmertür. Jede Handlung ist eine Suche nach Sinn. Die Großvateruhr im Büro von Phil ist das letzte Ziel. Davis will sehen, was sie zum Ticken bringt.
Phil Eastwood und die Familienmaschine
Phil Eastwood, gespielt von Chris Cooper, ist der Schwiegervater, der die Firma leitet, in der Davis arbeitet. Er ist eine kontrollierende Kraft in Davis’ Leben. Der Film zeigt die Spannung zwischen ihnen, wobei Davis das Familienunternehmen verachtet, während er von ihm abhängig ist. Phil steht für die Vergangenheit, aus der Davis zu fliehen versucht. Davis will alles demontieren, einschließlich der Familienuhr. Die Großvateruhr ist ein Symbol für Tradition, für die Art und Weise, wie die Dinge funktionieren sollten. Davis will sie aufbrechen und sehen, was sie zusammenhält.
Judah Lewis spielt Chris Moreno, Karens Sohn. Er ist ein Unruhestifter, ein Teenager, der Probleme verursacht. Er ist keine Hauptfigur, aber seine Anwesenheit verleiht Karens Leben Textur. Der Film verbringt wenig Zeit mit ihm. Davids Beziehung zu Chris ist ein Nebenstrang der Geschichte.
C.J. Wilson spielt Carl, Karens Freund und Chef. Polly Draper spielt Margot Eastwood, Phils Frau. Malachy Cleary und Debra Monk spielen Davids Eltern. Heather Lind spielt Julia, Davids Frau. Wass Stevens spielt Jimmy, und Blaire Brooks spielt Amy. Der Nebencast füllt die Welt aus, aber der Film gehört Gyllenhaal und Watts. Ihre Szenen zusammen tragen das Gewicht der Geschichte.
Das Beschwerdeschreiben als Erzählmittel
Das Beschwerdeschreiben ist das narrative Rückgrat des Films. Es ist Davids Kommunikationsmittel mit Karen, und es ist die Art und Weise, wie das Publikum von seiner Vergangenheit erfährt. Jedes Schreiben enthüllt ein wenig mehr. Davis schreibt über seine Ehe, seinen Job, seine Familie und seine Fehler. Die Schreiben sind nicht glattgebügelt. Sie sind chaotisch, wütend und aufrichtig. Sie sind die einzige ehrliche Kommunikation, die Davis hat. Der Film vertraut auf dieses Mittel, und es lohnt sich.
Das Beschwerdeschreiben funktioniert auch als Metapher. Davis versucht, etwas zu reparieren, das kaputt ist. Er glaubt, dass er verstehen kann, wie es funktioniert, wenn er es wieder zum Laufen bringen kann. Der Film deutet an, dass das Problem nicht die Maschine ist. Das Problem ist Davis selbst. Er hat gelernt, seine Emotionen abzuschalten, und er kann sie nicht wieder einschalten. Das Zerlegen ist ein Symptom, nicht eine Lösung.
Der emotionale Preis des Zerlegens
Demolition ist ein schwieriger Film zu sehen. Es ist ein Film über Trauer, aber er bietet keinen Trost. Davids Verhalten ist unberechenbar und manchmal grausam. Er setzt den Notbremshebel in einem Zug ein. Er nimmt Dinge an öffentlichen Plätzen auseinander. Er ist ein Mann, der auseinanderfällt. Der Film beurteilt ihn nicht, aber er entschuldigt ihn auch nicht. Er zeigt die Kosten seines Handelns. Menschen werden verletzt. Beziehungen werden beschädigt. Der Film ist ehrlich dabei, was selten ist.
Naomi Watts liefert eine starke Leistung als Karen. Sie ist das ruhige Zentrum des Films. Sie hört Davis ohne Wertung zu. Sie versteht ihn so, wie es niemand sonst tut. Ihre Szenen zusammen sind die besten im Film. Gyllenhaal ist ausgezeichnet als Davis. Er spielt einen Mann, der die Kontrolle verliert, und er lässt das Publikum das fühlen. Der Ton des Films ist ungleichmäßig. Er bewegt sich zwischen Komödie und Drama, und er trifft nicht immer ins Schwarze. Manche Szenen funktionieren. Manche Szenen funktionieren nicht. Der Film ist nicht konsistent, aber er ist ambitioniert.
Was funktioniert und was nicht
Die Stärken des Films liegen in den Darbietungen und der Prämisse. Die Prämisse ist einfach: Ein Mann, der keine Gefühle empfinden kann, versucht, sich selbst zu reparieren, indem er Dinge auseinander nimmt. Es ist eine clevere Idee, und der Film setzt sie gut um. Die Darbietungen sind stark. Gyllenhaal und Watts halten den Film zusammen. Der Film ist auch visuell interessant. Vallée inszeniert mit einem Sinn für Komposition, und die Bilder sind oft eindrucksvoll.
Die Schwächen liegen in der Struktur. Der Film ist zu lang. Bei 101 Minuten zieht er an manchen Stellen in die Länge. Der Mittelteil verliert an Schwung. Das Tempo verlangsamt sich, und die emotionale Wirkung verzögert sich. Der Film verlässt sich außerdem zu stark auf Zufall. Davis und Karen laufen immer wieder ineinander, und der Film erklärt es weg. Es fühlt sich bequem anstatt verdient an. Der Film ist auch zu ordentlich. Er löst den Konflikt auf eine Weise, die sich ordentlich anfühlt. Das Ende rechtfertigt die Reise nicht vollständig.
Endergebnis
Demolition ist ein fehlerhafter, aber ambitionierter Film. Er hat eine starke Prämisse, starke Darbietungen und eine starke visuelle Regie. Er hat aber auch Probleme mit dem Tempo, der Bequemlichkeit und einem ordentlichen Ende. Der Film ist allein schon wegen Gyllenhaal und Watts sehenswert. Ihre Chemie ist der Grund, warum der Film überhaupt funktioniert. Es ist ein Film über Trauer, und er weicht der Hässlichkeit nicht aus. Es ist kein leichter Film, aber er ist lohnend.
Der Slogan des Films, „Leben: Manche Demontage erforderlich“, erfasst sein Thema. Davis Mitchell muss Dinge auseinander nehmen, um sie zu verstehen. Der Film ist ein Abbauprojekt, und er bittet das Publikum, ihm beim Entfalten zuzusehen. Das Ergebnis ist ein Film, der sowohl unangenehm als auch fesselnd ist. Es ist ein Film über die Schwierigkeit des Fühlens, und er bietet keine einfache Antwort.
Bewertung: 4,9 von 10
Factenbox
- Titel: Demolition (2016)
- Regie: Jean-Marc Vallée
- Drehbuch: Bryan Sipe
- Laufzeit: 101 Minuten
- Genres: Komödie, Drama
- Slogan: „Das Leben: Manche Demontage sind erforderlich.“
- Mit: Jake Gyllenhaal, Naomi Watts, Chris Cooper, Judah Lewis
- Veröffentlichung: Kinostart am 8. April 2016 durch Fox Searchlight Pictures
„Demolition“ ist ein Film über einen Mann, der nichts fühlen kann. Es ist ein Film über die Arbeit des Fühlens. Es ist ein Film über die Kosten dieser Arbeit. Es ist kein perfekter Film, aber er ist ein mutiger. Es ist ein Film, der das Publikum dazu auffordert, sich mit Unbehagen auseinanderzusetzen, und er belohnt diese Geduld. Der Film endet damit, dass Davis noch immer demontiert, noch immer sucht, noch immer versucht zu verstehen, was in ihm steckt. Es ist ein passendes Ende für einen Film über einen Mann, der die Fähigkeit verloren hat, zu fühlen.
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