David Milchs Deadwood ist ein langsam aufbauender Western, der die saubere Heldenhaltung von John Wayne gegen die schmutzige Politik von HBO eintauscht. Die Serie spielt im Dakota-Territorium im Jahr 1876 und begleitet Seth Bullock, Al Swearengen und Wild Bill Hickok bei der Gründung von Deadwood City, einem gesetzlosen Bergbaulager, in dem Reichtümer ebenso gemacht wie verloren werden. Es ist keine Serie über Cowboys. Es ist eine Serie über Macht, Korruption und die brutale Logik der Frontier.
Die Serie feierte 2004 ihren Start und lief über drei Staffeln, die 2006 endete. Sie wurde nach dem Ablehnen der Verlängerung durch den Sender abgesetzt, was die Zuschauer mit einem Cliffhanger-Finale zurückließ. Dieses Ende ist seitdem zu einem Ankerpunkt für Fans von hochwertiger Fernsehserien geworden, die argumentieren, dass das abrupte Ende der Serie eine absichtliche künstlerische Entscheidung war. Ob dies der Fall ist, ist fraglich. Unbestreitbar ist jedoch die Qualität des Schreibens, der Regie und der schauspielerischen Leistungen, die in sie einflossen.
Trailer, über HBO.
Al Swearengens Deadwood
Das Herzstück von Deadwood ist sein Schauplatz. Deadwood ist nicht so sehr eine Stadt, sondern eher ein Druckkochtopf. Es ist ein Ort, an dem Männer in der Straße begraben werden, an dem Frauen wie Eigentum gehandelt werden und an dem das einzige Gesetz die Waffe an deiner Hüfte ist. Der Schöpfer der Serie, David Milch, baute die Serie um die Idee herum, dass der Westen nicht durch Tugend, sondern durch Gewalt erobert wurde. Die Charaktere sind nicht edel. Sie sind verzweifelt, gierig und oft grausam. Dies ist eine Welt ohne moralisches Zentrum, und die Serie gibt dies auch nicht vor.
Im Zentrum all dessen steht Ian McShane als Al Swearengen, der Inhaber der Gem Saloon. Er ist ein Monster, ein Mann, der seine Frau schlägt, Mädchen in die Prostitution verkauft und Morde ohne Zögern anordnet. Aber er ist auch brillant. Er versteht Macht und setzt sie mit chirurgischer Präzision ein. McShane liefert die Leistung seiner Karriere ab, eine herausragende, physische Präsenz, die jede Szene dominiert, in der er vorkommt. Seine Monologe, die er mit einem rau rauen Knurren vorträgt, gehören zu den besten Fernsehserien, die je geschrieben wurden.
Seth Bullock und die Bullock-Familie
Timothy Olyphant spielt Seth Bullock, einen ehemaligen Polizisten aus Montana, der in Deadwood einen Hardware-Laden eröffnen will. Er ist die dem Protagonisten am nächsten kommende Figur der Serie, aber selbst er ist nicht unschuldig. Er ist ein Spieler, ein Lügner und ein Mann, der töten wird, um seine Interessen zu schützen. Seine Beziehung zu Alma Garret, gespielt von Merritt Wever, bildet den emotionalen Kern der frühen Staffeln. Ihre Ehe ist eine Zweckpartnerschaft, die jedoch echte Spannungen birgt. Die Serie verfolgt ihre wachsende Zuneigung, während sie sich weigert, sie in konventionelle Liebe auszuschwächen.
Die Familie Bullock ist ebenfalls bemerkenswert. Die Serie verbringt viel Zeit mit ihren Kindern, besonders mit ihrem Sohn William. Diese Szenen sind zärtlich, lustig und gelegentlich herzzerreißend. Sie vermitteln ein menschliches Maß für die größeren Konflikte und erinnern den Zuschauer daran, dass dies nicht nur ein Kampf um Thronen ist, sondern eine Geschichte über echte Menschen, die an einem schrecklichen Ort leben.
Der Tod von Wild Bill Hickok
Der berühmteste Moment der Serie ereignet sich in der zweiten Staffel. Wild Bill Hickok, gespielt von Keith Carradine, wird beim Pokern ermordet. Er hält zwei Asse und zwei Achten, eine Hand, die als „Dead Man’s Hand“ bekannt wird. Der Mord ist ein Wendepunkt. Er verschiebt das Machtgefüge in Deadwood und bereitet die Bühne für den blutigen Höhepunkt der finalen Staffel. Die Episode ist angespannt, gut inszeniert und emotional resonant. Es ist ein Moment, der die Herangehensweise der Serie an das Geschichtenerzählen definiert: plötzlich, gewalttätig und unentschuldigend.
Die finale Staffel
In der dritten Staffel gerät die Serie aus den Fährten. Der Plot wird zunehmend verschachtelt, mit mehreren Handlungssträngen, die sich um Politik, Goldminen und Native-American-Stämme drehen. Einige davon funktionieren. Der Konflikt mit dem lokalen Sioux-Häuptling, gespielt von Graham Greene, ist eine kraftvolle Erkundung des Kolonialismus. Andere Stränge wirken gehetzt, mit Unterplots, die in einer einzigen Episode eingeführt und gelöst werden. Das Finale, mit dem Titel „One Last Blow“, versucht, alles zusammenzuführen. Es gelingt technisch, scheitert aber emotional. Die Serie endet mit einem Wehklagen, nicht mit einem Knall.
Warum es funktioniert
Trotz der ungleichmäßigen finalen Staffel bleibt Deadwood ein Meilenstein des Fernsehens. Sein Dialog ist messerscharf, seine Leistungen sind hervorragend, und seine Vision des Westens ist kompromisslos. Die Serie ist nicht für jeden geeignet. Sie ist düster, unanständig und oft unangenehm. Aber sie ist auch fesselnd. Sie stellt schwierige Fragen nach Moral, Macht und der Natur der Zivilisation selbst.
Das Erbe der Serie ist in modernen Prestige-Dramen sichtbar. Ihr langsames Tempo, das von Charakteren getriebene Erzählen und die Bereitschaft, Gewalt außerhalb des Bildschirms stattfinden zu lassen, haben Serien wie The Wire, True Detective und Better Call Saul beeinflusst. Es ist eine Serie, die Geduld belohnt, und eine Serie, die in Ihnen bleibt.
Das Urteil
Deadwood ist nicht perfekt. Ihre finale Staffel ist ein Stolperstein, und ihre mittleren Kapitel können sich ziehen. Aber ihre Ambition und ihre Umsetzung sind unübertroffen. Es ist ein mutiges, chaotisches und unvergessliches Stück Fernsehen. Es ist eine Serie, die sich nicht reinwaschen lassen will, und das ist nur gut so.
Hier ist, wie die Serie sich über ihre drei Staffeln aufteilt:
- Staffel Eins – Die beste Einführung in die Welt, mit starker Charakterarbeit und einem engen Fokus auf die Bullock-Familie.
- Staffel Zwei – Der Höhepunkt, der mit dem Hickok-Mord und dem Brand der Gem Saloon gipfelt.
- Staffel Drei – Ein Wechselbad der Gefühle, mit ambitionierten Handlungssträngen, die manchmal den Faden verlieren.
Die Serie verdient ihren Ruf. Es ist ein Meisterwerk mit Fehlern, und diese Fehler sind Teil dessen, was es unvergesslich macht. Es ist eine Serie über den Preis der Macht, und sie hält ihr Versprechen ein.
Deadwood ist eine Serie, die Aufmerksamkeit verdient. Es ist kein Hintergrundgeräusch. Es ist ein Gespräch, und es erwartet, dass Sie zuhören. Wenn Sie bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen, wird es Sie voll und ganz belohnen. Wenn Sie es nicht sind, werden Sie eines der größten Errungenschaften der Fernsehgeschichte verpassen.
Das finale Episode der Serie lässt die Stadt Deadwood in Trümmern zurück, mit Swearengen über einem toten Körper und der ungewissen Zukunft. Es ist ein passendes Ende für eine Serie, die keine einfachen Antworten anbieten wollte. Die Serie ist vorbei, aber die Geschichte von Deadwood lebt in den Köpfen ihres Publikums weiter.
Wertung: 8 von 10.
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