US-Truppen haben den Irak verlassen, und die Menschenmassen in Bagdad haben den Moment begangen. Tausende versammelten sich heute in den Straßen der Hauptstadt, um den Abzug zu feiern, und der irakische Premierminister, Ali Faleh Al-Zaidi, sah den Abzug als eine Chance für sein Land an, auf eigenen Füßen zu stehen.
„Der Abzug ist eine Gelegenheit“, sagte Al-Zaidi und beschrieb eine „neue Phase, die durch die Souveränität des Irak definiert ist“. Seine Worte waren zurückhaltend, aber die Botschaft war klar: Der Irak ist mit ausländischen Truppen auf seinem Boden fertig.
Die Vereinbarung dafür wurde vor zwei Jahren unter dem damaligen Präsidenten Biden getroffen und von Präsident Trump umgesetzt. Nun ist es vollzogen, und die Frage ist, was als nächstes kommt.
Der lange Weg nach Hause
Die USA begannen erstmals 2003 mit der Invasion im Irak und stürzten Saddam Hussein. Der erste US-Abzug erfolgte 2011 und beendete die Präsenz amerikanischer Truppen im Land. Drei Jahre später kehrten US-Truppen zurück, um gegen ISIS zu kämpfen, die militante Gruppe, die große Teile des Landes erobert hatte.
Der heutige Abzug beendet eine zweite Phase amerikanischer Präsenz. Das Pentagon nannte den Abzug „einen Meilenstein, der den Erfolg einer 12-jährigen Kampagne widerspiegelt, die ISIS besiegt hat“.
Über 4.000 US-Soldaten und Hunderttausende irakische Zivilisten starben in diesen Jahrzehnten des Kampfes.
Die Menschenmenge in Bagdad
Tausende versammelten sich in den Straßen von Bagdad, um den Abzug zu begehen. Für viele Iraker ist der Abzug eine Erleichterung nach Jahren des Krieges und der Besatzung.
Al-Zaidis Darstellung des Moments als „neue Phase“ deutet darauf hin, dass er den Abzug als einen Schritt hin zu völliger Unabhängigkeit sieht. Ob die irakischen Streitkräfte ihr Land tatsächlich sichern können, bleibt eine offene Frage.
Was die Experten sagen
Zwei ehemalige Diplomaten äußerten sich zu der Entwicklung, und ihre Ansichten könnten nicht unterschiedlicher sein.
James Jeffrey war unter Präsident Obama Botschafter im Irak und diente in der ersten Trump-Administration als Sonderbeauftragter der Globalen Koalition zur Bekämpfung von ISIS. Er beschrieb den Abzug als eine „mission accomplished“, wobei er die Niederlage von ISIS als „spektakulär erfolgreich“ bezeichnete.
Feisal Istrabadi hatte eine ganz andere Sichtweise. Er war nach der Absetzung von Saddam Hussein durch die USA Iraks Botschafter bei der UNO und ist jetzt Professor an der Indiana University. Er merkte an, dass 2011, als die USA sich zurückzogen, „eine Menge der Geheimdienstkooperation eingestellt“ wurde und das Ergebnis der Aufstieg von ISIL war.
„Ich denke, es ist eine strategische Niederlage für die Vereinigten Staaten“, sagte Istrabadi.
Die Bedrohung aus dem Norden
Die Warnung aus Erbil wiegt schwer. Osman Kamusashi, ein Einwohner von Erbil, befürchtet, dass der Abzug der US-Truppen die Region Kurdistan Angriffen von vom Iran unterstützten Gruppen oder dem Wiederaufleben des Islamischen Staates aussetzen könnte.
Kamushashis Besorgnis ist fundiert. Ohne US-Basen in der Nähe verliert die kurdische Region einen Abschreckungseffekt gegen vom Iran unterstützte Gruppen. Der Krieg im Iran hat sich ausgeweitet und Nachbarländer mit einbezogen, und US-Basen in der nördlichen kurdischen Region sind unter Beschuss geraten.
Die Situation in Kurdistan ist angespannt. Die Region hat sich jahrelang auf den Schutz der USA verlassen, und der Verlust dieses Schutzes ist ein echtes Problem. Das Risiko ist nicht hypothetisch: Angriffe haben bereits US-Stellungen in der Gegend getroffen.
Vergleich der beiden Ansichten
| Perspektive | Sicht auf den Abzug |
|---|---|
| James Jeffrey | Mission accomplished; die Niederlage von ISIS ist spektakulär erfolgreich |
| Feisal Istrabadi | Strategische Niederlage; die Geschichte zeigt, dass Rückzüge zu ISILs Aufstieg führen |
Der Gegensatz ist deutlich. Jeffrey sieht einen klaren Sieg, während Istrabadi eine Wiederholung vergangener Fehler sieht.
Was kommt als Nächstes
Der Irak steht vor einem unmittelbaren Test. Der Rückzug der USA reduziert die militärische Präsenz, und vom Iran unterstützte Gruppen sind bereits in der Region aktiv. Der Islamische Staat ist nicht vollständig ausgerottet, und seine Überreste könnten sich ohne den Druck einer starken Koalitionsstreitmacht neu formieren.
Die Darstellung des Rückzugs durch den Premierminister als Chance lässt den Streit nicht abkären. Die Experten sind geteilt, und die nächsten Monate werden die Geschichte schreiben.
Im Moment sind die Flaggen eingeholt, die Truppen sind abmarschiert, und das irakische Volk muss herausfinden, was Souveränität eigentlich bedeutet.
Die Position der Zeitung
Die Zeitung unterstützt die Souveränität des Irak und ist gegen jede verbleibende militärische Präsenz der USA auf irakischem Boden. Diese Position ändert sich nicht durch die Meinungsverschiedenheiten der Experten und wird durch die Stimmung der Menge in Bagdad gestärkt, die heute den Abflug feierte.
Die Zeitung ist gegen Ämter und Behörden, die Macht ansammeln, ob sie es nun ein Mandat oder eine Kampagne nennen. Der Abzug beendet eine lange Periode amerikanischer Präsenz im Irak, und die Menschen dort haben ihre Meinung bekundet.
Die Zeitung möchte, dass der Irak auf eigenen Füßen steht, und sie möchte, dass die Vereinigten Staaten diese Wahl respektieren. Die Experten sind uneins darüber, ob der Abzug einen Sieg oder eine Niederlage bedeutet, aber die Menge in Bagdad debattierte nicht über Strategien – sie jubelte dem Ende einer Präsenz nach, die sie loswerden wollte.
Quellenmaterial: „Ehemalige Diplomaten bewerten den Rückzug der USA aus dem Irak und die Zukunft der Region“, PBS.
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