Tom Hanks spielt Otto Anderson, einen 63-jährigen Witwer, der seine Frau Sonya und seinen Job in einem Stahlwerk verloren hat. Er ist verbittert, pedantisch und bereit zu sterben. Dieser Plan trifft auf Marisol, eine schlagfertige, schwangere Frau, die mit ihrem Mann Tommy und ihren Töchtern Abby und Luna nebenan einzieht. Sie versucht, sich mit ihm anzufreunden. Er versucht zu entkommen. Das Ergebnis ist eine Tragikomödie, die den Großteil ihrer Laufzeit damit verbringt, genau das zu tun, was ihr Slogan verspricht: den mürrischsten Mann Amerikas in seine Nachbarn verlieben zu lassen.
Trailer, via Sony Pictures Entertainment.
Der Aufbau
Otto kündigt seine Versorgungsverträge und bereitet sich darauf vor, sich aufzuhängen, um zu Sonya zu gelangen. Die Schlinge zieht den Haken aus der Decke. Er besucht ihr Grab und erinnert sich an sein Versagen als Sanitäter bei der Armee und an seine Begegnung mit Sonya auf einem Bahnsteig, wo sie ihm ein silbernes Vierteldollarstück von 1964 gab. Er hilft seiner Nachbarin Anita mit ihren Heizkörpern, während er einen Groll gegen ihren Mann Reuben hegt, der einen Schlaganfall überlebt hat. Er versucht eine Kohlenmonoxidvergiftung in seiner Garage, denkt dabei an seine und Sonyas Werbung, wird aber von Marisol unterbrochen, nachdem Tommy sich beim Sturz von einer Leiter das Bein gebrochen hat.
Der Motor des Films ist einfach: Otto will sterben, und Marisol lässt ihn nicht. Ihre Beharrlichkeit zwingt ihn aus seinem Haus, in sein Auto und schließlich in das Leben seiner Nachbarn. Die Komödie entsteht aus der Beobachtung eines Mannes, der das Leben aufgegeben hat und langsam lernt, wieder zu leben. Das Drama entsteht aus der Beobachtung, wie er erkennt, dass er nicht aufgehört hat, Sonya zu lieben.
Die Darstellerischen Leistungen
Hanks trägt den Film. Sein Otto ist keine Karikatur eines Miesepeters; er ist ein trauernder Mann, der beschlossen hat, dass Trauer die einzige ehrliche Antwort ist. Als er im Krankenhaus wegen seines Vierteldollarstücks einen Clown angreift, funktioniert der Moment, weil wir glauben, dass ihm die Münze, die Sonya ihm gab, noch immer viel bedeutet. Truman Hanks erscheint als junger Otto, ein kleines, aber wirksames Rahmenelement, das uns sehen lässt, wo Ottos Verbitterung begann.
Mariana Treviño hält mit Hanks Szene für Szene mit. Ihre Marisol ist geduldig, warmherzig und nie herablassend. Sie sieht das Gute in Otto, das er selbst nicht in sich sehen kann. Manuel Garcia-Rulfo spielt Tommy mit einer stillen Stärke, die der Familie Halt gibt. Rachel Keller spielt Sonya mit Wärme, obwohl ihre Leinwandzeit auf Rückblenden und Erinnerungen beschränkt ist.
Die Nebenbesetzung füllt die Nachbarschaft mit Menschen, die Otto einst ignoriert hat. Peter Lawson Jones spielt Reuben, den Schlaganfallüberlebenden, dessen Schweigen Otto dazu bringt, Anita mit ihren Heizkörpern zu helfen. Juanita Jennings spielt Anita, deren Dankbarkeit langsam Ottos Mauern abträgt. Lily Kozub und Alessandra Perez spielen Luna und Abby und verleihen dem Film die jüngste Perspektive auf einen Mann, der verlernt hat, mit Kindern umzugehen.
Was funktioniert, was nicht
Die Stärken des Films sind sein Ton und sein Schnitt. Forster inszeniert mit leichter Hand und lässt den Humor landen, ohne ihn zu forcieren. Das Tempo ist gleichmäßig, was bei einer Laufzeit von 126 Minuten wichtig ist. Der Film weiß, wann er bei einer Erinnerung verweilen und wann er zum nächsten Takt übergehen muss.
Die Schwächen sind struktureller Natur. Der mittlere Abschnitt zieht sich leicht, wobei Ottos Selbstmordversuche eher repetitiv als eskalierend wirken. Einige der Nebenfiguren bekommen weniger Aufmerksamkeit, als die Handlung verlangt. Die Szenen im Baumarkt mit John Higgins als Angestellter und Tony Bingham als Kunde fügen Farbe hinzu, vertiefen aber nicht die zentrale Beziehung.
Hier ist, wie die Elemente des Films der Reihe nach einzuordnen sind:
- Tom Hanks‘ Leistung — der Motor des Films.
- Mariana Treviños Leistung — die Vermittlerin, die Otto am Leben hält.
- Ton — der gleichmäßige, zurückhaltende Umgang des Films mit Komödie und Drama.
- Laufzeit — gleichmäßiges Tempo, aber der mittlere Teil zieht sich etwas.
| Element | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|
| Tom Hanks‘ Leistung | Verankert den Film mit echtem Kummer | Keine |
| Mariana Treviños Leistung | Hält Szene für Szene mit Hanks mit | Keine |
| Ton | Leicht, aber nie süßlich | Der mittlere Abschnitt zieht sich leicht |
| Laufzeit | 126 Minuten, gleichmäßiges Tempo | Manche Versuche wirken repetitiv |
Das Urteil
„A Man Called Otto“ ist ein sanftes, oft lustiges Remake, das seine Vorlage respektiert. Es erfindet das Rad nicht neu; es rollt damit. Der Film versteht, dass Trauer kein Kostüm ist und dass Liebe kein Schalter ist. Ottos Reise vom suizidalen Einsiedler zum widerwilligen Freund ist glaubwürdig, weil Hanks sich voll und ganz auf beide Seiten von ihm einlässt.
Er ist nicht perfekt. Die Mitte hängt ein wenig durch, und einige Figuren verdienen mehr Entwicklung, als sie bekommen. Doch der Kern der Geschichte – ein einsamer Mann, der wieder zu sorgen lernt – ist mit Sorgfalt und Zurückhaltung umgesetzt. Der Film endet auf einer hoffnungsvollen Note, die verdient und nicht erzwungen wirkt.
Dies ist ein Film über zweite Chancen, und er verdient sein Ende. Otto wird nicht plötzlich ein glücklicher Mann; er hört einfach auf, ein toter sein zu wollen. Dieser Wandel, vom Weggehenwollen zum Bleibenwollen, ist der ganze Film im Kleinen.
Wertung: 5,1 von 10.
Das Notizbuch abonnieren.
Die besten Geschichten des Tages und jedes neue Urteil, in klarem Deutsch, um sieben im Postfach. Eine Mail am Tag, nicht mehr.





