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Die Konferenz in San Sebastian setzt KI, Besessenheit und YouTube auf die gleiche Liste (1)

Die Creative Investors' Conference in San Sebastian: 10 Erkenntnisse zu KI, 'Obsession', YouTube und warum internationale Filme bei den Oscars dominieren könnten.

Von mitch·8 Min. Lesezeit
Executives discuss international cinema trends at a film conference.

Die Creative Investors‘ Conference in San Sebastian ist zur Bühne geworden, auf der die Filmwirtschaft sich selbst einredet, besser zu werden, obwohl die Zahlen immer schlechter werden. Vier Jahre lang hat CIC, gemeinsam mit CAA Media Finance organisiert, auf positive Entwicklungen und Chancen nach COVID und dem Tiefpunkt im TV-Bereich bestanden. Die Ausgabe 2026 betonte stärker denn je die Idee, dass das US-Kino wiedererstarkt, soziale Medien ein Freund sind und internationale Filme kurz davor stehen, die Oscars zu dominieren. Das Problem ist, dass diese Behauptungen nicht ganz mit den Fakten übereinstimmen.

Die Podiumsdiskutanten sprachen von einem dramatischen Wiederaufschwung im US-Kino und verwiesen auf die Rekord-Boxoffice-Einnahmen im Sommer. Sie wiesen auch auf neue Energiequellen im Sektor hin: den Aufbau ausgewählter nationaler Industrien auf der ganzen Welt und das zunehmende Engagement von Equity-Investitionen bei der Finanzierung. Die Stimmung war von gezieltem Optimismus geprägt, als ob der Wind von der Bucht eine Art wirtschaftliche Heilung mit sich bringen würde.

Aber der Gesamtmarkt im TV-Vertrieb liegt immer noch zurück. Ampere Analysis weist darauf hin, dass der Markt bei 75 % des Niveaus des TV-Hochpunkts liegt. In Schlüsselmärkten bestehen weiterhin große Probleme. In Christine Vachons prägnanter Formulierung ist die unabhängige US-Produktion „grundsätzlich ruiniert“. Das ist die Realität, die die Konferenz den größten Teil der Zeit ignorierte.

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Das Argument des Wiederaufschwungs

Elissa Federoff, Leiterin der Distribution bei Neon, war eine große Verfechterin des Optimismus auf der Konferenz. Sie erschien in einem wichtigen Panel am ersten Tag mit dem Titel „Die neue US-Landschaft“ und argumentierte, dass die Branche seit der Pandemie stetig erholt sei.

„Ich denke, es ist eine Erholung, ein phänomenales Ergebnis“, sagte Federoff. „Jedes Jahr seit der Pandemie haben wir Wachstum gesehen, und es war erstaunlich zu beobachten.“

Sie nannte die Hindernisse, die mit der Pandemie einhergingen: COVID ist passiert, Streiks sind passiert, Kinoschließungen sind passiert. Aber sie sah auch etwas anderes geschehen.

„Wir haben neue Wege während dieser Zeit gesehen“, fügte Federoff hinzu. „Es gab einen Aufschwung vieler anderer Unterhaltungskanäle, Gaming, Social-Plattformen, Streaming-Plattformen.“

Das Argument lautet, dass die Pandemie neue Möglichkeiten der Unterhaltung geschaffen hat und dass diese neuen Kanäle dazu beigetragen haben, das Publikum wieder in die Kinos zu locken. Die von ihr vorgelegten Beweise waren persönlich: sie merkte an, dass die meisten Kinobesucher nun „jünger, Millennials, Gen Z und sogar noch jünger“ seien.

Soziale Medien als Wegweiser

Die Explosion sozialer Medien wurde einst als Bedrohung für das Kino-Publikum angesehen. Nun wird sie als Wegweiser dargestellt. Rob Williams von Sumerian Pictures, dessen Unternehmen im Juni 2025 gegründet wurde und „Josephine“ auf Sundance entdeckte, sagte, die Menschen kämen zwar wieder in die Kinos, würden Filme aber anders erleben.

„Kinobesucher finden ihre Filme heutzutage meist über soziale Medien“, merkte Federoff an.

Adele Romanski, Produzentin bei Pastel Pictures, brachte es auf den Punkt: „Distributoren suchen nach Filmen, um Gespräche anzustoßen, indem sie auf soziale Medien setzen.“ Sie sprach über Filme wie das queere Epos „La Bola Negra“, den Gewinner des TIFF People’s Choice Awards, der oft als Oscar-Vorhersage gilt, und der eine Pop-Sensibilität, eine Mainstream-Reichweite besitzt und die LGBTQ-Sache unterstützt.

Der Kontext erklärt, warum es Begeisterung um solche Filme gibt. Sie sind darauf ausgelegt, sich über die Plattformen zu verbreiten, die einst als Konkurrenz gefürchtet wurden.

Das YouTube-Phänomen

Die Konversationsrunde kehrte immer wieder zu zwei U.S.-Box-Office-Ereignissen zurück: „Obsession“, basierend auf einem YouTube-Kurzfilm, und „Backrooms“, das als virale YouTube-Webserie begann. Das Panel „Europe’s Current Challenges and Opportunities“ widmete beiden Filmen viel Zeit.

„’Obsession‘ und ‚Backrooms‘ sind zwei Filme, die die Art und Weise, wie Hollywood über Filme spricht, komplett verändert haben“, sagte Lorenzo de Maio, der in L.A. ansässig ist.

Der Punkt war, dass Distributoren nicht mehr auf traditionelle Marketingkanäle warten müssen. Sie können den Film direkt zum Publikum bringen, und die Macher von „Obsession“ und „Backrooms“ brachten ihre eigene Fangemeinde mit.

„Das gleiche Phänomen ist auch in Europa zu spüren“, merkte Ron Halpern von StudioCanal an. „Es gibt ein Publikum, das Filme liebt, ein jüngeres Publikum auch, und das auf eine Weise offen für unterschiedliche, authentische Stimmen ist, in der wir vor fünf oder zehn Jahren nicht so zuversichtlich gewesen wären.“

Halperns Team wusste, dass Florence Pugh „das TikTok-Publikum begeistern“ würde, und das hat sie auch getan. Der Zwei-Personen-Film „We Live in Time“ mit Andrew Garfield und Florence Pugh profitierte von diesem gleichen Ansatz, der direkt an das Publikum gerichtet ist.

Internationale Oscar-Dominanz?

Rodrigo Teixeira, hinter „I’m Still Here“, äußerte eine kühne Prognose über die Zukunft der Academy Awards. Er argumentierte, dass internationale Filme bereits ihre Wirkung zeigen und dieser Trend sich beschleunigen werde.

„Wir sehen mindestens drei bis vier internationale Filme in der Kategorie „Bester Film“, sagte Teixeira. „Und in fünf Jahren werde ich glauben, dass internationale Filme 60 % der Kategorie für den besten Film ausmachen werden, weil wir mehr sprechen können. Wir haben Meinungsfreiheit, und in den USA ist es ohne Meinungsfreiheit schwierig, eine Finanzierung zu bekommen.“

Teixieras Erfolgsbilanz untermauert sein Selbstvertrauen. Er machte sich mit der Produktion von US-Independent-Filmen wie „Francis Ha“ und „The Witch“ einen Namen und hat seitdem seine Geschäfte global ausgedehnt. 2025 drehte er Filme in Brasilien, Rumänien, den USA, Chile, Argentinien und dem Libanon.

Das Argument lautet, dass internationale Filmemacher mehr Freiheit haben, ihre Meinung zu äußern, und diese Freiheit zu mehr Sichtbarkeit bei den Oscars führt. Das US-System hingegen hat Schwierigkeiten, Filme zu finanzieren, die gegen seine politischen Grenzen stoßen.

International Hat Immer Noch Schwierigkeiten

Die internationale Erfolgsgeschichte kommt mit einer Einschränkung. Während einige Märkte boomen, schrumpfen andere. Brasilien ist ein Beispiel dafür.

„I’m Still Here“ und „The Secret Agent“ erzielten „außergewöhnliche“ Ergebnisse am brasilianischen Kino, sagte Teixeira. „The Blue Trail“ erzielte „sehr gute, solide Ergebnisse“. Aber viele andere brasilianische Filme erzielen in Kinos nur 10.000 Besucher.

„Und das tötet den Film“, schloss er.

In Südkorea ist die Situation ähnlich. Heejeon Kim von Barunson C&C merkte an, dass Unternehmen zunehmend international suchen „aus Notwendigkeit“. „Die Anzahl der Filme und die Einnahmen, alles schrumpft, die Finanzierer haben wirklich Schwierigkeiten, Geld anzulegen“, fügte sie hinzu.

Vincent Maraval, von Goodfellas, hat das globale Bild in Perspektive gerückt. „Was wir in den letzten zehn Jahren in vielen, vielen Ländern gesehen haben, ist, dass der Marktanteil von lokalen Filmen gestiegen ist: Die Menschen wollen lokale Filme sehen. Indonesiens Kino-Marktanteil liegt jetzt bei 60 %. Vor 10 Jahren war es wahrscheinlich 10 %, 12 % oder 15 %. Das ist eine große Herausforderung für uns“, sagte er.

Sales Agents und Produzenten greifen auf Eigenkapital zurück, um nicht nur bei Vorverkäufen, sondern auch bei Rückzügen von Streaming-Diensten eine Lücke zu schließen.

Eigenkapital als neue Norm

Eigenkapitalinvestitionen werden zu einem Standardbestandteil der Finanzierungswerkzeuge, nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt. Maraval wies auf die Entwicklung in mehreren Ländern hin, in denen lokale Filme Marktanteile gewinnen und das Publikum hungrig nach seinen eigenen Geschichten ist.

„Es gibt so viele Möglichkeiten zur Co-Produktion innerhalb Europas und so viele Möglichkeiten, dies zu tun. Die Komplexität ist vorhanden, aber es lohnt sich, sie zu meistern, da es sich um eine florierende Industrie handelt“, sagte De Maio.

Die Herausforderung besteht darin, dass die lokalen Gewinne auf Kosten des internationalen Erfolgs gehen. Da das Publikum sich Filme aus der Heimat zuwendet, schrumpft der Appetit auf ausländische Titel. Das macht es für internationale Filmemacher schwieriger, Distribution und Finanzierung zu finden.

Die Widersprüche

Die Konferenz war voller Optimismus, aber die Widersprüche waren überall zu finden. Das Wiederaufleben des US-amerikanischen Kinobetriebs ist real, so die Rekord-Sommer-Einspielergebnisse. Aber der TV-Markt liegt bei 75 % des Höchststands, und die unabhängige Produktion ist „im Grunde ruiniert“.

Der internationale Erfolg bei den Oscars ist real, aber das brasilianische Kino stirbt. Der Aufbau von Eigenkapital ist real, aber er ist eine Komplikation, keine Heilung.

Die Botschaft der Konferenz ist, dass die Branche sich an neue Realitäten anpasst. Die Realität ist, dass diese Anpassung ungleichmäßig verläuft und die Kosten von kleinen Filmemachern in bestimmten Märkten getragen werden.

Die Kernbotschaft ist einfach: Die Konferenz ist eine Feier des Überlebens, kein Siegeszug. Die Branche findet neue Wege, aber diese Wege sind eng und überfüllt.

  • Das Wiederaufleben des US-amerikanischen Kinobetriebs ist real, aber der TV-Markt liegt bei 75 % des Höchststands.
  • Internationale Filme gewinnen Oscars, aber das brasilianische Kino schrumpft.
  • Eigenkapital wächst, aber es ist eine Komplikation, kein Heilmittel.
  • Soziale Medien sind ein Freund, aber sie sind auch eine Bedrohung für das alte Vertriebsmodell.

Die Konferenz ist ein Spiegelbild eines Moments, in dem die Filmbranche sich selbst erzählt, sie werde besser, obwohl die Zahlen immer schlechter werden. Der Optimismus ist real, aber die Widersprüche sind die Geschichte.

Die Frage, die die Teilnehmer der Konferenz nicht ansprachen, ist, ob die neuen Wege breit genug sind, um die Branche zu erhalten. Die Antwort könnte in fünf Jahren kommen, wenn sich Teixeira’s Vorhersage über die Oscars bewahrheitet.

Quelle: „San Sebastians Creative Investors’ Conference: 10 Takeaways From AI to ‘Obsession,’ YouTube and Why International Movies Could Dominate the Oscars“, Variety.

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