„The Americans“ lief sechs Staffeln lang auf FX und bleibt eines der präzisesten Dramen, die je über den Kalten Krieg gedreht wurden. Die von Joel Fields und Joe Weisberg geschaffene Serie folgt Philip und Elizabeth Jennings, sowjetischen Spionen, die Mitte der 1980er Jahre im Vorort von Washington D.C. leben. Sie ziehen zwei Kinder groß, während sie eine Reiseagentur betreiben, die als Tarnung für die CIA dient, Ziele verführen und nach Moskau Zentrum berichten. Die Serie ist kein Spionagethriller im üblichen Sinn. Sie ist eine langsam entwickelte Charakterstudie, verpackt in Spionage.
Die Serie startete 2013 und überzeugte Kritiker und Publikum gleichermaßen durch reine Handwerkskunst. Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg hervorragend, das Drehbuch ist scharf und das Tempo bewusst gewählt. Die Serie verlangt den Zuschauern, Unbehagen auszuhalten, Charakteren dabei zuzusehen, wie sie schwierige Entscheidungen treffen und mit deren Folgen leben. Diese Geduld zahlt sich über den gesamten Verlauf aus.
Trailer, via ITV.
Philip und Elizabeth
Matthew Rhys spielt Philip als einen Mann, der sich in das amerikanische Leben eingefügt hat. Er ist Vater, Ehemann und ein Spion, der mit seiner Tarnung vertraut geworden ist. Elizabeth, gespielt von Keri Russell, ist kälter. Sie ist die Agentin, diejenige, die die Feldarbeit erledigt, und sie vertraut ihrem Ehemann nie vollständig. Ihre Beziehung ist der Motor der Serie. Sie lieben einander, doch ihre Arbeit stellt diese Bindung ständig auf die Probe.
Die frühen Staffeln etablieren die Spannung zwischen ihren Identitäten. Philip möchte normal sein. Elizabeth möchte effektiv sein. Ihre Tochter Paige, gespielt von Hayley Kiyoko, ahnt als Erste, dass etwas nicht stimmt. Ihr Sohn Henry, gespielt von Keidyn Dunham, ist zu jung, um es zu verstehen. Die Familiendynamik ist der emotionale Kern der Serie und lässt nie nach.
Die Nebenbesetzung
Die Serie ist voller einprägsamer Nebenfiguren, doch einige stechen hervor:
- Paige, die sich von einer verwirrten Teenagerin zu einer Frau entwickelt, die die Welt ihrer Eltern besser versteht als jeder andere.
- Stan Beeman, gespielt von Noah Wyle, ein CIA-Agent, der von den Jenningses besessen wird und schließlich auf ihre Seite wechselt.
- Martha, gespielt von Alison Folland, eine Nachbarin, die sich in Philip verliebt und zu einer Spielfigur in ihren Operationen wird.
- Nina, gespielt von Annet Artani, eine junge Rekrutin, die für eine gefährliche Mission aufgebaut wird.
- Gabriel, gespielt von Richard Cabral, ein kubanischer Agent, der zu einer wiederkehrenden Bedrohung wird.
Jede dieser Figuren erhält ihren eigenen Handlungsbogen, und die Serie schafft es, sie alle auszubalancieren, ohne den Fokus zu verlieren. Das Ensemble ist eine Stärke, keine Last.
The Craft
„The Americans“ ist eine Meisterklasse des visuellen Erzählens. Die Kameraarbeit ist klar und komponiert, und das Produktionsdesign fängt die Ära perfekt ein. Die Farbpalette der Serie ist gedämpft, dominiert von Braun-, Grün- und Blautönen. Die Kulissen wirken bewohnt, mit abgenutzten Möbeln und staubigen Fenstern. Diese Liebe zum Detail erstreckt sich auch auf das Sounddesign. Die Musik der Zeit wird sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzt, und die Filmmusik der Serie ist karg und spannungsgeladen.
Auch das Drehbuch ist ein Höhepunkt. Die Dialoge sind naturalistisch, die Figuren reden um ihre wahren Gefühle herum. Die Serie nutzt oft Rückblenden, um Hintergrundgeschichte zu erzählen, aber es wirkt nie wie aufgesetzte Exposition. Die Autoren vertrauen darauf, dass das Publikum mitkommt, und dieses Vertrauen wird belohnt.
„The Americans“ ist eine Serie über Lügen, und sie weiß, dass die besten Lügen die sind, die wir uns selbst erzählen.
Der Kontext des Kalten Krieges
Die Serie spielt während der Reagan-Regierung und nutzt diesen historischen Moment als Kulisse. Die Iran-Contra-Affäre überschattet die frühen Staffeln, und die Bösewichte der Serie sind nicht nur sowjetische Agenten, sondern auch korrupte amerikanische Beamte. Die Jenningses arbeiten für den KGB, aber sie sind keine Karikaturbösewichte. Sie glauben an ihre Sache, auch wenn sie deren Fehler erkennen.
Die Serie greift auch die AIDS-Krise, den Aufstieg der Kabelnachrichten und die politische Polarisierung der Ära auf. Diese Fäden sind in das Gewebe der Geschichte eingewoben, aber sie überwältigen nie die zentrale Handlung. Der Kalte Krieg ist nicht nur ein Schauplatz; er ist selbst eine Figur.
Die sechste Staffel
Die sechste Staffel, die 2018 ausgestrahlt wurde, beendet die Serie mit einem Knall. Die Jenningses sind gezwungen, eine endgültige Entscheidung über ihre Zukunft zu treffen, und die Serie mildert den Einsatz nicht. Es gibt eine Schießerei, einen Verrat und eine Auflösung, die den Zuschauer beunruhigt zurücklässt. Das Ende ist mehrdeutig, was zu einer Serie passt, die nie einfache Antworten bot.
Die letzte Staffel führt auch eine neue Generation von Figuren ein, darunter Paige‘ Tochter und Elizabeths Nichte. Diese jüngeren Figuren repräsentieren die Zukunft der Familie, und ihre Anwesenheit verlagert den Fokus vom Kalten Krieg auf dessen Nachwirkungen. Die Serie endet mit einer Frage, nicht mit einer Antwort.
Das Vermächtnis
„The Americans“ gilt weithin als eine der besten Serien des Jahrzehnts. Sie hat eine Generation von Spionagedramen beeinflusst, von „Homeland“ bis „Fargo“. Ihre Mischung aus Familiendrama und geopolitischer Spannung ist zu einer Vorlage für serielle Fernsehproduktionen geworden.
Der Erfolg der Serie ist auch das Ergebnis der Qualität ihres kreativen Teams. Fields und Weisberg erschufen eine Welt, die lebendig und spezifisch wirkte, und die Besetzung erweckte diese Welt mit Nuancen und Zurückhaltung zum Leben. Die Serie ist nicht aufwendig, aber sie ist wirkungsvoll.
Das Urteil
„The Americans“ ist eine anspruchsvolle Serie. Sie verlangt von den Zuschauern, Zeit in Figuren zu investieren, deren Motive nicht immer bewundernswert sind. Sie belohnt diese Investition zugleich mit einigen der besten Drehbücher und schauspielerischen Leistungen im Fernsehen. Die Serie ist ein langsames Brennen, aber es ist ein Brennen, das nie erlischt.
Sie erhält 7,8 von 10 Punkten.
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