Ein Hinweisgeber, dessen Dokumente die Untersuchung der Premier League zu Manchester City auslösten, riskiert eigenen Angaben zufolge nun den Verlust seines Zeugenschutzes. Rui Pinto sagt, die Entscheidung gefährde sein Leben.
Pinto, ein portugiesischer Computerhacker im Alter von 37 Jahren, veröffentlichte 2018 eine Reihe von privaten Fußballpapieren. Zu den Materialien gehörten E-Mails und Finanzunterlagen, die mit einem englischen Premier-League-Klub in Verbindung standen. Die deutsche Publikation Der Spiegel stützte sich auf diese Dokumente für ihre eigene Untersuchung des Vereins hinsichtlich Geldflüsse und mutmaßlicher Verstöße gegen die Financial-Fair-Play-Gesetze.
Alle Anklagen gegen City im Zusammenhang mit Verstößen gegen die Finanzvorschriften der Premier League für die Zeiträume zwischen 2009-10 und 2017-18 wurden aufrechterhalten. Der Klub hat inzwischen Berufung eingelegt.
Pintos Schutzfall
Portugals Zeugenschutzprogramm nahm Pinto 2020 auf, nachdem er sich dazu bereit erklärt hatte, mit den Behörden zusammenzuarbeiten und Dokumente im Rahmen der Football Leaks-Untersuchung vorzulegen. Am Freitag schrieb er auf X, dass die Entscheidung des Programms, seine Beteiligung am 10. Oktober zu beenden, ihn in eine „lebensbedrohliche Situation“ bringe.
Aufgrund von „mehreren Todesdrohungen“ und „dem ernsthaften Risiko eines Attentatsversuchs“ habe er keine andere Wahl, als sich für unbestimmte Zeit an einen nicht genannten Ort zu verlegen.
Die portugiesische Kommission zum Schutz von Opfern von Straftaten wurde von BBC Sport um eine Stellungnahme gebeten.
Sein Strafregister
Der Mann bezeichnet sich selbst als Hinweisgeber, wurde aber in Portugal wegen Straftaten wie unbefugtem Datenzugriff und versuchtem Erpressen schuldig befunden. Das Urteil enthielt eine vierjährige Bewährung.
Eine kugelsichere Weste gehörte zu seinem Outfit bei seinem ersten Prozess im Jahr 2020, bei dem die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt wurden. Im Januar dieses Jahres wurde er in einem zweiten Prozess freigesprochen, in dem es um 241 Anklagen wegen unbefugten Eindrings in E-Mail-Konten mehrerer portugiesischer Sportorganisationen ging, darunter Benfica.
Angriff auf Fifa
Am Mittwoch richtete Pinto seine Aufmerksamkeit auf Gianni Infantino, den Präsidenten von Fifa. Er sagte, er sei zu „einem Krebsgeschwür im Fußball“ geworden und habe „keinen Platz in der Zukunft des Spiels“.
Pinto wiederholte die Behauptungen aus dem Jahr 2018, wonach Infantino eingegriffen habe, um City und Paris St-Germain bei der Vermeidung von Strafen wegen Financial Fairplay von der Uefa zu unterstützen, der Organisation, die den europäischen Fußball leitet.
Infantinos Position steht zuletzt verstärkt unter Druck, nachdem erstritten wurde, Anteile an Wettbewerben des Verbandes, wie der Weltmeisterschaft, an private Investoren zu verkaufen.
Was die Anwälte sagen
Am Freitag veröffentlichten die Anwälte von Pinto eine Erklärung, in der sie vor der Entscheidung warnten, ihn aus dem Zeugenschutzprogramm zu entziehen, was ihn größeren Gefahren aussetze. Die Erklärung wies auch darauf hin, dass rechtliche Schritte im Zusammenhang mit den Leaks weiterhin laufen, einschließlich des Falls gegen Manchester City.
Pinto hat eine Spendenaktion eingerichtet, um ihm zu helfen, „diese ernste Situation zu überstehen“, die er behauptet, sei „durch den portugiesischen Staat“ entstanden.
Die Zeitleiste
- 2018: Pinto veröffentlicht Dokumente, Der Spiegel ermittelt.
- 2020: Pinto tritt Portugals Zeugenschutzprogramm bei.
- 2020: Erster Prozess, kugelsichere Weste getragen.
- Dieses Jahr: Freispruch in 241 Fällen des unrechtmäßigen Zugriffs.
- Mittwoch: Pinto nimmt Infantino ins Visier.
- Freitag: Entscheidung zur Beendigung des Schutzes bestätigt.
| Bühne ) | Jahr ) | Schlüssereignis ) |
|---|---|---|
| Dokumente veröffentlicht ) | 2018 | Pinto teilt E-Mails und Finanzunterlagen ) |
| Schutz gewährt ) | 2020 | Pinto tritt das Zeugenschutzprogramm bei ) |
| Erster Prozess ) | 2020 | Schutzweste getragen ) |
| Freispruch ) | In diesem Jahr ) | 241 Anklagepunkte fallen lassen ) |
| Infantino im Visier (Infantino targeted) | Mittwoch (Wednesday) | Pinto bezeichnet ihn als „Krebsgeschwür“ (Pinto calls him a „cancer“) |
| Schutz beendet (Protection ended) | Freitag (Friday) | Entscheidung bestätigt (Decision confirmed) |
Unsere Sichtweise (Our view)
Pintos Darstellung ist nun die eines Mannes, dessen Arbeit eine Untersuchung eines Vereins auslöste und der sich nun mit Todesgefahr sieht. Er wurde darüber informiert, dass ihm sein Zeugenschutz entzogen wird, woraufhin er sich an einen nicht mitgeteilten Ort verlegte. Dieser Schritt macht ihn anfällig zu einem Zeitpunkt, an dem seine Arbeit weiterhin Aufmerksamkeit erregt, einschließlich seines jüngsten Angriffs auf Infantino.
Er beantragte staatlichen Schutz, doch dieses Schutzversprechen ist nun selbst bedroht, was dazu führt, dass er behauptet, die Situation sei „vom portugiesischen Staat geschaffen worden“. Die Implikation ist, dass ein System, das ihm einst Sicherheit versprach, sich gegen ihn gewandt hat.
Pintos Fall beruht auf seinem eigenen Geständnis, dass er keine andere Wahl habe. Er möchte, dass die Öffentlichkeit seine Überlebenschancen unterstützt, und argumentiert, dass die Umstände, vor denen er sich jetzt befindet, vom Staat selbst herbeigeführt wurden.
Quellenmaterial: „Man City-Whistleblower wird Zeugenschutz verlieren“, BBC.
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