Sam Raimi verbrachte die 2000er Jahre damit, drei Spider-Man-Filme zu inszenieren, die ihn zu einem der profitabelsten Regisseure Hollywoods machten. Dann kehrte er zurück und drehte einen Horrorfilm über einen Bankangestellten für Kredite, der von einer alten Frau in einer Parkgarage verflucht wird. Drag Me to Hell, am 29. Mai 2009 in den Vereinigten Staaten veröffentlicht, läuft 99 Minuten, kostete 30 Millionen Dollar und trägt eine Metacritic-Wertung von 83 von 100. Sam Raimis Rückkehr zum Horror ist nach Ansicht dieser Zeitung das Beste, was er gemacht hat, und das mit großem Abstand.
Trailer, via ScreamFactoryTV.
Christine Brown sagt Nein zu Sylvia Ganush
Der Aufbau ist eine moralische Falle, getarnt als Arbeitsplatzdrama. Christine Brown, gespielt von Alison Lohman, arbeitet bei einer Bank in Los Angeles und will zur stellvertretenden Filialleiterin befördert werden. Ihre Konkurrentin ist Stu Rubin, gespielt von Reggie Lee. Ihr Chef, Jim Jacks, gespielt von David Paymer, sagt ihr, sie müsse zeigen, dass sie die harten Entscheidungen treffen kann.
Dann kommt Sylvia Ganush herein. Lorna Raver spielt sie als gebeugte, keuchende, zerzauste Roma-Frau, die eine dritte Verlängerung ihrer Hypothek braucht. Sie ist mit den Zahlungen im Rückstand wegen einer Krankheit. Christine lehnt die Verlängerung ab, gegen ihr besseres Urteil. Sylvia fleht sie an, ihr das Haus nicht zu nehmen. Sicherheitsleute schleppen sie hinaus. Sie schreit, dass Christine sie öffentlich beschämt habe.
In dieser Nacht, in einer Parkgarage, greift Sylvia Christine in ihrem Auto an. Es kommt zu einem Kampf. Sylvia reißt einen Knopf von Christines Mantel und belegt ihn mit einem Fluch. Sie warnt, dass Christine zu ihr kommen und flehen werde.
Drei Tage, ein Knopf, kein Ausweg
Der Slogan gibt die Uhr vor: „Christine Brown hat einen guten Job, einen großartigen Freund und eine glänzende Zukunft. Aber in drei Tagen wird sie zur Hölle fahren.“ Der Film meint das wörtlich. Ein dunkler Geist heftet sich an sie. Über drei Tage quält er sie in eskalierenden Ausbrüchen. Bei der Arbeit hat sie ein heftiges Nasenbluten, während sie Halluzinationen von Sylvia hat. Zu Hause wirft die Entität sie in ihrer Wohnung herum.
Christines Freund ist Clay Dalton, gespielt von Justin Long, ein College-Professor und der Sohn wohlhabender Eltern. Er ist skeptisch. Er denkt, sie sei gestresst. Er irrt sich auf die Art, in der sich Freunde in Horrorfilmen immer irren, doch Long spielt ihn als aufrichtig anständig statt dumm, was der schwierigere Kunstgriff ist.
Das Paar besucht eine Wahrsagerin namens Rham Jas, gespielt von Dileep Rao. Er erklärt, was sich an sie geheftet hat. Er ist der Erste, der ihr glaubt. Rao spielt ihn mit einer Ruhe, die dem restlichen Film vollkommen fehlt, und es funktioniert. Produzent Grant Curtis beschrieb später Raos Vorsprechen und sagte, Sam habe ihm gesagt: „Es gibt keine Altersmindestgrenze für Weisheit.“ Das ist die ganze Figur, und Rao liefert sie.
Eine Séance und Shaun San Dena
Der Film beginnt 1969 in Pasadena, nicht in Los Angeles. Ein hispanisches Paar bringt seinen Sohn Juan zu einem jungen Medium namens Shaun San Dena, gespielt von Adriana Barraza. Juan hat eine silberne Halskette aus dem Wagen einer Roma-Frau gestohlen und hört nun böse Stimmen. Er versuchte, sie zurückzugeben. San Dena hält eine Séance ab. Etwas Unsichtbares greift sie an und zieht Juan in die Hölle. San Dena schwört, eines Tages wieder gegen den Dämon zu kämpfen.
Vierzig Jahre später ist dieser Tag gekommen. Die Séance von 2009 ist das Herzstück des Films und, nach Ansicht dieser Zeitung, seine beste Sequenz. San Dena kehrt zurück, älter. Der Dämon erscheint. Es ist eine Szene, die lächerlich sein könnte, und sie ist es, und sie ist zugleich wirklich furchteinflößend, was genau die Kombination ist, die Raimi seit The Evil Dead anstrebt.
Sam Raimi schrieb das in den 1990er-Jahren
Drag Me to Hell war keine schnelle Arbeit. Sam Raimi und sein Bruder Ivan schrieben das Drehbuch in den 1990er-Jahren unter dem Titel The Curse. Sie konzipierten es als eine „grausame Moralgeschichte“, dazu bestimmt, eine wohlmeinende Protagonistin für einen egoistischen Fehler zu bestrafen. Sie wollten den viszeralen Slapstick-Horror-Ton von Raimis früheren Evil-Dead-Filmen. Dann legten sie es beiseite. Sie beendeten es 2007, nach Spider-Man 3.
Raimi tat sich mit Ghost House Pictures zusammen, um den Film unabhängig und außerhalb der Zwänge eines großen Studios zu drehen. Er wurde 2008 in Tarzana, Kalifornien, gedreht. Die Premiere fand am 15. März 2009 bei SXSW statt. Der Kinostart folgte am 29. Mai 2009. Das verfügbare Quellenmaterial bricht mitten im Satz beim Verleih ab, daher nennt dieser Beitrag keinen.
Die Besetzungsgeschichte ist es wert, gekannt zu werden, weil sie die Textur des Films erklärt. Elliot Page wurde ursprünglich als Christine besetzt, stieg aber wegen Terminproblemen im Zusammenhang mit einem SAG-Streik aus. Lohman übernahm die Rolle. Sie mochte Horrorfilme nicht. Sie mochte es, die Stunts zu machen, was in jeder Szene sichtbar ist, in der Christine durch einen Raum geschleudert wird.
Raver, eine Bühnenschauspielerin, sprach für Mrs. Ganush vor, ohne zu wissen, was aus der Figur werden würde. Sie sagte, alles, was sie gelesen habe, sei „über eine kleine alte Dame, die in die Bank kommt, weil sie ihr Haus zwangsversteigern“. Erst später habe ich das ganze Drehbuch gesehen und gesagt: ‚Oh, mein Gott!‘“ Sie traf sich mit einem ungarischen Dialektcoach und ließ Teile des Drehbuchs ins Ungarische übersetzen. Raimi bat sie später, einige dieser ungarischen Wörter in den Szenen zu verwenden, in denen Ganush Christine angreift. Dieses Detail ist wichtig. Der Fluch ist nicht generisch. Er hat eine Sprache.
Was hier tatsächlich funktioniert
Der Ruf des Films ruht auf einigen Dingen, und in der Lesart dieser Zeitung sind sie nicht gleich wichtig. Geordnet danach, wie sehr sie den Film tragen:
- Lorna Ravers Darstellung der Sylvia Ganush, die der Motor des gesamten Films ist und ihn nach Ansicht dieser Zeitung versenken würde, wäre sie auch nur leicht daneben.
- Der Kampf im Parkhaus, der am besten inszenierte Szene des Films ist und die Regeln in unter fünf Minuten etabliert.
- Die Séance von 2009, die den größten Wurf des Films liefert.
- Alison Lohmans körperliches Engagement, das eine Frau verkauft, die 99 Minuten lang physisch zur Verdammnis geschleift wird.
- Das Ende, der grausamste Scherz in einem Film, der aus grausamen Scherzen gebaut ist.
Die Nebenbesetzung ist voll mit Raimi-Stammdarstellern. Chelcie Ross spielt Clays Vater, Leonard Dalton. Molly Cheek spielt seine Mutter, Trudy. Bojana Novaković spielt Ilenka Ganush, Sylvias Enkelin.
Ilenka Ganush und das Begräbnis
Christine besucht Ilenka in der Absicht, sich bei Sylvia zu entschuldigen. Ilenka offenbart, dass Sylvia kürzlich gestorben ist. Christine bringt die Trauergäste bei der Beerdigung unabsichtlich in Verlegenheit, und Ilenka warnt sie, dass sie ihr späteres Schicksal verdient.
Überall gibt es Cameos. Raimi selbst erscheint als ungenannter Geist bei der Séance. Sein jüngerer Bruder Ted spielt einen Arzt. Seine ältesten Kinder, Emma, Henry und Lorne, treten in kleinen Rollen auf. Scott Spiegel, ein häufiger Mitarbeiter Raimis, spielt einen Trauernden beim Totenmahl. John Paxton und Irene Roseen spielen ein altes Paar in einem Diner. Octavia Spencer ist ebenfalls dabei, zusammen mit Joanne Baron, Tom Carey, Aimee Miles und Bill E. Rogers, die alle schon zuvor mit Raimi gearbeitet haben.
Der Knopf ist der ganze Film
Der Fluch wandert durch einen Knopf. Das ist das Detail, das Drag Me to Hell funktionieren lässt, und das Detail, das die meisten Horrorfilme dieser Zeit falsch gemacht hätten. Ein Knopf ist klein, gewöhnlich und leicht zu verlieren.
Die Grausamkeit des Films ist nach der Lesart dieser Zeitung strukturell. Christine verweigert Sylvia die Frist gegen ihr besseres Urteil. Der Film bestraft sie trotzdem. Das ist der Punkt, um den Sam und Ivan Raimi das Drehbuch in den 1990er Jahren herum aufgebaut haben, und er hält stand, weil der Film, wie diese Zeitung ihn liest, den Zuschauer nie bittet, Christine leid zu tun. Er bittet ihn, zuzusehen.
Die Raimi-Slapstick ist überall, und nach Ansicht dieser Zeitung ist sie der Teil, der am besten altert. Nichts daran ist subtil, und nichts daran soll es sein. Der Film ist 99 Minuten lang und hat, dem Auge dieser Zeitung nach, keine einzige langsame Strecke.
Wo er steht
Drag Me to Hell wurde am 15. März 2009 beim SXSW uraufgeführt und lief am 29. Mai 2009 in den Vereinigten Staaten an. Nach der Lesart dieser Zeitung steht er zwischen dem Torture-Porn-Zyklus und der Wiederbelebung des Spukhausfilms und gehört keinem von beiden an. Er ist ein Hybrid: ein 30-Millionen-Dollar-Film, der außerhalb des großen Studiosystems von einem Regisseur gedreht wurde, der gerade die größte Franchise seiner Karriere abgeschlossen hatte, nach einem Drehbuch, das er mehr als ein Jahrzehnt zuvor mit seinem Bruder geschrieben hatte.
Das ist der Teil, der Beachtung verdient. Nach Ansicht dieser Zeitung ist Raimi nicht zum Horror zurückgekehrt, um ihn neu zu erfinden. Er ist zurückgekehrt, um das zu tun, was er bereits beherrschte, mit besseren Werkzeugen und einem gemeineren Drehbuch.
Die Kritik dieser Zeitung ist, dass Clay zu schwach angelegt ist. Justin Long ist gut in der Rolle, aber die Figur existiert hauptsächlich, um Christine nicht zu glauben und dann zu spät recht zu bekommen. Der Film braucht ihn nicht so, wie er Rham Jas oder San Dena braucht.
Der wichtigere Punkt, und dies ist die Ansicht der Zeitung und nicht ein gemessenes Ergebnis, ist, dass Drag Me to Hell den Unterschied zwischen einem Schrecken und einem Witz versteht und sich weigert, zu wählen. Er tut beides zugleich, wiederholt, 99 Minuten lang, und er trifft fast jedes Mal. Die Metacritic-Wertung von 83 stützt die allgemeine Aufnahme, aber der Fall für den Film ruht auf Raver, dem Knopf und jener Séance.
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