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Liberia gab einkommensschwachen Paaren Bargeld in gleicher Höhe und ein gemeinsames Budget – und die Gewalt in Partnerschaften mit hohem Risiko stieg.

Liberia gewährte verheirateten Paaren gleiche Bargeldleistungen und forderte sie auf, gemeinsam zu planen. Das Ergebnis: Einige Familien blühten auf, andere waren mehr Gewalt ausgesetzt.

Von mitch·6 Min. Lesezeit
A family sits together outside a modest hut while a poster with spending stickers hangs on the wall beside them.

Liberia hat Jahre damit verbracht, seinen ärmsten Bürgern Bargeld zu geben, indem Familien direkt Geld aushändigten, das sie für Lebensmittel, Schulgebühren oder die Gründung eines Kleinunternehmens ausgeben konnten. Das Programm hat funktioniert. Nun hat das Land etwas Neues versucht: beiden Partnern einer Ehe gleich viel Geld zu geben und sie zu bitten, gemeinsam zu planen, wie es ausgegeben wird.

Die Ergebnisse waren gut – und schlecht.

Bargeldhilfe befreit Familien aus der Armut

Seit den frühen 2000er Jahren nutzen Länder auf der ganzen Welt Bargeldüberweisungen, um extreme Armut zu bekämpfen. Die Idee ist einfach: Menschen einen einmaligen Betrag geben und sie entscheiden lassen, was sie kaufen wollen. Die Studien bestätigen dies immer wieder.

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In Liberia erhalten Haushalte durchschnittlich 250 Dollar pro Jahr. Dieses Geld geht an eine Person im Haushalt, meist eine Frau, die es für die ganze Familie verwaltet. Das Land gehört zu den 10 ärmsten der Welt, und die Ungleichheit der Geschlechter ist tief verwurzelt. Frauen sind Belästigungen und Diskriminierung ausgesetzt und haben keine Möglichkeiten am Arbeitsplatz. In vielen Haushalten kontrolliert der männliche Haushaltsvorstand die Mittel und gibt seiner Frau möglicherweise nicht genug Geld, um grundlegende Bedürfnisse zu decken – Seife, Lebensmittel, Schulgebühren.

Die direkte Geldgabe an Frauen soll dieses Muster durchbrechen. Aurelius Butler, Liberias nationaler Koordinator für soziale Sicherung, erklärt die Logik: „Wir richten uns an die Frau im Haus.“ Die Hoffnung ist, dass wirtschaftliche Kontrolle Frauen hilft, ihre Familien besser zu unterstützen.

Das liberianische Experiment

Mit Finanzierung der Weltbank und der Non-Profit-Organisation GiveDirectly startete Liberia 2022 ein neues Bargeldüberweisungs-Experiment. Mehr als 2.300 Haushalte in den Bezirken Maryland und Bomi erhielten 750 Dollar in vier Raten – mehr als das Doppelte des üblichen Betrags, da beide Partner einen gleichen Anteil erhielten. Das Ziel war zweigleisig: Familien helfen, mehr Einkommen zu erzielen, und Spannungen im Haushalt verringern in einem Land, in dem fast 35 % der Frauen von intimer Partnergewalt berichten, verglichen mit einem globalen Durchschnitt von 27 %.

Um Paare zu einer gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung zu bewegen, fügten die Forscher der Hälfte der Familien eine gemeinsame Finanzplanungs-Session hinzu. Die Session dauerte etwa 45 Minuten, und Paare wurden gebeten, ihren Plan zu detaillieren: das Haus reparieren, Lebensmittel kaufen, in Bildung investieren, Feldfrüchte anpflanzen oder ein Unternehmen gründen.

Plakate und Aufkleber für geschäftsunfähige Familien (

Da die Alphabetisierungsraten in ländlichen Gebieten Liberias niedrig sind, entwarfen die Forscher einfache Plakate für jede Familie. Das Plakat zeigte ein Bild einer glücklichen Familie und leere Kästchen, in denen das Paar seine vier wichtigsten Ausgabeprioritäten auflisten konnte. Paare, die nicht schreiben konnten, erhielten stattdessen eine Reihe von Aufklebern. Ein Stapel Bücher stand für Bildung, ein Stethoskop und eine Spritze für Gesundheitswesen. (

Das Plakat blieb beim Paar, an der Wand angebracht, als Erinnerung daran, was sie versprochen hatten. Es sollte beide Partner in den Plan einbeziehen. (

Wirtschaftlich besser gestellt (

Gupta verfolgte die Haushalte ein Jahr nach Erhalt des Bargelds. Die Ergebnisse zeigten, dass die Planung wirkte. Haushalte, die eine Planungsrunde erhalten hatten, waren wirtschaftlich sogar besser gestellt als Haushalte, die nur die Barkasse erhalten hatten. (

Eine Teilnehmerin, Christian, die nur ihren Vornamen für das Programm angab, erklärte, wie sie ihren Anteil verwendet hat. Sie arbeitet auf einem Bauernhof, und ihr Mann sammelt Latex von Bäumen für die Gummiherstellung. Sie einigten sich auf Ausgabeprioritäten: Bildung, Lebensmittel und Hausreparaturen. Christian zahlte Schulgebühren für ihre fünf Kinder, kaufte Reis und tilgte Schulden. Ihr Mann kaufte Solarleuchten und Zement, um ihr undichtes Dach zu flicken. (

Die gemeinsame Planung schien zu greifen. Beide Partner blieben auf die Prioritäten fokussiert, die sie gemeinsam festgelegt hatten. (

Eine Überraschung bezüglich Gewalt (

Doch die Geschichte nahm eine dunklere Wendung, als die Forscher die häusliche Gewalt untersuchten. Sie befragten Paare vor Erhalt des Bargelds und erneut ein Jahr später, um nach Vorfällen zu suchen. Die meisten Paare meldeten keine Probleme. Aber die Paare mit hohem Risiko – diejenigen mit einer Vorgeschichte von Gewalt – zeigten ein anderes Muster. (

Bei Paaren, die aufgrund früherer Vorfälle als besonders gefährdet für Gewalt eingeschätzt wurden, führte die Barkasse zu einem Anstieg des Einkommens – aber auch zu einem Anstieg der intimen Partnergewalt. Der Anstieg der Gewalt wurde nur bei Paaren festgestellt, die eine gemeinsame Planungsrunde erhalten hatten. (

Die Forscher waren überrascht über ihre Entdeckung. Die Autoren der Studie, darunter Gupta, sind nun der Meinung, dass die Planung selbst das Problem verursacht haben könnte. (

Was ist bei der Planung schief gelaufen?

Die Hypothese ist, dass Konflikte entstehen können, wenn ein Partner von einem Plan abweicht, den beide Parteien offen zugestimmt hatten. Jedes Mal, wenn ein Partner von diesem Plan abweicht, kann der andere ihn darauf ansprechen – und das könnte ein Nachteil der Planung sein, besonders in Haushalten, die bereits anfällig für Konflikte sind.

Die Planung könnte zudem die Machtverhältnisse von Männern zu Frauen verschoben haben. Die Studie weist darauf hin, dass dies direkt geschehen kann, wenn die Planung Frauen mehr Kontrolle darüber gibt, wie Gelder ausgegeben werden, oder indirekt, wenn die Planung wirtschaftliche Veränderungen auslöst, die Frauen mehr Kontrolle verschaffen.

Amber Peterman, eine Expertin für Wirkungsmessung bei UNICEF, die nicht an der Forschung beteiligt war, stimmt zu, dass die Verschiebung der Kontrolle wichtig ist. „Es ist ziemlich klar, dass es um die Entscheidung von Paaren geht, gemeinsam zu entscheiden [das zu der Zunahme von Gewalt geführt hat]“, sagt Peterman.

Warum die Ergebnisse wichtig sind

Das liberianische Experiment zeigt, dass Geldhilfe Familien aus der Armut heben kann, aber es zeigt auch, dass die Kontrolle an die Menschen zu geben mit Risiken verbunden ist. Die Planungs-Sitzungen halfen Paaren, ihr Geld sinnvoll auszugeben und Einkommen aufzubauen – aber derselbe Prozess könnte Hochrisiko-Ehen gewalttätiger gemacht haben.

Die Ergebnisse sind eine Warnung für politische Entscheidungsträger. Wenn man Paaren Geld gibt und sie bittet, gemeinsam zu planen, verändert man das Machtgefüge im Haushalt. Diese Veränderung kann positiv für die meisten Familien sein, kann aber auch bestehende Spannungen aufdecken.

Die Lektion ist nicht, die Planung zu stoppen. Die Lektion ist, aufmerksam zu beobachten. Die Paare, die gemeinsam planten, waren wirtschaftlich besser dran, aber die Hochrisiko-Paare sahen schlechtere Ergebnisse.

Schlüsselzahlen aus der Studie

  • 250 US-Dollar: Durchschnittliche jährliche Geldüberweisung pro Haushalt in Liberia
  • 750 US-Dollar: Betrag, der jedem Haushalt im neuen Experiment gegeben wurde, aufgeteilt zwischen den Partnern
  • 2.300+ Haushalte: Teilnehmer in den Bezirken Maryland und Bomi
  • 35%: Anteil der Frauen in Liberia, die intrapersonelle Gewalt durch den Partner melden
  • 27 %: Globaler Durchschnitt von Frauen, die intime Partnergewalt melden.

Zeitablauf des libanesischen Experiments

Jahr Ereignis
Frühe 2000er Jahre Bargeldtransfers beginnen in Liberia
2022 Neues Bargeldtransfer-Experiment gestartet
Juli Studienergebnisse veröffentlicht

Das libanesische Experiment ist eine Erinnerung daran, dass Armutsbekämpfungslösungen nicht neutral sind. Geld zu geben, hilft Familien, aber die Veränderung der Machtverhältnisse kann unerwartete Folgen haben. Die liberianische Regierung, die Weltbank und GiveDirectly sind alle in dem Projekt involviert und werden voraussichtlich die Haushalte weiterhin beobachten, um zu sehen, wie sich die Auswirkungen im Laufe der Zeit entwickeln.

Quellenmaterial: „Bedürftige Paare erhielten Bargeld und einen Ausgabenplan. Die Ergebnisse waren gut – und schlecht“, NPR.

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