„The Nevers“ ist ein langsam erzähltes viktorianisches Übernatürliches-Drama über Menschen, die plötzlich seltsame Kräfte erlangen. Es ist auch eine Serie, die ihre erste Staffel damit verbringt, eine Welt aufzubauen, und kaum dazu kommt, die Geschichte zu erzählen. Das Ergebnis ist ein frustrierendes Seherlebnis, das gelegentlich die Geduld belohnt.
Die Prämisse ist stark. Im London der 1890er Jahre beginnen einige wenige Menschen über Nacht, Fähigkeiten zu entwickeln – Telekinese, Vorahnung, Elementkontrolle. Die Serie nennt diese Menschen „the Touched“, und sie folgt einer Gruppe von ihnen unter der Führung von Sam Wylde (Eve Hewson aus Penny Dreadful), während sie zu verstehen versuchen, was geschieht. Die Stadt reagiert mit Angst, Neugier und manchmal Gewalt. Diese Ausgangslage könnte eine scharfe, figurengetriebene Serie tragen. Stattdessen verliert sich die Serie in ihrer eigenen Mythologie.
Trailer, via Sky TV.
Eröffnungsfolgen
Die erste Folge führt das Konzept der „the Touched“ ein und etabliert das zentrale Rätsel. Die zweite bis vierte Folge verbringen viel zu viel Zeit damit, dieselben Ideen zu umkreisen, ohne die Handlung voranzutreiben. Die Figuren sprechen darüber, was geschehen ist, wie sie sich fühlen und was ihrer Meinung nach als Nächstes passieren könnte. Es gibt wenig Handlung, weniger Antworten und fast kein Gefühl der Dringlichkeit.
Das Tempo ist das größte Problem. Die Folgen sind lang, und der Schnitt hilft nicht. Die Serie will dicht und vielschichtig wirken, doch die Schichten sind oft nur Wiederholung, die als Tiefe verkleidet ist. Bis die Staffel ihren Rhythmus findet, hat das Publikum zu viel Zeit mit Warten verbracht.
Die Touched und ihre Kräfte
Die Figuren selbst sind das stärkste Element von „The Nevers“. Eve Hewson trägt die Hauptrolle mit einer stillen Stärke, die das Chaos um sie herum erdet. James Norton spielt einen wohlhabenden Erfinder, der in das Rätsel verwickelt wird, und seine Darstellung bringt etwas Spannung in das Geschehen. Die Nebenbesetzung ist voll von bekannten Gesichtern, und die Serie bemüht sich, die Kraft jeder Figur unverwechselbar zu machen.
Doch das Engagement der Serie für ihr Ensemble hat seinen Preis. Bei so vielen Figuren müht sich die Geschichte, keiner von ihnen Raum zum Atmen zu geben. Nebenhandlungen türmen sich aufeinander, und das zentrale Rätsel wird unter kleineren, weniger fesselnden Strängen begraben.
Die Welt des London der 1890er Jahre
Das Produktionsdesign ist hervorragend. Die Straßen wirken bewohnt, die Kostüme sind detailliert, und die historische Kulisse fühlt sich authentisch an. Die Serie fängt den Smog, die Klassentrennung und das Gefühl einer Stadt am Rande des Wandels ein. Diese Liebe zum Detail lässt die Welt real erscheinen, auch wenn die Geschichte dahinter sich in die Länge zieht.
„The Nevers“ ist eine Serie, die nach vorne blickt und dabei im Kreis geht.
Dieser Satz fasst die Erfahrung zusammen. Die Serie deutet ständig auf etwas Interessantes hin – eine Verschwörung, eine Enthüllung, einen Moment der Charakterentwicklung –, doch sie liefert nie wirklich. Die Auflösung ist das Warten nie wert.
Der Handlungsbogen der Staffel
| Episode | Titel |
|---|---|
| 1 | „The Touched“ |
| 2 | „A Terrible Thing“ |
| 3 | „The Wages of Sin“ |
| 4 | „The Devil’s Plaything“ |
| 5 | „The Shadow of Doubt“ |
| 6 | „The Last Straw“ |
Die letzten paar Folgen ziehen das Tempo an. Das Rätsel beginnt sich zu lösen, der Einsatz steigt, und die Figuren kommen der Beantwortung der Frage näher, die die Serie seit Beginn stellt. Es ist ein befriedigendes Ende für eine Staffel, die zu lange gebraucht hat, um dorthin zu gelangen.
Fazit
„The Nevers“ ist eine Serie mit einer großartigen Idee und einer schwachen Umsetzung. Das Worldbuilding ist akribisch, die Darstellerleistungen sind stark, und das Finale verdient sein Gewicht. Doch der mittlere Abschnitt ist eine Qual, und die Weigerung der Serie, sich auf einen einzigen Erzählstrang festzulegen, lässt das Publikum eher verwirrt als fasziniert zurück.
Es ist eine Serie, die es wegen ihrer Handwerkskunst wert ist, gesehen zu werden, aber keine, die man ohne eine Warnung empfehlen kann. Der langsame Aufbau ist real, und die Auflösung ist sehenswert, doch der Weg dorthin ist nicht einfach.
Wertung: 5,7 von 10.
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