Madrids Matadero, ein ehemaliges Schlachthaus, das in einen Kultur-Hub umgewandelt wurde, diente diese Woche als Austragungsort für Iberseries & Platino Industria, und das zentrale Thema war nicht eine neue Show oder ein Deal – sondern der Aufstieg von Micro-Dramen. Die sechste Ausgabe des größten Geschäftsevents der spanischsprachigen Content-Industrie zog Führungskräfte aus der ganzen Welt an, und das Gespräch kehrte immer wieder zur gleichen Frage zurück: Steht der Micro-Drama-Boom kurz vor dem Platzen, oder hat er gerade erst begonnen?
Micro-Dramen dominieren die Hallen
Marcela Kartaszewicz, Leiterin der Kommunikation bei DramaBox, eröffnete das Panel „Vertikal & Viral: Der Aufstieg des Micro-Dramas“, indem sie die Bemühungen Hollywoods begrüßte, dieses Format zu nutzen. „Viele Studios steigen in den vertikalen Bereich ein“, sagte sie. „Je mehr, desto besser.“
Kartaszewicz sah in dem Trend einen positiven Einfluss auf die gesamte Branche, weigerte sich jedoch, die Qualität des Inhalts aus der Diskussion fallen zu lassen. „Content ist König“, betonte sie. „Das war er. Es ist. Es wird immer sein.“
Zu den Genres, die derzeit gefragt sind, gehören LGBTQ+-Geschichten und junge Erwachsenenromanze, sowie eine größere Bandbreite an Liebesgeschichten als je zuvor. Auch Thriller kommen demnach ins Spiel, so Kartaszewicz, die auf das Auftauchen von Thriller-Tropen in Drehbüchern und die Reaktion des Publikums darauf hinwies. „Das Publikum erweitert sich, und damit geht eine Erweiterung der Genres einher“, prognostizierte sie.
Die Budgets variieren stark, je nachdem, wo das Micro-Drama produziert wird. Sasha Tkachenko, Leiter des Studios bei My Drama by Holywater Tech, gab eine grobe Aufschlüsselung:
- Osteuropa: Tkachenko gab keine Auskunft, welche Währung sie meinte, aber die Zahlen deuten auf eine erhebliche Kluft zwischen kostengünstigen Produktionsstandorten und erstklassigen amerikanischen Locations hin.
- Produktionen in den USA: 120.000 € bis 250.000 €
- L.A.: Der teuerste Standort überhaupt
Tkachenko sagte, Micro-Dramen umfassen in der Regel mindestens 55 Episoden, wobei jede Episode etwa 60 Minuten dauert.
Pedro Lopes, Generaldirektor für Inhalte bei SPi in Portugal, gab eine warnende Note zum Thema Gewohnheiten des Publikums ab. Er erklärte, dass Menschen normalerweise „die ersten fünf [Episoden] schauen und dann zu einer anderen [Show] wechseln“. Dieses Verhalten ist ein Merkmal des Formats und nicht unbedingt ein Problem für Distributoren.
Spanien als Drehscheibe für Co-Produktionen
Die Landschaft gemeinsamer Produktionen war ein weiteres Hauptthema, wobei eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Regeln brechen: Die Landschaft gemeinsamer Produktionen“ stattfand. Die Sitzung brachte Iris Bucher von Quad Drama aus Frankreich, Peter Lohner von Beta Film aus Deutschland, Nathalie Perus von Atlantique Productions aus Frankreich, Femke Wolting von Submarine aus den Niederlanden und Alfredo Bermúdez de Castro Berbel von Secuoya Studios aus Spanien zusammen.
Bucher drückte ihre Frustration über den aktuellen Zustand europäischer Co-Produktionen aus. „Wir wünschen uns, dass wir mehr mit den spanischen Sendern zusammenarbeiten würden“, sagte sie. „Als Europa müssen wir eine Stimme haben. Bisher sind Frankreich, Deutschland und Italien die großen Länder für Co-Produktionen, aber ich denke, wir alle wünschen uns, mehr mit Spanien zusammenarbeiten zu können, nicht nur dort zu drehen.“
Die Daten untermauern ihren Wunsch. Gloria Saló, Produktions- und Content-Consulting-Direktorin bei der spanischen Beratungs- und Marktforschungsfirma GECA, und ihre Kollegin Lucía Gómez, Content- und Formatanalystin des Unternehmens, präsentierten Zahlen, die zeigen, dass Frankreich-Belgien-Co-Produktionen mit 41 Prozent aller internationalen Co-Produktionen von 2023 bis 2026 führend sind. Spanien-Portugal-Co-Produktionen wurden als „fruchtbares“ Gebiet identifiziert, das in der Zukunft erkundet werden könnte.
Das überkontinentale Bild ist jedoch dünner. Nur 18 europäisch-lateinamerikanische Co-Produktionen wurden im gleichen Zeitraum erfasst, was 6 Prozent des Gesamtvolumens entspricht, wobei spanisch-mexikanische und spanisch-argentinische Projekte führten.
König Charles III. und Ozzy Osbourne
Eine der denkwürdigsten Sitzungen kam von Ingke Purrmann, Mitgründerin und Chief Revenue Officer von JustWatch Media, dem Business-to-Business-Bereich des internationalen Streaming-Guides und der Datenbank JustWatch. Ihre Botschaft war einfach: Demografien sagen Ihnen nicht, was jemand anschaut.
Sie benutzte zwei berühmte britische Männer als Beispiel. Beide wurden 1948 geboren, zweimal geheiratet und lebten in einem Schloss. Der eine war König Charles III. Der andere war der verstorbene Ozzy Osbourne. Ihre Geschmäcker in Sachen Medien und Unterhaltung waren mit Sicherheit sehr unterschiedlich, so Purrmann, obwohl ihre Demo-Profile perfekt übereinstimmten.
Der Vergleich war eine herrlich absurde Art, zu veranschaulichen, dass Demos nicht sagen, was jemand anschaut.
Jaime Otero, Vice President, Partnerships bei Parrot Analytics, fügte einen globalen Datenpunkt hinzu. Südkorea sei ein großer Wachstumstreiber für Inhalte in spanischer und portugiesischer Sprache (SPLATAM). Die Nachfrage nach SPLATAM-Serien des Landes sei im Zeitraum 2024-2026 um 243 Prozent gestiegen, so Otero. Spanische und portugiesische Sprecher seien zu Fans koreanischer Inhalte geworden, und nun erwidern koreanische Zuschauer den Gefallen.
Was die Daten tatsächlich aussagen
Der Microdrama-Boom ist real, aber das Geschäftsmodell bleibt fragil. Kurze Episoden, geringe Budgets und hohe Fluktuation bedeuten, dass Distributoren Zuschauer zur nächsten Show bewegen müssen. Die von Kartaszewicz erwähnten Thriller könnten die Antwort sein – das Publikum reagiert darauf, und das Genre expandiert.
Die Co-Produktionsdaten zeigen eine Lücke zwischen Europa und Lateinamerika. Spanien sei Teil der transatlantischen Achse, aber die Beteiligung an Co-Produktionen habe immer noch Einschränkungen. Die 18 europäisch-lateinamerikanischen Co-Produktionen stellen nur einen winzigen Bruchteil des Gesamtbildes dar, angeführt von spanisch-mexikanischen und spanisch-argentinischen Projekten.
Die JustWatch-Sitzung war eine Erinnerung daran, dass das Publikum nicht vorhersehbar ist. Zwei Männer mit identischen Lebensstatistiken schauen völlig unterschiedliche Dinge. Das ist die Lektion für Content-Ersteller: Kennen Sie Ihre Zielgruppen, aber nehmen Sie nicht an, dass sie definieren, was sie sehen möchten.
| Sitzung | Redner | Thema |
|---|---|---|
| Vertikal & Viral: Der Aufstieg von Microdrama | Marcela Kartaszewicz, DramaBox | Microdramas, Content-Qualität, Genre-Expansion |
| Regeln brechen: Das Co-Produktions-Szenario | Iris Bucher, Quad Drama ) | Co-Produktionen, europäischer vs. lateinamerikanischer Markt ) |
| JustWatch-Session ) | Ingke Purrmann, JustWatch Media ) | Demografie vs. tatsächliche Sehgewohnheiten ) |
Die Konferenz umfasste ein breites Themenspektrum, von Mikrodramen über Co-Produktionen bis hin zu globalen Nachfragetrends. Die Akteure im Bereich Mikrodramen äußerten sich zuversichtlich bezüglich des weiteren Potenzials des Formats, während die Co-Pro-Experten eingeständlich sagten, sie wünschten sich, Spanien würde eine größere Rolle in ihren Deals spielen. )
Quelle: „Woody Allen’s Madrid Film, King Charles and Ozzy Osbourne, AI, Microdrama and M&A: Iberseries Wrap“, The Hollywood Reporter )
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