Return of the Obra Dinn ist ein Detektivspiel ohne Detektiv. Die Obra Dinn, ein von der East India Company versichertes Handelsschiff, trieb am 14. Oktober 1807 mit beschädigten Segeln und ohne sichtbare Besatzung in den Hafen. Man betritt es als namenloser Versicherungsgutachter, und die Aufgabe besteht darin, alle sechzig Seelen an Bord zu benennen und zu sagen, wie jede einzelne starb.
Trailer, via Lucas Pope.
Lucas Popes zweites kommerzielles Spiel
Lucas Pope entwickelte Return of the Obra Dinn nach Papers, Please. Es erschien am 18. Oktober 2018 für macOS und Windows, ein Jahr später folgten Nintendo Switch, PlayStation 4 und Xbox One. Der Publisher 3909 LLC hält das Ganze klein und seltsam. Das Spiel ist ein einziges großes Logikrätsel, verkleidet als First-Person-Abenteuer, und es ist kein einfaches.
Das Memento Mortem
Der Inspektor erhält das Logbuch der Besatzung, Zeichnungen jedes Passagiers und Besatzungsmitglieds sowie das Memento Mortem vom Schiffsarzt Henry Evans, der in Marokko lebt. Die Uhr rekonstruiert einen Tod in dem Moment, in dem er eintrat, und lässt den Benutzer diesen Augenblick in der Zeit eingefroren beobachten. Benutzt man sie an einem Körper, steht man in den letzten Sekunden dieses Lebens. Benutzt man sie erneut an einer anderen Leiche in der Vision, faltet das Spiel einen tiefer in die schlimmsten Tage des Schiffes. Das Logbuch füllt sich selbst aus. Den Rest füllt man selbst aus.
Sechzig Seelen, ein Katalog
Die Obra Dinn verließ Falmouth im Jahr 1802 mit 52 Besatzungsmitgliedern und 8 Passagieren. Die Toten zu benennen bedeutet Deduktion, nicht Kampf. Man ordnet Gesichter Namen zu, Rollen Dienstgraden und Todesursachen einem festen Katalog. Manche Todesfälle akzeptieren mehr als eine Antwort. Manche sind still: zwei Seeleute sterben an Lungenentzündung, und ein Seemann und ein blinder Passagier werden von nicht gesicherter Ladung zerdrückt. Manche sind es nicht.
Nunzio Pasqua und die formosanische Truhe
Der Musiker Nunzio Pasqua erwischt den zweiten Offizier Edward Nichols, wie er im Frachtraum hinter der Truhe der Formosaner herumschleicht. Nichols ersticht ihn und beschuldigt einen formosanischen Wächter. Kapitän Robert Witterel lässt den Wächter gemäß den Vorschriften der Company durch ein Erschießungskommando hinrichten. Nichols und eine Gruppe von Überläufern stehlen die Truhe, entführen die formosanischen Adligen und fliehen in Richtung Kanaren. Drei Meerjungfrauen töten die meisten von ihnen. Ein Adliger benutzt eine magische Muschel aus der Truhe, um die Meerjungfrauen zu betäuben, und stirbt dabei. Nichols wird tödlich erstochen.
1-Bit-Dithering, volle Aufmerksamkeit
Der Look ist 1-Bit-monochrom, gedithert, um frühe Macintosh-Spiele nachzuahmen. Er sollte unlesbar sein. Ist er nicht. Gesichter, Takelage und Blut sind alle klar erkennbar, und der Stil hält jede Szene scharf statt hübsch. Das Spiel verlangt von Ihnen, sich zu einer Leiche zu setzen und einen Raum zu studieren. Das ist die ganze Schleife, und sie funktioniert, weil das Drehbuch darauf vertraut, dass Sie eine Weile falsch liegen.
Was hängen bleibt
- Das Memento Mortem, eine Todesnachstellung, die Trauer in Beweise verwandelt.
- Das Logbuch der Crew, eine Namensliste, die zum Puzzlebrett wird.
- Die Formosa-Truhe, ein exquisites Behältnis, das eine magische Muschel enthält.
- Die 1-Bit-Kunst, ein Stil, der dem Rätsel dient, statt es zu dekorieren.
Diese Rangliste ist die der Zeitung, nicht die des Spiels.
- Veröffentlichung: 18. Oktober 2018 (macOS, Windows)
- Spätere Plattformen: Nintendo Switch, PlayStation 4, Xbox One
- Entwickler: Lucas Pope
- Publisher: 3909 LLC
- Kritiker-Durchschnitt: 9,5/10 (IGDB, 7 Medien)
Return of the Obra Dinn ist das seltene Puzzle-Spiel, bei dem sich Deduktion wie ein moralischer Akt anfühlt. Die Taschenuhr ist der Trick, aber das Logbuch ist der Punkt: sechzig Namen, sechzig Schicksale, keine Abkürzungen. Es gewann mehrere Auszeichnungen, darunter den Seumas McNally Grand Prize, und die Sache ist einfach: Pope hat ein Spiel gebaut, in dem der Spieler, nicht die Figur, die Ermittlungen anstellt. Das ist schwieriger, als es klingt.
Wertung: 9,5 von 10
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