The Act läuft in acht Folgen auf Hulu und weigert sich in den meisten davon, wegzusehen. Das biografische Krimidrama wurde am 20. März 2019 uraufgeführt und basiert auf dem Leben von Gypsy Rose Blanchard und dem Mord an ihrer Mutter Dee Dee Blanchard. Joey King spielt Gypsy. Patricia Arquette spielt Dee Dee.
Arquette gewann bei den 71. Primetime Emmy Awards den Preis als beste Nebendarstellerin in einer Limited Series. King wurde als beste Hauptdarstellerin nominiert. Beide Ehrungen sind verdient. Keine von beiden ist der Grund, warum die Serie einen nicht loslässt.
Trailer, via Hulu.
Ein Rollstuhl, der nie gebraucht wurde
Gypsy benutzt einen Rollstuhl wegen einer Krankheit. Die Krankheit ist nicht real. Dee Dee verbrachte Jahre damit, ihre Tochter, ihre Familie, ihre Freunde und ihre Ärzte davon zu überzeugen, dass das Kind krank sei. Die Serie rahmt das Verhalten als artifizielle Störung, die einer anderen Person zugefügt wird, noch immer allgemein bekannt als Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom.
Gypsy wuchs in dem Glauben auf, sie habe Krebs. Das hatte sie nicht. Die Enthüllung wirkt nicht als Wendung. Sie sickert langsam in jede Beziehung, die sie hat, und die Serie gibt ihr Raum, sich auszubreiten.
King spielt die Entdeckung in Etappen. Zuerst Verwirrung. Dann Schwindel. Dann etwas Härteres und Nützlicheres: das Verständnis, dass die Fürsorge ihrer Mutter ein Käfig war, dessen Schloss innen lag.
Dee Dees Regeln
Arquette spielt kein Monster. Sie spielt eine Frau mit einem System. Dee Dee widmete ihr Leben der Pflege ihrer Tochter, und die Serie macht deutlich, dass die Hingabe und der Missbrauch mit demselben Treibstoff laufen.
Als Gypsy auf Unabhängigkeit besteht, wird Dee Dee fürsorglicher, kontrollierender, missbräuchlicher. Der Brennpunkt ist Sexualität. Gypsy will sie erkunden. Ihre Mutter behandelt dieses Verlangen wie ein Symptom.
Die Serie ist klug darin, wie die Täuschung funktionierte. Es war nicht eine Lüge. Es waren tausend kleine, erzählt Krankenschwestern, Nachbarn und Verwandten, jede stützte die vorige. Dee Dee täuschte alle, und die Serie lässt das Publikum sich nicht überlegen fühlen, weil es ebenfalls getäuscht wurde.
Nick Godejohn kommt
Die Erzählung führt zum Mord. Gypsy bittet ihren Freund Nick Godejohn, ihre Mutter zu töten. Calum Worthy spielt Nick. Die Serie romantisiert ihn nicht und macht die Tötung nicht zu einem Schaustück. Sie kommt wie etwas, das immer kommen musste.
Die Nebenbesetzung trägt den mittleren Abschnitt. AnnaSophia Robb spielt Lacey. Chloë Sevigny spielt Mel. Beide Rollen zeigen Gypsy, wie ein normales Leben von außen aussehen könnte, und beide sind mit mehr Geduld geschrieben, als das Genre üblicherweise zulässt.
Die Schwäche ist das Tempo. Acht Teile sind eine lange Zeit in einem Haus, in dem das Publikum das Ende bereits kennt. Manche Episoden kreisen zweimal um dieselbe Auseinandersetzung.
Was Kristy Blanchard sagte
Nicht jeder, der mit dem Fall verbunden war, war mit dem Ergebnis zufrieden. Im April 2019 sagte Kristy Blanchard, Gypsys Stiefmutter, sie sei unzufrieden damit, wie Aleah Woodmansee dargestellt werde. Woodmansees Name wird in der Serie nicht erwähnt. Robbs Figur Lacey geht auf sie zurück.
Kristy Blanchard sagte, eine Szene in der zweiten Episode zeige, wie Lacey Gypsy eine Zigarette gebe, was in Wirklichkeit nicht geschehen sei.
Sie ist das komplette Gegenteil davon. Es tut Aleah weh, weil sie in Springfield lebt, und die Leute werden sie anders ansehen, und sie hat Angst, dass es ihrer Arbeit und ihrem Ruf schadet.
Woodmansee wandte sich auch gegen Robbs Akzent. Sie nannte ihn eine näselnde Wahl und sagte, sie sei kein Fan des ganzen Hinterwäldler-Tons.
Die Zigarette, die erfunden wurde
Das ist keine kleine Beschwerde, und es sind nicht nur verletzte Gefühle einer Familie. The Act ist eine True-Crime-Serie über echte Menschen, die noch am Leben sind, und ihre Wirkung hängt davon ab, dass das Publikum glaubt, sie erzähle die Wahrheit. Wenn ein echter Mensch sagt, eine Szene sei erfunden worden und ihrer Vertreterin auf dem Bildschirm sei eine Stimme gegeben worden, die sie nie hatte, dann ist das ein Riss im Fundament.
Die Verteidigung wäre die künstlerische Freiheit. Diese Verteidigung ist hier schwächer, als sie es in der Fiktion wäre. Lacey ist keine Zusammenführung. Sie ist Aleah Woodmansee mit einem anderen Namen und einer Zigarette, die sie nie überreicht hat.
Die Serie ist immer noch sehenswert. Arquettes Leistung ist das beste Argument dafür, und Kings ist das zweite. Doch die Serie beantwortet nie ganz die Frage, die sie über ihre eigenen Methoden aufwirft: Wessen Geschichte ist das, und wer darf sie erzählen?
The Act versteht Dee Dees Täuschung besser als die Menschen, die sie zurückgelassen hat. Der Emmy für Arquette ist gerecht. Die Nominierung für King ist gerecht. Das Unbehagen der echten Menschen in Springfield ist ebenfalls gerecht, und die Serie hat darauf keine Antwort.
7,3 von 10.
Das Notizbuch abonnieren.
Die besten Geschichten des Tages und jedes neue Urteil, in klarem Deutsch, um sieben im Postfach. Eine Mail am Tag, nicht mehr.





