Colin Farrell spielt einen Mann, der sowohl Held als auch Bösewicht in „The North Water“ ist, und dieser Widerspruch ist der Motor der Serie. Andrew Haigh inszeniert die fünf Episoden umfassende AMC+-Serie, die auf dem Roman von Ian McGuire aus dem Jahr 2016 basiert, und das Ergebnis ist eine düstere, unerbittliche Arktis-Reise, die eine Walexpedition in einen Kampf ums Überleben zwischen zwei beschädigten Seelen verwandelt.
Henry Drax ist ein brutaler Killer, ein Mann, dessen Amorallosigkeit von der rauen Welt geprägt wurde, in der er lebt. Patrick Sumner ist ein gedemütigter Militärchirurg, der als Schiffsarzt anheuert, in der Hoffnung, seiner eigenen Vergangenheit zu entkommen. Sie setzen 1859 auf dem alternden Walfänger Volunteer in See, den letzten Jahren des Walölhandels. Was folgt, ist ein langsamer Abstieg in Gewalt, Kälte und Wahnsinn.
Trailer, über amc+.
Drax und Sumner stehen sich gegenüber
Jack O’Connell spielt Sumner mit einer stillen Verzweiflung, die die Serie verankert. Seine Darstellung ist zurückhaltend, was den Kontrast zu Farrells geistesgestörtem Drax noch schärfer erscheinen lässt. Drax ist eine Naturgewalt, ein Mann, der Vergewaltigung und Mord ohne Reue begeht. Ihre Beziehung ist der Kern der Geschichte, und die Spannung zwischen ihnen lässt nie nach.
Der Nebencast ist stark. Stephen Graham spielt Kapitän Arthur Brownlee, der heimlich plant, die Volunteer zu versenken, um eine Versicherungsbetrug zu begehen. Dieser Plan scheitert, als das Rettungsschiff nicht rechtzeitig eintrifft und die Besatzung in der Arktis gefangen lässt. Die anderen Seeleute — Baxter, Michael Cavendish, der Priester, Otto, Jones, McKendrick, Anna, Corbyn, Stevens, Webster, Hester, Bain, Merok, Joseph und Gaurav — sterben nacheinander, während der Winter Einzug hält.
Die Harte Ödnis
Die Serie ist brutal in ihrer Darstellung der Arktis. Die Tötung von Robben, die Vergewaltigungs- und Mordtaten an Bord des Schiffes und die eisige Kälte werden mit einem düsteren Realismus dargestellt, der beim Zuschauen belastend wirken kann. Dies ist kein angenehmes Seherlebnis. Es soll unangenehm sein, und es gelingt ihm.
„Sumner ist gezwungen, nicht nur gegen die Elemente, sondern auch gegen den ruchlosen und psychisch instabilen Drax anzukämpfen.“
Diese Zeile erfasst das Herzstück der Serie. Die Arktis ist ein lebender Antagonist, und das Schiff selbst wird zu einer Falle. Das Produktionsdesign erzeugt einen bemerkenswerten Effekt, um die Isolation und die Beklemmung des Schauplatzes zu vermitteln. Jeder Shot fühlt sich kalt, feucht und unbarmherzig an.
Ein langsamer Aufbau, der sich auszahlt
Das Tempo ist bedacht, und manche Zuschauer könnten die ersten Episoden langsam finden. Die Serie baut langsam auf, etabliert die Beziehungen und den Einsatz, bevor die Gewalt ausbricht. Sobald sich die Handlung in ihren dunkleren Modus verlagert, ist die Belohnung beträchtlich. Der Endabschnitt ist angespannt, und die Auflösung liefert die emotionale Tiefe, die die Serie aufgebaut hat.
Die Serie ist eine internationale Koproduktion von BBC, CBC Television, Super Channel und ICI Radio-Canada Télé. Sie feierte ihre Premiere in den Vereinigten Staaten auf AMC+ am 15. Juli 2021, zog dann auf BBC Two in Großbritannien am 10. September 2021 und wurde anschließend in Kanada auf Super Channel Fuse und CBC Television ausgestrahlt. CBC Gem und ICI TOU.TV boten Video-on-Demand an.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 15. Juli 2021 | Premiere auf AMC+ (USA) |
| 10. September 2021 | Premiere auf BBC Two (Großbritannien) |
| 19. September 2021 | Premiere auf Super Channel Fuse (Kanada) |
| 19. September 2021 | Landesweite Ausstrahlung auf CBC Television und ICI Radio-Canada Télé |
Das Urteil
The North Water ist kein einfaches Vergnügen. Es ist unerbittlich in seiner Darstellung von Gewalt und Leidenschaft und vertraut dem Publikum, sich mit Unbehagen auseinanderzusetzen, anstatt schnelle Erleichterung zu bieten. Die Leistungen sind ausgezeichnet, besonders Farrells überzeugende Darstellung von Drax, und die Produktionswerte sind hoch.
Die Show verdient ihren düsteren Ton durch geduldiges Geschichtenerzählen und die Bereitschaft, die Dunkelheit verweilen zu lassen. Es ist ein anspruchsvolles Fernsehstück, aber es belohnt diejenigen, die bereit sind, sich voll und ganz damit auseinanderzusetzen.
7,4 von 10.
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