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Kristen Millares Young über Mutterschaft, Ehe und warum Frauen nicht wie Göttinnen verehrt werden sollten.

Ein scharfer Essay einer Autorin verknüpft die antike Verehrung der Kybele mit dem modernen Druck auf die Gebärmütter von Frauen und fordert Autonomie über die Fortpflanzung.

Von mitch·6 Min. Lesezeit
A woman stands before an ancient statue of a seated goddess, near a stone that resembles a cracked meteorite.

Kristen Millares Young hat eine einfache Bitte: hören Sie auf, ihren Körper wie ein Heiligtum zu behandeln. In ihrem Essay „To Become a Goddess: Kristen Millares Young on Motherhood and Marriage“ zieht sie eine gerade Linie von der Verehrung der Kybele im antiken Rom bis zum modernen Druck auf Frauen, sich fortzupflanzen. Der Artikel argumentiert, dass die Ehe die Aussicht auf Kinder birgt, diese Verheißung aber ihren Preis hat.

Young eröffnet mit einer ungeschönten Einschätzung ihres eigenen Lebens. „Mütterlichkeit in der modernen Kultur bedeutet, ein Tempel zu werden, der der öffentlichen Kontrolle unterworfen ist“, schreibt sie. Sie ist nicht jungfräulich, als sie ihren Ehemann Brian trifft. Sie hat sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe gehabt und es nicht bereut. Bücher gaben ihr Kraft, ihre eigene Frau zu sein. Aber wenn es um ihre Gebärmutter geht, hat sie Jahre damit verbracht, sich Fremden zu verteidigen, die befürchten, sie werde nicht heiraten.

Abuelas Gebete und die falsche Prophezeiung

Ihre Großmutter, Abuela, glaubte nicht, dass Young einen Mann finden würde, der sie lieben würde. Als Hauptpflegerin sagte Abuela Young im Laufe von Jahrzehnten hunderte Male, sie müsse sich ändern, um einen Ehemann zu halten. Young bezeichnet dies als eine falsche Prophezeiung.

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Im College betete Abuela, dass Young den nächsten Mann heiraten würde, den sie traf. Zu dem Gebet gehörte eine Klausel: „Wenn das Gottes Wille ist.“ Selbst damals sagt Young, bedürfen Gebete Bedingungen. Abuela glaubte nicht, dass Young aufgrund ihrer „stacheligen Art“ einen Partner anziehen würde.

Der Hochzeitstag und das darauffolgende Treiben

Young heiratete 2007 in einem weißen Kleid und einer roten Pashmina. Brian hatte Wangenküsschen im Gesicht. Die Zeremonie versprach Kinder, aber der soziale Druck hörte nicht damit auf. Ein Kind bekommen? Bald wird man dazu gedrängt, ein weiteres zu bekommen. Zwei? Besser anfangen, Witze zu üben, denn „ein Kind und fertig“ wird vorausgesetzt. Zwei und durch sollte ausreichen.

Der Druck, fruchtbar zu bleiben, endet erst, wenn alle um sie herum klar sehen können, dass sie kein weiteres Baby bekommen kann. Young bringt es auf den Punkt: „Stellen Sie sich vor, man stirbt mit schmerzenden und schlaffen Brustwarzen.“

Vasectomie als Verhütungsmittel

Zwei Söhne und ein Jahrzehnt in der Ehe: Young bittet Brian, sich sterilisieren zu lassen. Sie nennt es die schnellste und effektivste Geburtenkontrolle der Moderne, mit ein paar Lachen und zusammengezogenen Mundwinkeln statt einer Zeremonie. Sie liebt ihren Mann und ihre Jungen. Sie sind genug für sie, aber sie ist noch nicht genug für sich selbst.

„Ich möchte vor Verehrung geschützt werden“, schreibt sie. „Ich beabsichtige, meinen eigenen Körper zu beherrschen. Was ich damit sagen will: Ich möchte keine weiteren Kinder.“

Cybele’s Meteorit und das Orakel von Delphi

Young wendet sich an Dame Mary Beard, eine feministische Gelehrte der klassischen Altertumswissenschaft, um einen historischen Kontext zu erhalten. In ihrer Studie „Der Römer und der Fremde: Der Kult der ‚Großen Mutter‘ im Römischen Reich“ erzählt uns Beard, dass Cybele 204 v. Chr. offiziell nach Rom gebracht wurde. Die Göttin war keine Idee; sie war ein verbrannter Gesteinsbrocken aus Kleinasien, heute bekannt als die Republik Türkei.

Cybele war ein Meteorit. Verehrer verzierten ihre Risse mit Silber und installierten sie in einem Tempel, der 191 v. Chr. auf dem Palatin-Hügel errichtet wurde, der als die Wiege Roms gilt. Es vergingen Jahrhunderte, bevor jemand sich darum bemühte, die Details ihrer Ankunft festzuhalten.

Beard zitiert Livius, der eine Reihe von Meteoritenschauern in den letzten Tagen des Krieges gegen Hannibal beschreibt. Die Römer konsultierten die Sibyllinischen Bücher, eine Sammlung von prophetischen Äußerungen. Aus dem Griechischen übersetzt, sagten diese Prophezeiungen, dass ein fremder Feind, der Krieg nach Italien brachte, vertrieben werden könne, wenn die Idaäische Mutter von Pessinus nach Rom gebracht werde.

Der Legende nach sprang das römische Volk vom Berg Ida in Troja hervor, dessen Namen Cybele trug – Magna Mater Idaea. Die Römer schickten Gesandte zu König Attalos von Pergamon über Delphi, wo das Orakel verfügte, dass die Göttin von dem Mann empfangen werden solle, der der Beste in Rom sei.

Der Stein in Form einer Gebärmutter

Delphi liegt über einem geologischen Vent, einem Ort, an dem giftige Gase aus der Erde entströmten und die Gedanken der Frauen, die sie einatmeten und Prophezeiungen aussprachen, korrumpierten. Im Juli 2013, ein Jahr bevor Young Cybele’s Namen kannte und mehr als 2.200 Jahre nachdem sie in Rom angekommen war, ging Young diesen ausgetrockneten Berggipfel hinauf.

Sie war bereits schwanger, wusste es aber noch nicht. Unter den umgestürzten Säulen teilten sich Zellen in einem freifallenden Schwarm, krallten sich wie Adler, die von einer Klippe stürzen. Der windenden Ball würde sich in ihrem Körper einsetzen, wenn sie von Griechenland zurückkehrte und zu einer Schreibkonferenz reiste. Ihre Gebärmutterschleimhaut zuckte, und sie umklammerte ihren Kaffee in der Fährschleuse.

„Ich glaube, ich habe gerade gespürt, wie mein Baby sich einsetzt“, erzählte sie ihrer Freundin. „Ich sollte hier besser nichts trinken.“

Zwischen den Zeilen lesen

Youngs Essay ist nicht nur ein Memoirenwerk. Es ist eine literarische Argumentation darüber, wie Frauen auf ihre Fortpflanzungsfähigkeit reduziert werden. Der Vergleich zwischen dem Kult der antiken Göttinnen und der modernen Mutterschaft ist exakt: in beiden Fällen wird ein Frauenkörper als etwas Externe behandelt, etwas, das inspiziert und beurteilt werden soll.

Sie wirft auch Fragen nach Authentizität auf. Könnte ein gefälschter Stein, ein Ersatz, durch die Verehrung vieler zu Realität werden? Vielleicht könnte eine Schwangerschaft sie zu einer Mutter machen.

Das Essay schließt mit einer Notiz über Perspektive. Die meisten Menschen messen das Jahr nach seinem Abstand von der Geburt Jesu. Und vergessen wir nicht, dass Juli nach dem römischen Diktator Julius Caesar benannt wurde. Männer werfen lange Schatten.

Young möchte ihren eigenen Körper beherrschen und sich vor Verehrung geschützt werden. Diese Wünsche definieren ihre Position.

Schlüsselpersonen im Essay: – Kristen Millares Young: Autorin von Subduction, Essayband Desire Lines – Brian: ihr Ehemann – Abuela: ihre Großmutter – Dame Mary Beard: feministische Klassikerwissenschaftlerin – Cybele: Großmuttergöttin, die 204 v. Chr. nach Rom gebracht wurde – Livy: römischer Historiker, der die Meteorenschauer und Prophezeiungen beschrieb – Attalos von Pergamon: König, der über die Frage der Einführung von Cybele nach Rom befragt wurde – Delphi: Ort des Orakels und des Steins in Form einer Gebärmutter

Youngs Essay ist eine kraftvolle Aussage über Autonomie.

Quellenmaterial: „To Become a Goddess: Kristen Millares Young on Motherhood and Marriage“, Literary Hub.

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