„Green Room“ ist ein kleiner Horrorfilm, der auf einer einfachen Prämisse basiert: eine Punkband betritt eine Bar der Skinheads und findet sich darin gefangen. Es braucht nicht viel mehr als das. Der Film, gedreht und geschrieben von Jeremy Saulnier, dauert 95 Minuten und verbringt fast alle davon im namensgebenden „Green Room“, wo fünf Musiker um ihr Leben kämpfen gegen eine Gang von Neonazis, die sie tot haben wollen.
Der Aufbau ist brutal und unmittelbar. Die Ain’t Rights, angeführt von Pat (Anton Yelchin) und Sam (Alia Shawkat), spielen einen Gig in einem abgelegenen Club außerhalb von Portland, Oregon. Nach der Show geht Pat zurück in den „Green Room“, um Sams Handy zu holen, und stolpert dabei über eine tote Frau, Emily, die von einem Mitglied der Nazi-Metal-Band Cowcatcher getötet wurde. Er ruft die Polizei, aber die Barkeeper Gabe (Macon Blair) und Big Justin (Eric Edelstein) beschlagnahmen die Handys der Band und sperren sie ein. Die Band ist nun in ihrem eigenen Dressingraum gefangen, und die Skinheads beabsichtigen, sie zu töten, um den Mord zu vertuschen.
Die Spannung lässt kaum nach. Der Film ist ein geschlossener Thriller, und Saulnier weiß genau, wann er den Druck erhöhen und wann er ihn atmen lassen muss. Die Band versucht, über ein unterirdisches Drogenlabor zu fliehen, aber der einzige Ausgang ist von außen verriegelt. Dieses eine Fakt treibt die zweite Hälfte des Films an. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit außer der Haustür, und die Skinheads warten dort mit Waffen.
Trailer, via A24.
Eingesperrt
Der „Green Room“ selbst wird zu einem Käfig. Der Film verbringt fast seine gesamte Laufzeit in diesem begrenzten Raum, und die Klaustrophobie ist gewollt. Der Raum ist eng, schummrig beleuchtet und voller Gegenstände, die zu Waffen werden können. Die Bandmitglieder sind gezwungen, zu improvisieren mit dem, was sie finden können – Flaschen, Stühle, Werkzeuge – und der Film beobachtet, wie sie sich mit einer Präzision durch den Raum bewegen, die wie ein Tanz wirkt. Die Kamera bleibt nah, und das Sounddesign füllt die Luft mit dem Summen des Clubs und dem fernen Knurren eines Hundes.
Ein Weg rein. Kein Weg raus.
Dieses Motto erfasst das zentrale Dilemma des Films. Die Band ist in die Enge getrieben, und der einzige Ausweg führt durch eine Tür, die von denjenigen kontrolliert wird, die sie töten wollen. Die Skinheads sind immer am Anschauen, immer am Zuhören, und die Bandmitglieder wissen es.
Die fünf Musiker)
Die fünf Bandmitglieder bringen jeder etwas Eigenständiges in den Kampf ein. Pat ist der Leadsänger, ruhig unter Druck. Sam ist der Schlagzeuger, schnell und stetig. Reece (Joe Cole) ist der Bassist, ein harter Mann mit schlechter Laune. Tiger (Callum Turner) ist der Gitarrist, still und aufmerksam. Das fünfte Mitglied, Amber (Imogen Poots), ist ein Einheimisches, die Emily kannte und der Band beitritt, als die Skinheads sie zwingen, Partei zu ergreifen. Gemeinsam bilden sie eine ramponierte Einheit, die unter Beschuss zusammenhält.
Der Film verfolgt ihre Bewegungen mit einer Klarheit, die an Choreografie grenzt. Eine Aufnahme einer Hand, die nach einer Flasche greift, eines Fußes, der sich einer Waffe zuwendet, eines Kopfes, der sich dreht, um einen Schatten zu beobachten – diese kleinen Gesten wiegen schwer, weil das Publikum weiß, was hinter der Tür lauert. Die Skinheads sind immer aufmerksam, immer am Hören, und die Bandmitglieder vergessen es nie.
Die Skinheads und ihre Regeln)
Darcy ist der wahre Bösewicht des Films. Patrick Stewart spielt ihn mit intelligenter Kälte und Kontrolle. Er ist kein tobender Brute, sondern ein Mann, der Macht und Hierarchie versteht. Wenn er beschließt, Cowcatcher mit vergifteten Drogen zu versorgen und die Band zu eliminieren, um Zeugen auszuschalten, tut er dies mit der Distanziertheit eines Geschäftsmanns. Der Film respektiert diese Charakterarbeit, selbst wenn er ihn Gewalt aussetzt.
Die Skinheads verfolgen eine eigene Logik. Sie bezahlen einen Mann, um einen anderen zu stechen, um eine Schutzbehauptung für die Polizei zu erfinden. Sie setzen einen Hund ein, um den Club zu bewachen. Dies sind keine zufälligen Handlungen, sondern sorgfältig geplante Schritte innerhalb eines Systems, das Loyalität und Angst schätzt. Der Film romantisiert diese Welt nicht, und er lässt die Band nie vergessen, dass sie gegen Menschen kämpft, die glauben, sie hätten Recht.
Der Höhepunkt)
Der Höhepunkt ist eine Reihe von kurzen, gewalttätigen Konfrontationen. Big Justin greift die Band an, und Reece würgt ihn bewusstlos. Als Big Justin wieder aufwacht, würgt Reece ihn ein zweites Mal, während Amber ihn aufschlitzt, um sicherzustellen, dass er tot ist. Der Film verweilt nicht bei diesen Todesfällen. Er zeigt sie schnell und geht weiter, was die Gewalt verdient wirken lässt, anstatt unnötig zu sein.
Die letzte Szene ist der gewagteste Moment des Films. Die Band verlässt den Backstage-Bereich in den leeren Club, bewaffnet mit improvisierten Waffen, und stellt sich den Skinheads direkt. Ein Hund greift Tiger an, und Amber und Pat vertreiben ihn mit Mikrofonen. Der Film endet mit der Band am Leben, aber gebrochen, nachdem sie überlebt hat, indem sie Dinge getan hat, die sie nie für möglich gehalten hätte.
Ein brutaler, kompakter Erfolg
„Green Room“ ist kein Film über Ideen. Es ist ein Film über Körper in Bewegung, über die Physis von Angst und Gewalt. Die Leistungen sind durchweg stark, wobei Yelchin eine seiner besten Rollen vor seinem Tod abliefert. Poots bringt eine geerdete Menschlichkeit in Amber ein, und Cole und Turner verankern die jüngeren Mitglieder der Band mit stiller Stärke. Stewarts Darcy ist der herausragendste Darsteller, eine Leistung, die sowohl schauerlich als auch präzise wirkt.
Die Schwächen des Films sind geringfügig. Einige der Nebenfiguren sind unterentwickelt, und die mittlere Phase zieht sich leicht in die Länge, während die Band auf eine Gelegenheit wartet, auszubrechen. Aber das sind Kleinigkeiten gegen einen Film, der genau weiß, was er sein will, und es ohne Entschuldigung liefert.
„Green Room“ ist ein harter, brutaler Thriller, der sein Publikum und seine Charaktere respektiert. Es ist ein Film über das Überleben, über die Entscheidungen, die Menschen treffen, wenn sie in die Enge getrieben werden, und über die dünne Linie zwischen Opfer und Überlebendem. Es ist auch ein Film, der die Kraft eines geschlossenen Raumes und einer verschlossenen Tür versteht.
Der Ruf des Films hat seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2016 angehalten. Er tauchte auf vielen Kritikerlisten als einer der besten Filme dieses Jahres auf und erhielt 2017 eine Empire Award-Nominierung in der Kategorie Bester Horror. Sein bescheidener Bruttoeinkommen von 3,8 Millionen Dollar gegenüber einem Budget von 5 Millionen Dollar spricht für seine schlanke Produktion und nicht für sein Versagen, mit dem Publikum in Kontakt zu treten.
Dies ist ein Film, der Geduld belohnt und Ablenkung bestraft. Es ist kein Film, den man in der Hand mit dem Handy schaut. Es ist ein Film, den man in einem dunklen Raum mit hoher Lautstärke anschaut und mit dem Gefühl hervorgeht, an einem gefährlichen Ort gewesen zu sein.
„Green Room“ erobert sich seinen Platz unter den besten Filmen des Jahres 2016. Es ist ein straffer, brutaler Thriller, der sein Publikum und seine Charaktere respektiert. Es ist ein Film über das Überleben, über die Entscheidungen, die Menschen treffen, wenn sie in die Enge getrieben werden, und über die dünne Linie zwischen Opfer und Überlebenden. Es ist auch ein Film, der die Macht eines geschlossenen Raumes und einer verschlossenen Tür versteht.
Wertung: 7,9 von 10.
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