Julia Cohen hat ein Problem mit Geheimnissen. Ihre Tochter, die dieses Sommer vier wurde, ringt mit der Moral des Verbergens von Dingen herum, und Cohen beobachtet dies mit dem Blick eines Romanautors. Sie erinnert das Kind daran, dass es “sicher ist, ehrlich über alles zu sein”, und wenn sie ihre Eltern dabei erwischt, wie sie Wörter buchstabieren, damit das Mädchen sie nicht versteht, schreit das Kind: „Das ist NICHT nett, keine Geheimnisse!“ Und doch flüstert dasselbe Mädchen Unsinn mit ihrer Cousine und lacht über ihre gemeinsamen Geheimnisse.
Cohen schreibt darüber in ihrem neuen Essay-Memorandum „Freak Lip„, in dem jedes Kapitel einen Moment in ihrem Leben behandelt, in dem sie einen Satz laut aussprechen wollte, es aber nicht konnte. Sie hofft, dass das Buch einen ehrlichen Einblick in die Art und Weise bietet, wie Scham und Angst Intimität zurückhalten und einen Weg zur Ausgrabung der Wahrheit aufzeigen. Nun hat sie sich an andere Schriftsteller gewandt, um eine Liste von Büchern über Geheimnisse, Enthüllungen und die Folgen zu erstellen.
Die Liste, mit dem Titel „Enthüllungen, Bedauern, Erleichterung: Neun Bücher mit großen Geheimnissen“, ist eine Mischung aus Memoiren und Belletristik. Sie reicht von einem Roman über einen jungen Mann mit sich verändernden Geschlechtsorganen bis zu einer Memoiren über chronische Schmerzen und Opioidabhängigkeit. Cohen empfiehlt unter anderem Brandon Shimoda, Andrea Lawlor, Amy Long und Latoya Watkins. Der Faden, der sie zusammenhält, ist die Spannung zwischen dem Bewahren eines Geheimnisses und dem Aufdecken.
Ein Geheimnis des Wandelnden
Lawlors „Paul Takes the Form of a Mortal Girl“ folgt einem zwanzigjährigen Mann namens Paul, dessen Körper die Gestalt verändert, und der die Wahrheit teilweise verbirgt, weil er nicht glaubt, dass jemand damit etwas anfangen kann, und teilweise aus Angst vor Ablehnung. Die queere Community seines Partners fügt eine weitere Komplikationsebene hinzu, und das Buch wird zu einer Studie über Einsamkeit versus Risikobereitschaft.
Jede neue Beziehung hilft Paul, sich selbst besser zu verstehen und seine Empathie zu erweitern, aber er muss auch herausfinden, welches Angstniveau nachhaltig ist, wenn er seine Fähigkeit, die Gestalt zu wechseln, nicht vollständig denen offenbaren kann, die er liebt. Cohen gesteht ein, dass sie sich in der Highschool weniger einsam und selbstbewusster gefühlt hätte, wenn sie einen Roman wie diesen gelesen hätte.
Pillen, Apotheken und Kopfschmerzen
Amys Longs Codependence ist eine Memoiren über chronische Schmerzen und die Opioidabhängigkeit, die mit der einzigen Medikation ein nachhaltiges Leben ermöglichte. Cohen sagte, es habe ihr Herz wie ein lange vergessener Song gebrochen, der einen zum Weinen und lautstark mitsingen auf der Autobahn bringt. Longs Geheimnisse sind in private Muster eingewoben: das zwanghafte Tabletten zählen, der Besuch verschiedener Duane Reade Apotheken.
Long wuchs mit einer unsichtbaren chronischen Krankheit auf, die für ihr Alter schwer zu erklären war. Sie verlor Freunde, die nicht verstanden, dass das Absagen von Terminen, weil sie zu müde war, um zu duschen, nicht bedeutete, dass sie sie nicht sehen wollte. Ärzte konnten sie nicht diagnostizieren, so verbrachte sie Monate ihres Lebens jedes Jahr mit Schlafen und dem Kampf gegen bakterielle Infektionen.
Die Memoiren erstrecken sich über drei Jahrzehnte und springen durch Erinnerungen an unerbittliche Kopfschmerzen. Sie verfolgen die Kluft, die sie in ihrer Familie schufen: Wie sagt man seiner Mutter, dass man wieder Opioide nimmt, nachdem sie einem vor fünf Jahren während des letzten Entzugs Suppe und Eis gefüttert hat? Wie sagt man seinem Vater, der es für den einfachen Ausweg hält, anstatt die einzige überlebensfähige Wahl?
Mütter, die sich verstecken, Väter
Latoya Watkins‘ Holler, Child: Stories ist eine Sammlung von Geschichten, die sich auf schwarze Frauen in West Texas konzentrieren. Watkins ist eine Meisterin des Dialogs, Dialekts und der narrativen Intimität, und die Geheimnisse ihrer Charaktere manifestieren sich auf unterschiedliche Weise. Es gibt Untreue, die Wahrheiten, die Mütter ihren Kindern erzählen, um sie zu schützen, und die Entschuldigungen, die niemals gegeben werden.
In „The Mother“ und „Holler, Child“ verschweigen Mütter ihren Söhnen die Identität ihrer Väter, um potenzielle Schmerzen und Peinlichkeiten zu minimieren, nur um die negativen Welleneffekte zu beobachten, die dies verursacht. Die Sammlung gleicht familiäre Interaktionen mit inneren Gedanken ab und erzeugt lokale Rhythmen, die Leser fesseln.
Das Memoiren, das alles begann
Cohens eigenes Werk „Freak Lip“ bildet den Ausgangspunkt für diese Liste. Jedes Kapitel erkundet eine andere Phase ihres Lebens, in der sie einen bestimmten Satz laut aussprechen wollte, es aber körperlich unmöglich fand, das Geheimnis zu artikulieren. Die Stille, die in der Abwesenheit des Teilens entstanden ist, ist herausfordernd auf der Seite festzuhalten, aber wenn dies effektiv geschieht, werden Leser in diese Momente hineingezogen, Mitverschwörer des Geheimnisses.
Oder sie können genauso überrascht sein wie die anderen Figuren, wenn die Wahrheit ans Licht kommt. Cohen hofft, dass das Buch eine ehrliche Auseinandersetzung darüber bietet, wie Scham und Angst Intimität behindern, und eine Roadmap für das Risiko der Ausgrabung der Wahrheit darstellt.
Die Spannung zwischen Bedauern und Erleichterung
Cohens Tochter schreit über Geheimnisse, weil sie diese ernst nimmt. Die Liste ist eine Erinnerung daran, dass Geheimnisse Konsequenzen haben, und diese Konsequenzen sind oft gemischt. Ein Geheimnis zu bewahren kann Erleichterung bringen, aber es kann auch Bedauern hervorrufen. Ein Geheimnis zu enthüllen kann Erleichterung bringen, aber es kann auch Bedauern hervorrufen.
Die Bücher, die Cohen empfiehlt, erkunden beide Seiten dieser Gleichung. Sie zeigen, wie Geheimnisse entstehen, warum Menschen sie bewahren und was passiert, wenn sie endlich ans Licht kommen. Cohens eigenes Memoir leistet die gleiche Arbeit, und ihre Liste weist Leserinnen und Leser auf andere Autorinnen und Autoren hin, die dies gut gemacht haben.
Kasten mit den wichtigsten Fakten
- Titel: Enthüllungen, Bedauern, Erleichterung: Neun Bücher mit großen Geheimnissen
- Autorin: Julia Cohen
- Empfohlene Autorinnen und Autoren: Brandon Shimoda, Andrea Lawlor, Amy Long, Latoya Watkins
- Cohens eigenes Werk: Freak Lip (Essay-Memoiren)
- Lawlors Roman: Paul Takes the Form of a Mortal Girl
- Longs Memoir: Codependence
- Watkins’ Sammlung: Holler, Child: Stories
Die Liste ist ein Leseleitfaden, der durch die Obsessionen eines Autors gefiltert wurde. Sie ist eine Erinnerung daran, dass Geheimnisse universell sind und dass Literatur schon immer eine Möglichkeit war, darüber nachzudenken. Cohens Tochter lernt noch die Regeln, und die Bücher auf dieser Liste sind für jeden, der schon einmal versucht hat, sie zu brechen.
Quelle: “Revelations, Regret, Relief: Nine Books With Big Secrets,” Literary Hub.
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