Pit People erschien im März 2018 vollständig, nach mehr als einem Jahr im Early Access, und es ist das seltsamste, was The Behemoth je veröffentlicht hat. Das Studio entwickelte ein rundenbasiertes Taktikspiel und füllte es dann mit finsteren Robotern, tödlichen Vampiren und Cupcake-Menschen. Es funktioniert öfter, als es eigentlich dürfte.
Trailer, via The Behemoth.
Hexagonale Arenen und die Tyrannei der Distanz
Pit People ist ein taktisches Rollenspiel, und seine Kämpfe finden auf hexagonalen Rastern statt. Jede Figur hat pro Zug eine begrenzte Bewegungsreichweite. Jede Aktion im Spiel ist an Distanz gebunden, was wie eine kleine Designnotiz klingt, bis man es spielt. Es ist das ganze Spiel.
Hindernisse stehen in jeder Arena, und sie sind wichtig. Ein Fels oder eine Mauer verändert, wo man stehen kann, was verändert, wer wen treffen kann, was den Kampf verändert. Platzierung ist keine Dekoration. Sie ist die Strategie. The Behemoth, ein Indie-Entwickler, baute ein Taktikspiel, in dem der Boden selbst eine Einheit ist.
Gruppenaufbau und der Anführer-Buff
Die Spieler stellen Gruppen aus beliebigen Kombinationen individuell angepasster Einheiten zusammen. Man wählt eine Figur als Anführer und erhält entsprechend Buffs. Diese Wahl wirkt sich auf den gesamten Durchlauf aus, denn der Anführer ist nicht nur eine Galionsfigur — die Buffs prägen, wie der Rest der Gruppe funktioniert.
Ausrüstung wird auf Einheiten angewendet und verändert ihre Angriffsfähigkeiten, einschließlich Reichweite und Bewegungsoptionen. Beute stammt aus zufälligen Begegnungen und Story-Missionen. Waffen, Ausrüstung, Kosmetik — die Schleife versorgt einen ständig mit Teilen. Die Anpassungsmöglichkeiten sind vielfältig, und das Spiel vertraut darauf, dass man das selbst sortiert.
Die Rekrutierung der Cupcake-Menschen
Bestimmte Figuren können Gegner einfangen und sie in den eigenen Gruppenpool rekrutieren. Das ist keine Nebenaktivität. Das Quellmaterial nennt es eine notwendige Gameplay-Schleife, um die Fähigkeiten der eigenen Gruppen zu erweitern. Man bekämpft etwas, man fängt es, man fügt es dem Kader hinzu.
Dort lebt die Komik. Die feindselige Welt ist mit Robotern, Vampiren und Cupcake-Menschen bestückt, und das Spiel will, dass man sie sammelt. Die Prämisse ist absurd, und das Spiel weiß es. The Behemoth hat schon immer in diesem Register gehandelt, und Pit People treibt es weiter als seine früheren Werke.
In dem rasanten, rundenbasierten Koop-Abenteuer questet und erkundet ihr, findet großartige Beute, passt eure Kämpfer an und rekrutiert seltsame Spezies.
Einzelspieler, Koop und die JRPG-Anleihen
Pit People unterstützt Einzelspieler-, Mehrspieler- und Koop-Modus. Es ist von klassischen JRPGs inspiriert, und die Anleihen sind deutlich zu erkennen. Man stellt eine Gruppe zusammen, kämpft sich durch eine Oberwelt, übernimmt Story-Missionen und grindet nach Ausrüstung. Die Struktur ist vertraut.
Das Hex-Raster ist der Punkt, an dem es abweicht. Klassische JRPGs machen die Distanz selten derart zentral. Hier sind Bewegungsreichweite und Angriffsreichweite ein und dasselbe Thema, und die Hindernisse in der Arena zwingen einen, beides gleichzeitig zu bedenken. Es ist eine saubere Idee, ohne viel Aufhebens umgesetzt.
Was The Behemoth richtig macht
Kunst und Ton sind stimmig. Das Spiel ist lustig, ohne dabei niedlich zu sein – die Cupcake-Menschen werden als brutal niedlich beschrieben, und dieser Ausdruck leistet echte Arbeit. Finstere Roboter und tödliche Vampire teilen sich eine Welt mit Dessert-Kreaturen, und das Spiel zuckt nie mit der Wimper.
Die Anpassung ist großzügig. Gruppen können aus beliebigen Kombinationen von Einheiten bestehen, und das Ausrüstungssystem gibt einem bedeutsame Hebel an die Hand. Wer gerne einen Trupp aufbaut und ihm bei der Arbeit zusieht, bekommt in Pit People viel zum Bauen.
Wo das Hex-Raster dünn wird
Das distanzbasierte Design ist elegant, verengt aber auch das Spiel. Kämpfe können in einen Rhythmus verfallen, in dem dieselben Positionierungsantworten weiter funktionieren. Die Hindernisse sorgen für Textur, aber nicht immer für Überraschung.
Die Early-Access-Phase lief von Januar 2017 bis zur Vollveröffentlichung im März 2018. Das ist eine lange Zeit, um ein Taktikspiel zu justieren, und die Justierung zeigt sich in den Systemen. Was sich nicht zeigt, ist ein Grund, warum das Spiel so lange gebraucht hat. Die Kernidee war von Anfang an klar.
Die Systeme, die Pit People tragen
Drei Dinge entscheiden, ob man Pit People über die ersten paar Stunden hinaus treu bleibt. Nach ihrer Bedeutung geordnet:
- Die Distanzregel. Jede Aktion ist an die Reichweite gebunden, also ist jeder Zug zuerst ein Positionierungsproblem und erst danach ein Schadensproblem.
- Die Rekrutierungsschleife. Gegner einzufangen und sie dem eigenen Truppenpool hinzuzufügen, ist der Weg, wie die eigene Aufstellung wächst, und es ist der einzige Weg, wie sie wächst.
- Der Anführer-Buff. Der gewählte Anführer verteilt Buffs, also formt die Wahl die Truppe, statt sie nur zu benennen.
Alles andere – die Beute, die Kosmetik, die Story-Missionen – speist diese drei. Das ist ein straffes Design, und deshalb hält das Spiel stand.
Das Urteil und die Wertung
Pit People ist ein gutes Taktikspiel mit großartigem Humor und einer starken Designidee. Die Distanzmechanik, die Hex-Arenen und die Rekrutierungsschleife sind die Gründe, es zu spielen. Die darunterliegende JRPG-Struktur ist brauchbar, aber nicht der Reiz.
The Behemoth hat sich von seiner früheren Beat-‚em-up-Formel entfernt und ist irgendwo angekommen, wo es sich lohnt. Es ist kein Meilenstein, aber auch kein Fehlschlag. Es ist ein seltsames, lustiges, gut gebautes Taktikspiel, das genau weiß, was es ist.
Wertung: 7,7 von 10.
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