Michael Shannon spielt Gary Noesner, den FBI-Verhandler, der versucht, David Koresh in Waco zur Rede zu stellen, in „Waco“, der neuen Miniserie von Paramount Network über den 1993 stattgefundenen Konflikt in Texas. Es ist ein düsteres, angespanntes Drama, das auf einer moralischen Frage basiert, die keine eindeutige Antwort hat, und stützt sich stark auf die Stärke seines Ensembles, um dieses Gewicht zu tragen.
Die Serie dramatisert die 51-tägige Belagerung zwischen Bundesanwaltschaft und den Branch Davidian, einer Religionsgemeinschaft, die von Koresh in Waco geführt wird. Sie verfolgt die Tragödie aus mehreren Perspektiven und vermischt das Privatleben der Belagerten mit dem politischen Druck auf das Verhandlungsteam. Dieser geteilte Fokus ist das zentrale Risiko der Serie: Sie will beide Seiten vermenschlichen, während sie gleichzeitig die Handlungen des Kults verurteilt. Das Ergebnis ist eine Serie, die oft fesselnd, aber selten entscheidend ist.
Trailer, über Paramount Network.
Shannon und Kitsch tragen die Last
Shannon spielt Noesner mit einer ruhigen Intensität, die jede Szene, in der er auftritt, verankert. Sein Noesner ist geduldig, erschöpft und zunehmend frustriert über die Weigerung der Branch Davidian, ihr Anwesen zu verlassen. Er ist das moralische Zentrum der Serie, der Mann, der versucht, Gewalt durch Reden zu vermeiden, und Shannon verkörpert diese Müdigkeit, ohne jemals in eine Karikatur abzugleiten.
Kitsch spielt Koresh als charismatischen Fanatiker, einen Mann, der glaubt, er tue Gottes Werk, während er seine Anhänger in Richtung Zerstörung treibt. Kitsch engagiert sich voll und ganz in der Verwandlung, verliert an Gewicht und lässt sein Haar wachsen, und die Leistung ist körperlich anstrengend, was sich in jedem Bildnis zeigt. Die Serie soll eindeutig sympathisch gegenüber Koresh sein, aber Kitsch‘ Engagement ist so vollständig, dass es unmöglich ist, ihn anzusehen, selbst wenn das Drehbuch uns auffordert, ihn zu verurteilen.
Riseborough und der gesamte Cast
Andrea Riseborough spielt Judy Schneider, die Ehefrau des ATF-Agenten Steve Schneider, der von Paul Sparks gespielt wird. Rory Culkin spielt David Thibodeau, und Shea Whigham spielt Mitch Decker. Melissa Benoist spielt Rachel Koresh, Julia Garner spielt Michele Jones, Camryn Manheim spielt Balenda Thibodeau, John Leguizamo spielt Jacob Vazquez und Steven Culp spielt Peter Hardwick. Das Ensemble ist groß und kompetent, und die Serie gibt jedem Darsteller die Möglichkeit, sich in das Privatleben seines Charakters zu vertiefen, bevor die Krise ihren Höhepunkt erreicht.
Die Besetzungswahl zahlt sich über die gesamte Serie hinweg aus. Riseboroughs Judy Schneider ist eine Mutter, deren Sohn in den Kult geraten ist, und ihre Szenen sind einige der ehrlichsten in der gesamten Miniserie. Whighams Decker ist ein Beamter, der die Aufgabe hat, die Medien zu verwalten, und seine Szenen über Öffentlichkeitsarbeit sind scharf und witzig, was die Düsternis durchdringt. Culkings Thibodeau ist ein junger Mann, der seinen Vater verloren hat, und seine Wut wirkt verdient und nicht konstruiert.
Die Belagerung und ihre Folgen
Der mittlere Abschnitt der Serie ist ihr schwächster Punkt. Sobald die Belagerung ernsthaft beginnt, verlangsamt sich das Tempo, und die Serie hat Schwierigkeiten, ihre emotionale Wirkung frisch zu halten. Es gibt lange Verhandlungsrunden, die sich wiederholend anfühlen, und der Versuch der Serie, die Perspektiven des FBI, der ATF und der Branch Davidians auszugleichen, verwässert manchmal die Wirkung dessen, was vor Ort geschieht.
Das Feuer, das die Belagerung beendet, ist der Höhepunkt der Serie, und es wird mit einer düsteren, unerbittlichen Ehrlichkeit behandelt. Die Zahl der Todesopfer wird nicht verschwiegen, und die Serie versucht nicht, den Horror zu beschönigen, der in diesem Komplex geschah. Aber bis zu diesem Zeitpunkt hat das Publikum so lange auf etwas gewartet, dass der letzte Akt eher gehetzt als verdient wirkt.
Was funktioniert und was nicht
Hier ist eine grobe Rangliste der Stärken der Serie:
- Shannons Darstellung als Noesner
- Kitsch’s körperliche Verwandlung als Koresh
- Riseboroughs Darstellung von Judy Schneider
- Whighams komödiantisches Timing als Decker
- Die Bereitschaft der Serie, sich auf eine sympathische Darstellung von Koresh einzulassen
Das größte Problem der Serie ist ihre Ambivalenz. Sie widmet viel Zeit der Darstellung der Gründe, warum Koreshs Anhänger an ihn glauben, und verbringt dann weniger Zeit damit, zu zeigen, warum dieser Glaube gefährlich ist. Das Ergebnis ist eine Serie, die oft fesselnd ist, aber ihre eigene moralische Position nie vollständig auflöst.
Die Kritikerrezeption
Die Serie erhielt von Kritikern gemischte Reaktionen. Die Leistungen wurden weithin gelobt, wobei insbesondere Shannon und Kitsch besondere Aufmerksamkeit erhielten. Auch die Inszenierung der Spannung wurde als stark hervorgehoben. Allerdings zog der sympathische Ansatz der Serie gegenüber Koresh Kritik auf sich, wobei einige Rezensenten argumentierten, dass die Bereitschaft der Serie, seine Perspektive zu verstehen, zu weit ging.
Diese Kritik ist berechtigt und trifft ins Herz dessen, was „Waco“ frustrierend anstatt unerlässlich macht. Die Serie ist am besten, wenn sie ihren Charakteren Raum zum Atmen lässt, und am schlechtesten, wenn sie versucht, das Unerklärliche zu erklären. Die Belagerung selbst ist eine Tragödie, und die Serie ist am effektivsten, wenn sie diese Tragödie einfach nur entfalten lässt.
Die Frage nach einer Fortsetzung
Eine Fortsetzung befindet sich in Arbeit. „Waco: The Aftermath“ wurde am 16. April 2023 auf Showtime veröffentlicht. Sie knüpft an die Ereignisse der Originalserie an und wird wahrscheinlich mit den gleichen Fragen nach Perspektiven konfrontiert werden, denen sich die erste Miniserie ebenfalls stellen musste. Ob sie dort Erfolg hat, wo diese scheiterte, bleibt abzuwarten.
Fürsorglich steht „Waco“ als ein fehlerhaftes, aber oft fesselndes Fernsehprodukt dar. Es ist eine Serie, die Aufmerksamkeit verdient und sorgfältiges Anschauen belohnt, obwohl sie auf eigene Weise frustriert. Es ist eine Serie über eine Tragödie, die sich nicht einfach darstellen lässt, und sie erfasst diese Weigerung gut.
Das Urteil
„Waco“ ist eine würdige Ergänzung des Katalogs von True-Crime-Dramen, aber es ist kein Meisterwerk. Die Leistungen sind ausgezeichnet, die Inszenierung ist angespannt und der Ehrgeiz ist offensichtlich. Aber seine moralische Mehrdeutigkeit ist eine Falle, und die Serie fällt manchmal darin hinein. Das Feuer, das die Belagerung beendet, ist verheerend, aber der Aufbau dazu verliert auf dem Weg etwas von seiner Kraft.
Die Serie ist allein schon für Shannons Leistung sehenswert, und der Nebencast liefert konstant ab. Aber die zentrale Frage der Serie – wie viel Mitleid können wir einem Mann entgegenbringen, der andere in den Tod führt? – bleibt bis zum Ende unbeantwortet.
Wertung: 5,6 von 10.
Kasten mit wichtigen Fakten
- Sender: Paramount Network
- Staffel: 1, 6 Episoden
- Erste Ausstrahlung: 24. Januar 2018
- Letzte Ausstrahlung: 28. Februar 2018
- Entwickler: John Erick Dowdle, Drew Dowdle
- Mitwirkende: Michael Shannon, Taylor Kitsch, Andrea Riseborough, Paul Sparks, Rory Culkin, Shea Whigham, Melissa Benoist, Julia Garner, Camryn Manheim, John Leguizamo, Steven Culp
- Fortsetzung: Waco: The Aftermath (16. April 2023, Showtime)
- Kritische Wertung: 5,6 von 10
Das Notizbuch abonnieren.
Die besten Geschichten des Tages und jedes neue Urteil, in klarem Deutsch, um sieben im Postfach. Eine Mail am Tag, nicht mehr.





