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Lagarde wehrte sich laut dem Journal gegen Binances Antrag auf eine EU-Krypto-Lizenz

EZB-Chefin Lagarde blockierte Binances griechischen Lizenzantrag aus Furcht vor einer Verschiebung hin zu Dollar-Stablecoins. Ein vernichtender Schlag für die EU-Ambitionen der Kryptobranche.

Von mitch·6 Min. Lesezeit
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Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, griff persönlich ein, um zu verhindern, dass Binance eine Lizenz für den Betrieb in der EU erhält, so das Wall Street Journal. Der Schritt hing mit der Größenordnung zusammen: Binance ist die weltweit größte Krypto-Börse, und Lagarde befürchtete, dass ihre Größe Nutzer zu dollar-basierten Stablecoins drängen könnte, die den digitalen Euro und auf Euro lautende Alternativen bedrohen.

Binance zog seinen griechischen Antrag Mitte Juni zurück. Das Journal berichtet, ein hochrangiger griechischer Regulator habe Binance mitgeteilt, Lagarde wolle die Entscheidung aufschieben, bis die ESMA die Lizenzierung im Rahmen einer vorgeschlagenen EU-Reform übernimmt, die noch nicht verabschiedet wurde. Gillian Lynch, Binances Europa-Chefin, sagte Anfang Juli zu CoinDesk, die Börse habe alle HCMC-Anforderungen erfüllt und bezeichnete den Antrag als vollständig.

Lagardes Sorge wegen Stablecoins

Lagardes Sorge ist eindeutig. Eine große Börse, die auf Euro lautende Vermögenswerte verwaltet, könnte die Nachfrage stattdessen zu dollar-gestützten Coins verschieben, und sie will verhindern, dass dies geschieht. Auf Euro lautende Stablecoins sollen Teil des Ökosystems des digitalen Euro sein. Ein dominierender Akteur, der stattdessen Dollars wählt, könnte dieses gesamte Projekt untergraben.

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Das Zitat stammt von einem EZB-Sprecher, der zu CoinDesk sagte, die Zentralbank habe keine institutionelle Rolle bei der Zulassung von Krypto-Dienstleistern (CASPs). Diese Verantwortung liege bei den nationalen zuständigen Behörden wie der Hellenic Capital Market Commission (HCMC).

„Wir werden uns nicht zu Spekulationen äußern.“

Das ist der volle Umfang von Binances öffentlicher Antwort auf den Bericht des Journals.

Binances Rückzug und der griechische Regulator

Binance zog seinen griechischen Antrag Mitte Juni zurück. Ein hochrangiger griechischer Regulator teilte Binance mit, Lagarde wolle die Entscheidung aufschieben, bis die ESMA die Lizenzierung im Rahmen einer vorgeschlagenen EU-Reform übernimmt, die noch nicht verabschiedet wurde.

Dieser Zeitpunkt ist wichtig. Die ESMA ist die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde, und die Reform würde die Lizenzierung in ihren Zuständigkeitsbereich legen. Bis dahin bearbeiten die nationalen Behörden diese Entscheidungen. Griechenlands Schritt bedeutet, dass Binances griechischer Betrieb nun auf die ESMA wartet statt auf einen nationalen Regulator.

Gillian Lynch wehrt sich

Lynch wehrte sich öffentlich. Sie sagte CoinDesk Anfang Juli, Binance habe alle Anforderungen der HCMC erfüllt, und bezeichnete den Antrag als vollständig. Ihre Botschaft war einfach: Die Börse habe ihre Hausaufgaben gemacht, und das Problem liege nicht bei Binance, sondern beim politischen Prozess.

Die Position von Binance ist konsequent: Das Unternehmen plant weiterhin, eine Zulassung nach den MiCA-Regeln (Markets in Crypto-Assets) der EU zu beantragen. Das Unternehmen hat seinen Kurs nicht geändert, obwohl der Weg über Griechenland versperrt ist.

CZs vergangene Probleme

Die zeitliche Einordnung dieser Nachricht hat einen Hintergrund. Changpeng „CZ“ Zhao, der Gründer von Binance, gab 2023 zu, in den USA gegen den Bank Secrecy Act (BSA) verstoßen zu haben, und erklärte sich bereit, 4,3 Milliarden Dollar an Geldstrafen zu zahlen. Er verbüßte 2024 eine viermonatige Haftstrafe in Kalifornien und wurde im Oktober 2025 von Präsident Donald Trump begnadigt.

Diese Ereignisse stehen nicht direkt mit dem griechischen Lizenzstreit in Zusammenhang, aber sie überschatten die gesamte Debatte. Ein Gründer mit Vorstrafe und einer massiven Geldstrafe ist für Regulierungsbehörden schwerer zu vermitteln.

ESMA’s privater Rat

Das WSJ berichtete, dass die ESMA nationalen Regulierungsbehörden privat empfahl, die MiCA-Anträge von Binance wegen früherer Compliance-Probleme abzulehnen. Dieser Rat kam von der ESMA, nicht von Lagarde selbst, aber er weist in dieselbe Richtung. Sowohl die Zentralbank als auch die Wertpapieraufsicht scheinen gemeinsam gegen Binance vorzugehen.

Die praktische Wirkung ist dieselbe: Nationale Regulierungsbehörden haben Deckung, um Anträge abzulehnen, und Binance steht vor einem schwierigeren Weg auf dem gesamten Kontinent.

Die Frage nach der Rolle der EZB

Die weiterreichende Frage ist, ob die EZB überhaupt eine Rolle dabei spielen sollte. Die Erklärung des Sprechers ist unverblümt: Die Zentralbank hat keine institutionelle Rolle bei der Zulassung von Krypto-Asset-Dienstleistern. Das ist die offizielle Linie.

Doch Lagardes Eingreifen deutet auf etwas anderes hin. Sie ist die Präsidentin der EZB, und ihre Sorge über Stablecoins ist echt. Ob ihr das das Recht gibt, Druck auf nationale Regulierungsbehörden auszuüben, ist eine separate Frage.

Was als Nächstes passiert

Binance gibt nicht auf. Das Unternehmen erklärt, es plane weiterhin, eine Zulassung nach MiCA zu beantragen. Das bedeutet, dass der Kampf wahrscheinlich an anderer Stelle weitergehen wird.

Die vorgeschlagene EU-Reform, die die ESMA in die Lizenzierung einbeziehen würde, ist noch nicht verabschiedet. Bis dahin bleiben die nationalen Behörden die Torwächter. Griechenlands Schritt, die Entscheidung zu verzögern, versetzt Binance in eine Warteschleife, ebnet aber auch den Weg dafür, dass die ESMA irgendwann die Kontrolle übernimmt.

Wo die Zeitung steht

Die Zeitung unterstützt Binance und ist gegen Lagardes Eingreifen, das den markt für auf Euro lautende Stablecoins auf Kosten des Wettbewerbs durch ein kleineres Unternehmen zu schützen scheint. Das Eingreifen hindert Binance daran, in der EU tätig zu sein, und die Begründung dahinter – der Schutz von auf Euro lautenden Vermögenswerten vor dollarbasierten Konkurrenten – klingt wie der Versuch, einen Markt zu stützen, den die EZB kontrollieren will.

Die Zeitung lehnt Regeln ab, die die Eintrittskosten für kleine Unternehmen erhöhen, und sie sieht darin einen Fall, in dem ein Gigant von genau denen gestoppt wird, die die Märkte frei laufen lassen sollten. Binance hat erklärt, weiterhin eine Zulassung nach MiCA beantragen zu wollen, und die Zeitung will diesen Weg offen halten.

Die Position der Zeitung ist, dass Regulierung in der Regel die größten Akteure schützt und die Eintrittskosten für kleine erhöht. Hier ist die Präsidentin der EZB eingeschritten, um eine Lizenz zu blockieren, und der angegebene Grund – Sorge wegen Stablecoins – sieht wie ein Mittel aus, um das Spielfeld zugunsten von auf Euro lautenden Vermögenswerten geneigt zu halten. Die Verzögerung durch die griechische Regulierungsbehörde bis zur Übernahme der Lizenzierung durch die ESMA passt zum Muster, dass eine größere Behörde eine nationale Entscheidung übernimmt und die Hürden für ein Unternehmen, das in den Markt eintreten will, erhöht.

Kasten mit den wichtigsten Fakten

  • Lagardes Eingreifen: Blockierte Binances EU-MiCA-Lizenz in Griechenland
  • Grund: Sorge wegen Binances Größe und möglicher Verlagerung auf dollarbasierte Stablecoins
  • Rückzug: Binance zog seinen griechischen Antrag Mitte Juni zurück
  • Reaktion der griechischen Regulierungsbehörde: Teilte Binance mit, Lagarde wolle eine Verzögerung bis zur Übernahme durch die ESMA
  • Rat der ESMA: Riet nationalen Regulierungsbehörden privat, Binances MiCA-Anträge abzulehnen
  • CZs BSA-Eingeständnis: räumte 2023 den Verstoß gegen den BSA ein, erklärte sich bereit, 4,3 Milliarden Dollar Geldstrafe zu zahlen, vier Monate Haft 2024, im Oktober 2025 von Trump begnadigt
  • Binances Position: beabsichtigt weiterhin, eine Zulassung nach den EU-MiCA-Regeln zu beantragen

Die Geschichte ist nicht vorbei. Binance strebt weiterhin eine Zulassung an, und die vorgeschlagene EU-Reform ist nach wie vor nicht verabschiedet. Lagardes Eingreifen hat Binances griechischen Weg verlangsamt, aber das Unternehmen nicht vollständig gestoppt.

Klar ist, dass die Zentralbank in diesem Bereich nun Gewicht hat. Ob dieses Gewicht richtig gesetzt ist, ist eine Frage, die die EU beantworten muss.

Quellenmaterial: „ECB President Christine Lagarde intervened to block Binance’s EU MiCA license: WSJ“, CoinDesk.

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