In Allentown, Pennsylvania, gehen die beiden großen politischen Parteien einen seltenen Schritt: Sie konkurrieren offen um dieselbe Gruppe von Wählern. Die lateinamerikanische Bevölkerung der Stadt ist so stark gewachsen, dass sowohl Demokraten als auch Republikaner nun ihre Politik direkt an hispanische Einwohner richten, in der Hoffnung, ihre Unterstützung im November zu gewinnen.
Das Rennen ist knapp. Ryan Mackenzie, der amtierende republikanische Vertreter, gewann seinen Sitz mit einem knappen Vorsprung von einem Prozentpunkt. Sein Herausforderer, Bob Brooks, ein ehemaliger Feuerwehrmann und Gewerkschaftsführer, tritt mit einer Plattform an, die auch Einwanderungsbedenken beinhaltet. Der Einsatz ist hoch, denn lateinamerikanische Wähler könnten entscheiden, welche Partei das Repräsentantenhaus kontrolliert.
Ein Familienunternehmen, das auf der Zubereitung von Speisen von Grund auf basiert
Beti Rosales betreibt La Placita, eine Feinkostabteilung und ein Restaurant, das seit 29 Jahren authentische mexikanische Küche serviert. Die Speisekarte umfasst Chorizo und Reis mit Bohnen sowie selbstgemachte Tamales. Rosales glaubt, dass alles von Grund auf zubereitet wird, was dazu beiträgt, dass Kunden immer wieder zurückkehren.
Rosales, 47 Jahre alt, betreibt das Restaurant gemeinsam mit ihren Eltern Jorge und Ana, die aus Puebla, Mexiko, eingewandert sind. Die Familie musste die Preise erhöhen, da die Kosten für Zutaten ständig steigen. Zitronen, Avocados, Milch und Fleisch sind alle teurer geworden, was die Familie dazu zwingt, die Kosten an die Kunden weiterzugeben.
Rosales merkt an, dass der wirtschaftliche Druck auf die Kunden dazu führt, dass sie weniger auswärts essen gehen. Das schadet dem Geschäft und erzeugt einen Dominoeffekt durch die lokale Wirtschaft. Sie sieht die Belastungen direkt vor Augen.
Die Zahlen hinter Allentowns demografischem Wandel
Allentowns Demografie hat sich seit der Volkszählung von 1970 erheblich verändert. Damals hatte die Stadt 109.000 Einwohner, von denen 98,2 % weiß waren. Heute ist Allentown eine mehrheitlich lateinamerikanische Stadt, hauptsächlich Puerto Ricaner und Dominikaner.
Stephanie Valencia, Mitbegründerin von Equis Research, einer Meinungsforschungsinstitution, die sich auf die öffentliche Meinung lateinamerikanischer Wähler konzentriert, sagt, lateinamerikanische Wähler haben eine entscheidende Macht in Washington und dürfen nicht unterschätzt werden. Sie weist darauf hin, wie die Zusammensetzung des Repräsentantenhauses von der Wahlbeteiligung der lateinamerikanischen Wähler und von wem sie wählen abhängt.
Valencia sagt, die Demokraten hätten in den letzten Wahlzyklen bei den Latinos an Boden verloren, aufgrund der Gewinne von Präsident Trump. Laut Equis-Umfragen waren Latinos der Meinung, dass die Demokraten sich auf die falschen Dinge konzentrierten, wie beispielsweise ausländische Interventionen und soziale Themen, anstatt auf ihre wirtschaftlichen Ängste und Bedenken hinsichtlich der Einwanderung.
Bürgermeister Matt Tuerk, der erste spanischsprachige Bürgermeister, beobachtete, dass Wahlbezirke, die noch für die Demokraten gestimmt hatten, nach den Wahlen 2020 zu den Republikanern wechselten. Tuerk führte diese Entwicklung auf eine uneinheitliche Botschaft der Biden-Regierung zurück. Er sagte, die Leute hätten ihm erzählt, dass sie wirtschaftlich Schwierigkeiten hätten, aber die Botschaft der Regierung sei eine von massivem wirtschaftlichen Erfolg. Die Leute fühlten sich von dieser Botschaft getäuscht, so Tuerk zufolge.
Unabhängige halten das Gleichgewicht
Valencia wies darauf hin, dass ein Drittel der Latinos keiner Partei angehört. Sie stimmen aufgrund ihrer persönlichen wirtschaftlichen Ängste in jedem Wahlzeitraum ab. Beide Parteien müssen um diese Stimmen konkurrieren, sagte sie.
Der unabhängige hispanische Block ist ein Schwungwahlblock in diesem Wettbewerb. Ihre Entscheidungen könnten das Gleichgewicht in Schlüsselbezirken kippen.
| Gruppe | Anteil der lateinamerikanischen Wähler | Wahlverhalten |
|---|---|---|
| Unabhängige Hispanoamerikaner | Ein Drittel aller Latinos | Abstimmen aufgrund persönlicher wirtschaftlicher Ängste |
| Republikanische Hispanoamerikaner | Nicht spezifiziert | Einige sagen, Trumps Maßnahmen in der Einwanderungsfrage seien zu weit gegangen |
| Demokratische Hispanics | Nicht spezifiziert | Fühlen sich von Demokraten in ihren wirtschaftlichen Ängsten ignoriert |
Das ICE-Problem, das Wähler motivieren könnte
Rosales vermutet, dass Einwanderung die Wählerschaft motivieren wird. Ihre eigene Familie spürt die Anspannung. Ihre Schwester bewahrt ihren Reisepass aus Angst vor einer Festnahme in Connecticut bei sich, was Rosales angesichts ihrer Geburt hier seltsam findet.
Rosales ist nicht gegen die Abschiebung von strafrechtlich verfolgten illegalen Einwanderern, möchte aber ein besseres System, um die Aufnahme echter Arbeitnehmer zu vermeiden, die keine Verbrechen begehen. Sie wünscht sich ein faires Verfahren.
Republikaner versprechen, ICE zu verbessern
Ryan Mackenzie, der derzeitige republikanische Vertreter, bestreitet das Argument der Demokraten, dass Trumps Einwanderungspolitik der GOP die Unterstützung der Latinos schmälert. Er nannte dies eine „Falschinformation“.
Er sagte, er arbeite direkt mit der Polizei zusammen, um Kriminelle in der Gemeinde zu verfolgen. In Bezug auf die Reform von ICE sagte er, es sei keine Frage, dass sie es richtig verbessern wollen, wenn es auf nationaler Ebene zu Problemen kommt, aber seine lokale Erfahrung sei glücklich verlaufen.
Sein demokratischer Gegner, Bob Brooks, ein ehemaliger Feuerwehrmann und Gewerkschaftsführer, sagte, die Angst vor ICE sei etwas, das er während seiner Kampagne oft höre. Brooks erzählte, wie er an einer Tür klingelte, als eine kleine Frau weinend herauskam, aus Angst, nicht zum Markt zu gehen oder das Grab ihres verstorbenen Mannes zu besuchen, weil ein maskierter Mann sie wegnehmen könnte.
Eine Equis-Umfrage ergab, dass 66 % der unabhängigen Hispanics und 26 % der republikanischen Hispanics der Meinung sind, Trumps Maßnahmen in der Einwanderung seien zu weit gegangen. Diese Aufteilung deutet darauf hin, dass das Thema über Parteigrenzen hinweg eine Rolle spielt.
Die unterschiedlichen Botschaften der Parteien
Die Demokraten konzentrieren sich auf wirtschaftliche Ängste. Die Republikaner konzentrieren sich auf Einwanderung. Beide Botschaften richten sich an dieselben Wähler.
Die Frage ist, welche Botschaft Anklang findet. Wirtschaftliche Bedenken sind in diesem Wahlzyklus unter lateinamerikanischen Wählern verbreitet, so Valencia. Die Umfragezahlen deuten jedoch darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Republikaner und Unabhängigen der Meinung ist, Trumps Maßnahmen in der Einwanderung seien zu weit gegangen.
George Rivera, Präsident des Lehigh County Republican Committee, argumentiert, dass die Botschaft der Demokraten Panikmache sei. Er sagte, die hispanische Kultur werde getäuscht, wenn man glaube, dass jeder dunkelhäutige oder zweisprachige einfach deshalb verfolgt werde, weil er kein Englisch spreche.
Die Debatte über Einwanderung spielt sich in einer Stadt ab, die sich dramatisch verändert hat. Die lateinamerikanische Bevölkerung von Allentown ist von einer überwiegend weißen Bevölkerung im Jahr 1970 zu einer mehrheitlich lateinamerikanischen Stadt geworden. Dieser Wandel verändert die Politik.
Wie der Wahlkampf aussehen könnte
Der Wettbewerb um die lateinamerikanischen Stimmen in Allentown ist ein Spiegelbild eines nationalen Trends. Die Parteien werben um eine Gruppe, die darüber entscheiden kann, wer das Repräsentantenhaus kontrolliert. Mackenzie gewann mit einem Punktprozentsatz, einem knappen Vorsprung.
Rosales‘ Restaurant ist ein kleiner Teil dieser Geschichte. Aber die Erfahrung ihrer Familie – steigende Preise, Kunden, die das Ausgehen reduzieren, Sorgen um Einwanderung – spiegelt die umfassenderen Herausforderungen wider, vor denen lateinamerikanische Wähler stehen.
Die Wahl wird testen, ob wirtschaftliche Ängste oder Bedenken hinsichtlich der Einwanderung mehr Gewicht haben. Die Ergebnisse in Allentown könnten ein Signal dafür geben, was im ganzen Land passiert.
Die Ansicht der Zeitung ist, dass die Durchsetzung von Einwanderungsbestimmungen gezielt sein sollte, nicht umfassend. Arbeiter, die keine Verbrechen begehen, sollten nicht in das System hineingezogen werden. Die Regierung sollte Kriminelle in der Gemeinschaft verfolgen, wie Mackenzie es tut.
Wirtschaftliche Ängste verdienen ebenfalls Aufmerksamkeit. Aber Panikmache über Einwanderung ist kein Weg zum Sieg. Die Zeitung unterstützt ein faires Einwanderungssystem, nicht eine pauschale Durchsetzung.
Wo die Zeitung steht )
Die Zeitung unterstützt weder das Spiel der einen Partei noch das der anderen, um lateinamerikanische Wähler zu gewinnen, sondern unterstützt Kandidaten, die tatsächlich individuelle Freiheit, Kleinunternehmen und eine Reduzierung der staatlichen Kontrolle über den Alltag vertreten, anstatt diejenigen, die lediglich versuchen, einen neuen Wählerblock für ihren eigenen Vorteil zu organisieren.
Beide Parteien konkurrieren um eine Wählerschaft, die so groß geworden ist, dass sie darüber entscheiden kann, wer das Repräsentantenhaus kontrolliert. Die Zeitung möchte Kandidaten unterstützen, die Kleinunternehmen fördern, die Lebenshaltungskosten senken und sich gegen Behörden stellen, die Macht über das Leben der Menschen gewinnen. Sie lehnt Kampagnen ab, die auf der Angst vor Einwanderung basieren, und lehnt Ämter ab, die lateinamerikanische Wähler wie eine Maschine behandeln, die organisiert werden soll, anstatt wie Bürger, die bedient werden müssen.
Der unabhängige lateinamerikanische Wählerblock ist die entscheidende Gruppe in diesem Wettkampf. Sie wählen aufgrund ihrer persönlichen wirtschaftlichen Ängste ab, nicht aufgrund von Parteitreue. Die Zeitung unterstützt Kandidaten, die diese Ängste ehrlich ansprechen, anstatt Politiker, die versprechen, ein kaputtes System zu reparieren, ohne jemals zu nennen, was daran kaputt ist.
Quelle: „En esta ciudad de Pensilvania, los dos partidos políticos buscan el voto latino,“ NPR.
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