Allegiant ist der letzte Teil einer Trilogie, und das ist ihm anzumerken. Der Film knüpft an die Ereignisse von Insurgent an, wobei Tris Prior (Shailene Woodley) tot ist und die Welt der Divergent-Reihe in offene Rebellion versetzt ist. Was folgt, ist eine lange Ausführung, ein paar Actionszenen und eine Auflösung, die weniger wie ein Cliffhanger und mehr wie ein Platzhalter wirkt. Der Film möchte den Abschluss der Geschichte sein, und gelingt ihm das auch meistens – aber nicht viel mehr.
Regisseur Robert Schwentke kehrt nach der Regiearbeit für Divergent zurück, und der Ton ist derselbe: Dies ist eine Reihe, die auf junge-Erwachsene-Dystopie-Vorlagen aufbaut, nicht auf cineastische Ambitionen. Die Handlung ist einfach zusammenzufassen. Tris wacht in einer Simulation auf, erfährt, dass das Fraktionssystem, an das sie glaubte, eine Lüge war, und macht sich auf den Weg, die Wahrheit über die Regierung herauszufinden, die es erschaffen hat. Auf ihrem Weg schließt sie sich Four (Theo James), Caleb Prior (Ansel Elgort), Christina (Zoe Kravitz) und Peter (Miles Teller) an, von denen alle ihre eigenen Geheimnisse hüten. Die Bösewichtin ist Jeanine Matthews (Naomi Watts), die Leiterin von Erudite, die die Simulation betreibt und die Regierung kontrolliert. Der Einsatz ist global, die Romanze ist verwickelt und die Actionszenen sind kompetent, aber unvergesslich.
Trailer, via eOne UK.
Die Simulation Falle
Der Film beginnt mit Tris in einem Krankenhausbett, die aus einem Koma erwacht. Sie erinnert sich nicht an die Ereignisse von Insurgent, und der Film verbringt seine erste halbe Stunde damit, uns alles zu erklären. Das ist eine Falle, denn das Publikum kennt die Hintergrundgeschichte bereits. Wir kennen die Fraktionen, wir kennen die Simulationen und wir kennen den politischen Konflikt. Der Film wiederholt all das trotzdem, durch Tris’ Augen, und die Wiederholung fühlt sich weniger wie ein Charaktermerkmal an und mehr wie ein Problem mit dem Tempo.
Die Simulationssequenzen sind die effektivsten Momente des Films. Sie sind optisch deutlich von der Realität abgetrennt, mit einem bläulich-schattenhaften, sterilen Look. Tris navigiert durch eine labyrinthische Stadt, kämpft mit ihren Freunden in einer fingierten Arena und entdeckt, dass ihre Erinnerungen nicht ihre eigenen sind. Diese Szenen funktionieren, weil sie wie ein Videospiel ablaufen, komplett mit Kontrollpunkten und Endgegnerkämpfen. Das Problem ist, dass das Spiel frühzeitig endet. Der Film verbringt zu viel Zeit in der Simulation und nicht genug Zeit damit, herauszufinden, was als Nächstes passiert.
Naomi Watts vs. Shailene Woodley
Watts spielt Jeanine Matthews als eine kalte, berechnende Bösewichtin, und sie ist das Beste am Film. Ihre Reden sind theatralisch, ihre Gesichtsausdrücke sind scharf, und sie liefert eine Leistung ab, die wirklich bedrohlich wirkt. Sie ist die Art von Antagonistin, die die Reihe brauchte, eine Figur, die das System besser versteht als jeder andere und es einsetzt, um die Bevölkerung zu kontrollieren. Das Problem ist, dass das Drehbuch ihr keinen Raum zum Atmen lässt. Jeanines Plan wird zur Hälfte des Films enthüllt, und die Enthüllung ist enttäuschend. Das Mysterium der Simulation sollte das Herz der Geschichte sein, aber es wird schnell gelöst, und der Film geht zur nächsten Krise über.
Woodley spielt derweil Tris als eine entschlossene Überlebende. Sie ist müde, verletzt und wütend, und diese Emotionen wirken sich aus „Rebell“ (Insurgent) fort. Die Chemie zwischen ihr und James ist vorhanden, aber sie wird durch den Fokus des Drehbuchs auf den größeren Konflikt gedämpft. Tris soll die Protagonistin der Trilogie sein, und der Film gibt ihr nicht den Raum, so zu handeln, als wäre sie es. Sie reagiert häufiger auf Ereignisse, als dass sie sie vorantreibt, und diese Passivität beraubt die Figur ihrer Handlungsfähigkeit.
Miles Tellers Problem
Teller spielt Peter, den fraktionslosen Kriminellen, der in der zweiten Hälfte des Films zu Tris’ Verbündetem wird. Seine Entwicklung ist die interessanteste im Cast. Peter beginnt als Bösewicht, ein Mann, der Tris in der Vergangenheit verraten hat, aber er löst sich selbst auf, indem er ihr bei der Flucht aus der Simulation hilft. Das Problem ist, dass die Erlösung gehetzt wirkt. Peters Herzenswende entspringt einem einzigen Gespräch, und der Film erwartet vom Publikum, dass es dies ohne Widerrede akzeptiert. Teller gibt sein Bestes mit begrenztem Material, aber das Schreiben lässt ihn im Stich.
Elgort und Kravitz kommen besser zurecht. Elgort spielt Caleb als einen loyalen Bruder, der seine eigene Fraktion verbirgt, und seine Szenen mit Woodley sind von familiärer Spannung geprägt. Kravitz spielt Christina als eine Freundin, die auch eine Kämpferin ist, und ihre Action-Sequenzen gehören zu den besten des Films. Beide Schauspieler bekommen Momente echter Emotionen, aber sie gehen im Gewicht der Handlung unter. Der Film ist überfüllt, und das Ensemble leidet darunter.
Die Action-Szenen
Die Action-Szenen sind der schwächste Punkt des Films. Es gibt eine Verfolgungsjagd durch Chicago, eine Auseinandersetzung in einem Bahnhof und eine finale Schlacht im Regierungssitz. Keine davon ist besonders einprägsam. Die Choreografie ist funktional, der Schnitt ist schnell und die Effekte sind ausreichend, aber es fehlt an Größe und Gefahr. Die Kämpfe fühlen sich wie Platzhalter an, die dazu dienen, die Handlung voranzutreiben, anstatt das Publikum zu unterhalten.
Der Film hat auch mit seinem Tempo zu kämpfen. Der Mittelteil zieht sich, mit langen Abschnitten von Dialogen und Erklärungen, die den Schwung verlangsamen. Der Höhepunkt kommt spät, und die Auflösung ist abrupt. Der Film endet auf einem Cliffhanger, aber es ist ein dünner. Das Publikum wartet auf die nächste Fortsetzung, aber die Wartezeit ist nicht verdient. Der Film wirft Fragen auf, die er nicht beantwortet, und lässt Charaktere in Positionen zurück, die sich ungelöst anfühlen.
Der Soundtrack
Die Musik ist vergesseichlich. Der Score ist kompetent, aber er hebt sich nicht ab. Die Songs sind generische Pop-Tracks, die zusammen verschwimmen. Das Sounddesign des Films ist brauchbar, mit Explosionen, die laut klingen, und Schritten, die hohl wirken. Nichts an dem Audio sticht heraus.
Die Reihenfolge
| Szene | Zeit |
|---|---|
| Tris wacht im Krankenhaus auf | 0:00–0:10 |
| Die Erklärung der Fraktionen | 0:10–0:25 |
| Das Simulationslabyrinth (1) | 0:25–0:40 |
| Der Arena-Kampf (2) | 0:40–0:50 |
| Die Enthüllung von Jeanines Plan (3) | 0:50–1:00 |
| Der Angriff der Gespaltenen (4) | 1:00–1:10 |
| Die finale Schlacht (5) | 1:10–1:20 |
| Der Epilog (6) | 1:20–1:25 |
Der Zeitplan ist dicht, und das ist zu spüren. Der Film versucht, zu viel in seine Laufzeit zu quetschen, und das Ergebnis ist eine gehetzte Geschichte. Das Tempo ist ungleichmäßig, manche Szenen ziehen sich, andere rennen zu schnell vorbei. Der Film ist keine Fehlleistung, aber auch kein Triumph. Er ist ein solider Eintrag in einer Reihe von Filmen, der seinen Zweck erfüllt, ohne dabei viel zu mehr zu leisten. (7)
Das Urteil (8)
Allegiant ist ein Film, der seinen Platz in der Geschichte versteht. Er ist das finale Kapitel, die Brücke zwischen zwei größeren Erzählsträngen, und er ist zufrieden damit, diese Brücke zu sein. Er versucht nicht, das Rad neu zu erfinden, und er versucht nicht, das Publikum zu überraschen. Er erzählt einfach die Geschichte, die ihm gegeben wurde, und er erzählt sie kompetent. (9)
Die Leistungen sind insgesamt gut, wobei Watts die herausragendste Arbeit abliefert. Die Action ist brauchbar, und der visuelle Stil ist unverwechselbar. Der Film ist kein Meisterwerk, aber auch keine Katastrophe. Es ist ein professionelles Produkt, das Fans der Bücher erkennen und Neulinge leicht nachvollziehen können. (10)
Die größte Schwäche des Films ist sein Mangel an Ehrgeiz. Er hätte ein schlanker, geradliniger Thriller sein können, aber er entscheidet sich für ein aufgeblähtes, gesprächsorientiertes Drama. Das Tempo ist ungleichmäßig, der Einsatz wird nicht ausreichend entwickelt, und die Auflösung ist gehetzt. Der Film ist keine Fehlleistung, aber auch kein Triumph. Er ist ein solider Eintrag in einer Reihe von Filmen, der seinen Zweck erfüllt, ohne dabei viel zu mehr zu leisten. (11)
Bewertung: 6,1 von 10 (12)
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