Howard Silk ist nicht die Art von Mann, die Geheimnisse erfährt. Er ist ein einfacher Angestellter in einem Berliner Büro, der Nachrichten zwischen Schreibtischen weiterleitet, ohne je zu wissen, was sie bedeuten. Dann findet er heraus, dass die Agentur, für die er arbeitet, einen Übergang zu einer parallelen Dimension bewacht, und alles, was er über sich selbst zu wissen glaubte, löst sich auf. Das ist die Ausgangslage von Counterpart, einem Science-Fiction-Thriller, der von 2017 bis 2019 zwei Staffeln lang auf STARZ lief, und es ist ein kluges, spannungsgeladenes Stück Fernsehen, das nie aus den Augen verliert, warum es wichtig ist.
Die Serie folgt Howard, gespielt von J.K. Simmons, wie er in eine Welt stolpert, in der sein Gegenüber ein skrupelloser Geheimagent ist. Die Prämisse ist einfach: Es gibt eine Alpha-Welt, die unserer eigenen ähnelt, und eine Prime-Welt, die sich weit von ihr entfernt hat. Die beiden Realitäten teilen einen Übergang unter einem UN-Gebäude, der vom Office of Interchange, kurz OI, überwacht wird. Howards Entdeckung löst eine Kettenreaktion aus, die beide Welten in einen Konflikt zieht.
Der Übergang zwischen den Welten
Der zentrale Einfall von Counterpart ist der Übergang selbst. Er ist ein Portal, das zwei Versionen der Erde verbindet, eine vertraute und eine fremde. Die Serie verwendet ihre frühen Episoden darauf, zu etablieren, wie die Welten auseinandergedriftet sind. Im Jahr 1987 schuf ein ostdeutsches Experiment die Spaltung, und nur ein Wissenschaftler namens Yanek war anwesend. Er traf sein Gegenüber, und die beiden untersuchten, wie die anfangs identischen Erden begannen, auseinanderzudriften.
Die Divergenz beschleunigt sich 1996, als eine Grippepandemie in der Prime-Welt Hunderte Millionen tötet. Diese Katastrophe wirft die Welt technologisch zurück, bringt sie in den Biowissenschaften jedoch voran. Es wurde vermutet, dass das Virus absichtlich aus der Alpha-Welt in die Prime-Welt freigesetzt wurde, was einen angespannten Kalten Krieg zwischen den beiden Realitäten auslöst. Gegenüber werden als Spione und Schläferagenten eingesetzt, und die Spannung der Serie entsteht aus der ständigen Bedrohung, dass jemand hinüberwechseln und alles verändern könnte.
Howard Silk und sein Prime-Selbst
J.K. Simmons spielt Howard Silk als einen ruhigen, unauffälligen Mann, der plötzlich in das Zentrum einer globalen Verschwörung gerät. Seine Leistung trägt die Serie. Er ist glaubwürdig als Bürokrat, der Jahrzehnte in einer Sackgassenposition verbracht hat, und er ist ebenso fesselnd, wenn das Gewicht der Wahrheit ihn erdrückt. Die besten Momente der Serie entstehen, wenn Howard seinem Prime-Ich gegenübertritt, gespielt von Harry Lloyd, einem Mann, der alles ist, was Howard nicht ist.
Der Kontrast zwischen den beiden Silks ist der Motor der Geschichte. Howard ist sanft und passiv, während Howard Prime rücksichtslos und zielstrebig ist. Ihre Begegnungen sind angespannt und oft gewalttätig, aber sie sind auch zutiefst menschlich. Die Serie versteht, dass der Unterschied zwischen ihnen nicht nur mit Ehrgeiz oder Grausamkeit zu tun hat; es geht um die Entscheidungen, die jeder getroffen hat, und um die Leben, die sie zurückgelassen haben.
Die Nebenbesetzung
Der Rest der Besetzung ist stark. Olivia Williams spielt Emily Burton Silk, Howards Frau, deren Beziehung zu ihrem Mann durch die Enthüllung der Kreuzung belastet wird. Nazanin Boniadi spielt Clare, eine Frau, die in Howards Welt hineingezogen wird. Harry Lloyds Peter Quayle ist eine undurchsichtige Figur mit eigener Agenda. Die Serie hält die Nebenfiguren scharf und deutlich, selbst in einem überfüllten Ensemble.
Sara Serraiocco spielt Baldwin, und Nicholas Pinnock spielt Ian Shaw. Betty Gabriel spielt Naya Temple. Jeder Schauspieler bringt seine eigene Energie in das Geschehen ein, und die Serie profitiert von ihrer kollektiven Präsenz. Das Ensemble ist groß, aber die Erzählweise ist straff genug, um alle im Blick zu behalten.
Der Kalte Krieg zwischen den Welten
Die zweite Staffel erhöht die Einsätze. Eine mächtige abtrünnige Fraktion auf Prime führt lang gehegte Pläne aus, um sich an Alpha zu rächen. Dies setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die Howard und seine Kollegen in große Gefahr bringt. Die letzte Strecke der Serie ist spannend und gut getaktet, mit einer Auflösung, die versucht, die Fäden der gesamten Geschichte zusammenzuführen.
Der Kalte Krieg zwischen den beiden Welten ist das Rückgrat der Serie. Er erzeugt ein Gefühl des Grauens, das jede Szene durchdringt. Die Serie ist nicht am Spektakel interessiert; sie ist an den persönlichen Kosten interessiert, in einer Welt zu leben, in der das Gegenüber ein Fremder ist. Die Spannung wird durch sorgfältiges Drehbuch und starke schauspielerische Leistungen aufrechterhalten.
Der letzte Abschnitt
Das Ende von Counterpart ist umstritten. Einige Zuschauer fanden, es löse sich zu glatt auf, während andere es als befriedigend empfanden. Die Serie versucht, ihr zentrales Rätsel aufzulösen und zugleich Raum für die größeren Implikationen der Kreuzung zu lassen. Es ist ein kühner Schritt, und er gelingt nicht immer.
Die letzte Staffel treibt die Geschichte auf ein Ende zu, das sowohl endgültig als auch offen ist. Die Serie will die Frage beantworten, was geschieht, wenn zwei Welten aufeinandertreffen, aber sie will auch andeuten, dass die Antwort nicht einfach ist. Das Ergebnis ist ein Finale, das emotional berührt, aber intellektuell mehrdeutig bleibt.
Wichtige Fakten
- Sender: STARZ
- Schöpfer: Justin Marks
- Erstausstrahlung: 10. Dezember 2017
- Letzte Ausstrahlung: 17. Februar 2019
- Folgen: 20 in 2 Staffeln
- Bewertung: 7,6/10
Laufreihenfolge
| Staffel | Anzahl der Folgen | Datum der Erstausstrahlung | Letzte Folge |
|---|---|---|---|
| Staffel 1 | 10 | 10. Dezember 2017 | 10. Dezember 2017 |
| Staffel 2 | 10 | 13. Januar 2018 | 17. Februar 2019 |
Counterpart ist eine Serie, die Aufmerksamkeit belohnt. Sie ist voller Ideen und verlangt von den Zuschauern, auf die Details zu achten. Das Tempo kann zeitweise langsam sein, insbesondere in der ersten Staffel, in der der Aufbau Vorrang vor der Handlung hat. Doch das Warten lohnt sich.
Die Serie ist am besten, wenn sie sich auf Howards inneren Kampf konzentriert. Die äußeren Bedrohungen sind wichtig, aber sie sind zweitrangig gegenüber der persönlichen Reise eines Mannes, der sich mit der Version seiner selbst konfrontieren muss, die er nie sein wollte. Diese Reise ist das Herz der Geschichte, und sie wird mit Können und Zurückhaltung umgesetzt.
Die Bewertung von 7,6 spiegelt eine Serie wider, die durchweg gut, aber nicht perfekt ist. Sie ist ein solides Stück Fernsehen, das gelegentlich nach etwas Größerem greift, als es erreicht. Das Drehbuch ist scharf, die Schauspielerei hervorragend und das Konzept wirklich interessant. Es ist eine Serie, die Aufmerksamkeit verdient, auch wenn sie ihre Ambitionen nicht immer einlöst.
Counterpart ist für jeden sehenswert, der sich für Science-Fiction interessiert, die ihre Ideen ernst nimmt. Es ist eine Serie über Identität, Wahl und die Konsequenzen von Handlungen, die in Isolation getroffen werden. Es ist eine Serie über die Person, die man hätte sein können, und die Person, die man stattdessen geworden ist. Es ist eine Serie, die weiß, was sie tut, auch wenn sie stolpert.
Das Notizbuch abonnieren.
Die besten Geschichten des Tages und jedes neue Urteil, in klarem Deutsch, um sieben im Postfach. Eine Mail am Tag, nicht mehr.





