Searching beginnt auf einem Laptop und verlässt ihn nie wirklich. Der Film von Aneesh Chaganty aus dem Jahr 2018 erzählt die Geschichte von David Kim (John Cho), einem Vater aus San Jose, dessen 16-jährige Tochter Margot (Michelle La) verschwindet, und er erzählt fast alles über Bildschirme – Videoanrufe, Suchverläufe, Social-Media-Feeds, eine Tumblr-Seite, eine Venmo-Überweisung.
Dieser Kniff hätte ein Gag sein können. Ist er nicht. Searching nutzt den Bildschirm so, wie ein Detektiv eine Fallakte nutzt: Jeder Tab, den David öffnet, ist eine Spur, und jede Spur ist eine Tür in ein Leben, von dem er glaubte, es zu kennen.
Trailer, via Sony Pictures Entertainment.
Der Laptop eines Vaters in San Jose
Die Ausgangslage ist schlicht. David erstattet eine Vermisstenanzeige, und Detective Rosemary Vick (Debra Messing) übernimmt den Fall. Siebenunddreißig Stunden vergehen ohne eine einzige Spur, also tut David, was die Polizei nicht getan hat: Er öffnet den Laptop seiner Tochter.
Was er findet, ist ein Mädchen, das er nie gesehen hat. Margot hatte ihren Klavierunterricht sechs Monate vor ihrem Verschwinden abgesagt. Sie steckte das Unterrichtsgeld ein und überwies 2.500 Dollar auf ein Venmo-Konto, das es nicht mehr gibt. Sie besaß einen gefälschten Ausweis. Sie verbrachte Stunden auf einer Streaming-Seite namens YouCast, wo sie sich mit einer jungen Frau namens Hannah anfreundete.
Vick nennt Hannah unschuldig und verweist auf eine Sichtung in Pittsburgh zum Zeitpunkt des Verschwindens. David gräbt trotzdem weiter, denn die Alternative ist, stillzusitzen.
Der Barbosa Lake und der Pokémon-Schlüsselanhänger
Der beste Abschnitt des Films ist sein leiseste. Von Margots Tumblr erfährt David, dass sie oft zum Barbosa Lake fuhr, nahe der Autobahn, wo sie zuletzt gesehen wurde. Er fährt dorthin und findet ihren Pokémon-Schlüsselanhänger.
Die Polizei zieht ihr Auto aus dem See. Darin liegt ein Umschlag mit 2.500 Dollar. Eine Suchmannschaft bildet sich; ein Sturm verzögert sie. Dann gerät David in eine Auseinandersetzung mit einem Jungen, der behauptet zu wissen, wo Margot ist, und Vick schließt ihn von der Ermittlung aus.
Er hört nicht auf. Er geht zu TMZ, wo Tatortfotos veröffentlicht wurden, und entdeckt auf einem davon die Jacke seines Bruders Peter. Textnachrichten zwischen Margot und Peter folgen.
Chaganty inszeniert all das auf einem Desktop, und die Disziplin hält. Die Kamera schneidet nie auf ein Gesicht für eine Reaktionseinstellung, denn es gibt keine Kamera. Davids Trauer zeigt sich als ein Cursor, der über einer Tastatur schwebt, und das erweist sich als genug.
Der Fall, der den Film datiert
Hier ist der Teil, der zählt, und der Teil, der altert. Searching wurde am 21. Januar 2018 beim Sundance uraufgeführt. Sony Pictures Releasing brachte ihn am 24. August 2018 in ausgewählte Kinos, dann am 31. August bundesweit.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 21. Januar 2018 | Uraufführung beim Sundance Film Festival |
| 24. August 2018 | Limitierte Veröffentlichung durch Sony Pictures Releasing |
| 31. August 2018 | Bundesweiter Start |
Er spielte weltweit über 75 Millionen Dollar ein, bei einem Budget von 880.000 Dollar. Cho wurde bei den Independent Spirit Awards als Bester Hauptdarsteller nominiert. Der Erfolg des Films begründete eine Reihe, mit einem eigenständigen Teil mit dem Titel Run und einer Fortsetzung mit dem Titel Missing.
Searching nimmt auch einen bestimmten Platz in der Geschichte ein: Er war der erste Mainstream-Hollywood-Thriller, der von einem asiatisch-amerikanischen Schauspieler in der Hauptrolle getragen wurde. Diese Tatsache ist tragend, und es lohnt sich zu bemerken, dass der Film sie trägt, ohne eine Rede daraus zu machen. David ist nicht als Symbol geschrieben. Er ist als ein Vater geschrieben, der schlecht darin ist, mit seiner Tochter zu sprechen, und Cho spielt das Scheitern schlicht.
Was hält und was nicht
Die Bildschirmkonstruktion hat eine Obergrenze, und Searching stößt im letzten Akt daran. Als der Film auf seine Auflösung zusteuert, verlässt sich die Handlung auf Zufälle – die Jacke, der See, der Umschlag mit Geld –, und das Format kann das nicht kaschieren, denn ein Desktop kann alles zeigen, nur nicht, warum ein Mensch etwas getan hat.
Was bleibt, ist die eigentliche Erkenntnis der Prämisse: Der vollständigste Bericht über ein Leben ist heute eine Suchgeschichte, und sie gehört jemand anderem. David lernt Margot durch ihre Tabs kennen, nicht durch ihre Worte. Der Film sagt nie, ob das als sie zu kennen zählt.
Mit 102 Minuten ist Searching ein straffer, kluger Thriller mit einem Mechanismus, der seinen Platz verdient, und einer Hauptdarstellerleistung, die ihn erdet. Chagantys Spielfilmdebüt ist kein großer Film. Es ist ein sehr guter, der einen neuen Weg gefunden hat, jemandem beim Auseinanderfallen zuzusehen.
7,1 von 10.
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