Netflixs The King verwandelt Shakespeares Heinrich IV. und Heinrich V. in eine düstere, mitunter verwirrende Origin-Geschichte eines jungen Königs, der die Krone nicht will. Unter der Regie von David Michôd, der das Drehbuch gemeinsam mit Joel Edgerton verfasste, spielt Timothée Chalamet in dem Film Hal, einen Prinzen, der seine Jugend mit Trinken und Kämpfen auf den Straßen verbringt, bevor er widerwillig den Thron als Heinrich V. annimmt. Joel Edgerton spielt Falstaff, den älteren Schurken, der ihn großzieht. Das Ergebnis ist ein grüblerisches, gewalttätiges Drama, das die Themen der Vorlage respektiert, dabei aber oft deren Form aus den Augen verliert.
Trailer, via Disney UK.
Hals Weg zum Thron
Der Film beginnt damit, dass Hal unter einfachen Leuten in Eastcheap lebt, trinkt und mit Falstaff scherzt. Sein Vater, König Heinrich IV., gespielt von Ben Mendelsohn, wird Hals Ausschweifungen überdrüssig und verkündet, dass stattdessen Hals jüngerer Bruder Prinz Thomas, gespielt von Dean-Charles Chapman, den Thron erben werde. Hals Vater schickt Thomas los, um eine von Hotspur, gespielt von Tom Glynn-Carney, angeführte Rebellion niederzuschlagen, doch Hal erreicht das Schlachtfeld, fordert Hotspur zum Zweikampf heraus und gewinnt, wodurch der Kampf ohne weiteres Blutvergießen endet.
Während Thomas in Wales im Feldzug ist, stirbt er. Kurz nachdem König Heinrich IV. verschieden ist, wird Hal als König Heinrich V. gesalbt. Er versucht, mit den vielen Feinden seines Vaters Frieden zu schließen, ein Schritt, der von denen um ihn herum als Schwäche angesehen wird. Bei seinem Krönungsfest überreichen Gesandte des Dauphins von Frankreich, gespielt von Robert Pattinson, Hal als Beleidigung einen Tennisball. Hal entscheidet sich, dieses Geschenk als positive Spiegelung seiner Knabenzeit zu deuten.
Der Tennisball und der Verrat
Thomasin McKenzie spielt Philippa, die Schwester von König Heinrich V., die Königin von Dänemark geworden ist und ihren Bruder davor warnt, dass die Adligen an seinem eigenen königlichen Hof alle ihre eigenen privaten Interessen im Herzen tragen und niemals vollständig offenbaren werden, was sie wirklich beabsichtigen. Ein gefangener Attentäter sagt König Heinrich V., er sei von König Karl VI. von Frankreich entsandt worden, um den König zu töten. Die französischen Agenten wenden sich dann an die englischen Adligen Cambridge und Grey, gespielt von Steven Elder und Edward Ashley, und die beiden Verräter verschwören sich gegen Hal.
Die Verschwörer können den Obersten Richter Gascoigne nicht für sich gewinnen. Gascoigne sagt Hal, dass eine Machtdemonstration nötig sei, um England zu einen, woraufhin Hal Frankreich den Krieg erklärt und befiehlt, Cambridge und Grey hinzurichten. Dann wendet er sich Falstaff zu und macht ihn zu seinem obersten Militärstrategen, wobei er erklärt, Falstaff sei der einzige Mann, dem er wirklich vertraue. Das englische Heer bricht nach Frankreich auf.
Wo der Film zu kurz greift
Edgerton und Michôd haben einen Film geschaffen, in dem ein König Gnade gegen Macht abwägen muss, doch die Erzählung wird häufig unter den eigenen großen Ambitionen des Bildes begraben. Die Tennisball-Sequenz, die als Wendepunkt gedacht ist, wirkt überstürzt und heruntergespielt. Das Komplott um Cambridge und Grey endet viel zu schnell, wobei ihr Tod eher als bequemer Handlungskniff fungiert denn als etwas, das echtes Gewicht trägt. Der mittlere Teil des Films zieht sich, belastet von politischem Taktieren, das nie recht zusammenfindet.
Hals magnetische Anziehungskraft kommt von Chalamet, der die jugendliche Unbekümmertheit des Prinzen und seine widerwillige Gravitas als König einfängt. Edgertons Geist, während Falstaff eine wärmere Präsenz ausstrahlt, auch wenn seine Rolle als oberster Militärstratege weniger verdient als vielmehr verkündet wirkt. Pattinson liefert einen hervorragenden Dauphin, der seine Spötteleien mit echtem Bedrohungspotenzial spielt. Mendelsohn verleiht König Heinrich IV. eine müde, gebieterische Präsenz, doch die historischen Freiheiten des Films, die von Gelehrten wegen der Abweichung von Shakespeares Stücken kritisiert werden, untergraben etwas von dem Gewicht seiner Darstellung.
Eine schwere Krone, leicht getragen
| Element | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|
| Chalamets Hal | Magnetisch, überzeugend | Tempo des Mittelteils |
| Edgertons Falstaff | Wärme, Chemie | Als Stratege unterentwickelt |
| Pattinsons Dauphin | Bedrohlich, scharf | Überzogene Momente |
| Historische Genauigkeit | Von Gelehrten kritisiert | Weicht von Shakespeare ab |
Der Film funktioniert am effektivsten, wenn er sich auf die Bindung zwischen Hal und Falstaff konzentriert, und schwächelt, wann immer er persönliches Drama zugunsten großen Spektakels opfert. Michôds Regie ist souverän, doch das Drehbuch kämpft damit, seinen ausufernden Umfang mit der Intimität seiner zentralen Figuren in Einklang zu bringen. Der letzte Akt, der in den Frankreichfeldzug der englischen Armee mündet, bleibt ein Versprechen, das der Film letztlich nicht einlöst.
Ein würdiger Beitrag im Netflix-Originalprogramm, ist The King eine kühne, fehlerhafte Adaption von Shakespeares Historien, getragen von starken Leistungen und einem klaren thematischen Anspruch. Er verfehlt die Größe vor allem deshalb, weil seine eigenen Ambitionen ihm im Weg stehen. Er lässt die Zuschauer eine straffere, fokussiertere Version der Geschichte zurücklassen, die er zu erzählen begonnen hat.
Das Notizbuch abonnieren.
Die besten Geschichten des Tages und jedes neue Urteil, in klarem Deutsch, um sieben im Postfach. Eine Mail am Tag, nicht mehr.





