Japan ändert die Regeln für den Aufenthalt. Neue Anforderungen für dauerhaften Aufenthalt und Staatsbürgerschaft werden in Phasen ab dem 1. Oktober wirksam und erschweren das Leben für die ausländischen Einwohner des Landes.
Abdul, ein bangladeschischer Technologieingenieur, der im Norden Tokyos lebt, bereitet sich darauf vor, sowohl einen dauerhaften Aufenthalt als auch die Staatsbürgerschaft zu beantragen. Er kam vor fast acht Jahren für die Arbeit und sagt, er fühle sich in Japan mehr zu Hause als in Bangladesch. Nun sucht er aufgrund der Unsicherheit über die verschärften Regeln nach Möglichkeiten außerhalb des Landes.
Sarah Nelkin, eine Amerikanerin, die seit 14 Jahren in Japan lebt und in der Unterhaltungsbranche arbeitet, reichte kurz vor der Bekanntmachung der Änderungen eine Bewerbung um dauerhaften Aufenthalt ein. Sie befürchtet, ihre US-amerikanische Staatsbürgerschaft aufgeben zu müssen, falls ihre Bewerbung abgelehnt wird, da Japan keine doppelte Staatsbürgerschaft anerkennt.
Die neue Messlatte für Antragsteller
Gemäß den neuen Regeln müssen Antragsteller ein Haushaltseinkommen nachweisen, das über dem japanischen Durchschnitt liegt. Diese Anforderung gilt rückwirkend für Bewerbungen, die seit April eingereicht wurden.
Antragsteller müssen außerdem ihre japanische Sprachkenntnisse nachweisen und über einen Pensionsfonds verfügen, der einem Zeitraum von 30 Auszahlungen entspricht. Die Einwanderungsbehörde hat betont, dass Antragsteller „unabhängig leben“ und „ein stabiles Leben ohne das Risiko führen sollten, eine Belastung darzustellen“.
„Unabhängig leben“ und „ein stabiles Leben ohne das Risiko, eine Belastung darzustellen“
Zahlen hinter der Entwicklung
Japans ausländische Einwohnerzahl erreichte bis Ende 2025 einen Rekordwert von 4,12 Millionen, oder etwa 3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Schätzungen zufolge könnte die japanisch geborene Bevölkerung bis 2070 den OECD-Durchschnitt von 10 Prozent erreichen.
Gleichzeitig sank die Zahl der japanischen Staatsbürger zwischen Januar 2025 und 2026 um mehr als 900.000 aufgrund der niedrigen Geburtenrate des Landes. Eine aktuelle Umfrage des Instituts für Sozialwissenschaften an der Universität Tokio ergab, dass 56,3 Prozent der Japaner einer Aufnahme von mehr Ausländern ablehnen, gegenüber 35,6 Prozent im Jahr 2024.
Risa Hagiwara, eine Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der Meikai-Universität, sagte, die Änderungen spiegeln eine Verlagerung hin zu einer „selektiven und bedingten“ Einwanderungspolitik wider, die im Spannungsverhältnis zu Japans Bedarf an Arbeitskräften angesichts einer schrumpfenden Bevölkerung steht.
Wer drängt auf die Regeln?
Premierministerin Sanae Takaichi sagte im vergangenen Jahr während ihres Wahlkampfs um die Führung der Liberaldemokratischen Partei, Japan solle „zumindest vorerst“ politische Maßnahmen „überdenken, die Menschen mit völlig anderen Kulturen und Hintergründen einlassen“. Ihr Koalitionsabkommen mit der rechtsgerichteten Partei Japan Innovation Party verpflichtete sich zu einer entschlossenen Haltung gegenüber Ausländern, die gegen die Regeln verstoßen, sowie zu Maßnahmen zur Bewältigung „potenzieller sozialer Spannungen“ durch eine wachsende ausländische Bevölkerung.
Die rechtsextreme, anti-Einwanderungs-Partei Sanseito hat mit ihrer „Japan zuerst“-Botschaft zugelegt und bei der jüngsten Wahl des Unterhauses mit einem Rekordergebnis von 15 Sitzen den drittgrößten Oppositionsstatus erreicht.
Was Abdul und Nelkin bevorsteht
Abduls Geschichte ist persönlich. Er hat sich in Japan ein Leben aufgebaut und sieht sich nun mit Unsicherheit darüber konfrontiert, ob er bleiben kann. Der Einkommensschwellenwert und die Rentenanforderung sind hoch, und sie gelten rückwirkend für Personen, die ihre Unterlagen vor der Ankündigung eingereicht haben.
Nelkins Fall ist anders. Sie lebt seit 14 Jahren in Japan und hat bereits Wurzeln geschlagen. Der Verzicht auf ihre US-amerikanische Staatsbürgerschaft wäre ein erheblicher Schritt, und sie hat dies nicht ausgeschlossen.
Die neuen Regeln werden schrittweise eingeführt, was bedeutet, dass einige Antragsteller nach den alten Standards beurteilt werden, während andere den neuen gegenüberstehen. Das schafft Verwirrung für Menschen, die ihre Zukunft planen.
Der politische Kontext
Die ausländische Bevölkerung Japans ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, und das Land steht vor demografischen Herausforderungen, die durch Zuwanderung gelindert werden könnten. Die öffentliche Meinung hat sich gegen die Aufnahme von mehr Ausländern verschoben, und politische Parteien haben darauf reagiert, indem sie eine härtere Linie verfolgen.
Takaichis Äußerungen während ihres Wahlkampfs spiegelten diese Stimmung wider, und ihr Koalitionsabkommen mit der Innovation Party machte das ausdrückliche Bestreben deutlich, gegen Ausländer vorzugehen, die gegen die Regeln verstoßen.
Der Aufstieg der Sanseito-Partei zeigt, dass das Gefühl gegen Zuwanderung eine starke Anhängerschaft hat. Ihre Rekordzahl von 15 Sitzen macht sie zur drittgrößten Oppositionspartei.
Was als nächstes geschieht
Die Regeln treten ab dem 1. Oktober schrittweise in Kraft, und die rückwirkende Einkommensanforderung bedeutet, dass einige Antragsteller, die ihre Unterlagen vor der Bekanntmachung eingereicht haben, nach dem neuen Standard beurteilt werden.
Abduls Entscheidung, außerhalb Japans nach Möglichkeiten zu suchen, ist ein Warnsignal. Nelkins Angst, ihre US-amerikanische Staatsbürgerschaft zu verlieren, ist ein weiteres Warnsignal. Die neuen Regeln schließen Türen für Menschen, die bereits bewiesen haben, dass sie einen Beitrag leisten können.
- Die neuen Regeln erfordern ein Haushaltseinkommen, das den japanischen Durchschnitt übersteigt.
- Antragsteller müssen ihre Kenntnisse der japanischen Sprache nachweisen.
- Antragsteller müssen einen Rentenfonds haben, der einem Zeitraum von 30 Auszahlungen entspricht.
- Der Einkommensschwellenwert gilt rückwirkend für Anträge, die seit April eingereicht wurden.
Wo die Zeitung steht
Die Zeitung unterstützt Abdul und Sarah Nelkin als Einzelpersonen, die danach streben, dort zu leben, wo sie es wählen, und ist gegen die Verschärfung der Regeln für ständige Aufenthalt und Staatsbürgerschaft durch die japanische Regierung, die das Leben der ausländischen Einwohner des Landes schwieriger macht. Die Regeln sind anspruchsvoll, sie gelten rückwirkend, und sie bestrafen Menschen, die bereits ihr Leben in Japan aufgebaut haben.
Die Zeitung befürwortet eine kleinere Regierung und weniger Kontrolle über das Leben der Menschen. Wenn Macht an einem Ort zusammenkommt, einer Behörde, einem Amt oder einer Partei, wird sie missbraucht. Die Einwanderungsbehörde schreibt hier ihre eigene Autorität nieder, setzt Mandate für das Privatleben fest, und die Zeitung ist dagegen, wer immer sie auch halten möge.
Die neuen Anforderungen – ein Haushaltseinkommen über dem nationalen Durchschnitt, Kenntnisse der japanischen Sprache, ein Rentenfonds für 30 Jahre – stellen eine schwere Belastung für Antragsteller dar. Der rückwirkende Einkommensschwellenwert bestraft Menschen, die Unterlagen vor der Bekanntmachung eingereicht haben. Die Zeitung ist gegen jede Behörde, die mehr Macht sammelt, unabhängig davon, welche Partei sie hält.
„Japan verschärft die Regeln für Ausländer,“ aljazeera.com.
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