Supermassive Games baute ein Haus mit verschiebbaren Wänden und nannte es ein Spiel. The Dark Pictures Anthology: The Devil in Me schickt fünf Dokumentarfilmer auf eine Insel im Lake Michigan zu einer Nachbildung von H. H. Holmes‘ „Murder Castle“ und verbringt dann acht Stunden damit, zu fragen, wen von ihnen man sterben lassen will. Die Antwort ist am Ende meistens alle, und das Spiel ist ehrlich genug, das zuzulassen.
Trailer, via BANDAI NAMCO Europe.
Eine Nachbildung auf einer Insel im Lake Michigan
Die Prämisse ist geborgt, und das Spiel weiß es. Holmes war ein echter amerikanischer Serienmörder, der das World’s Fair Hotel in Chicago betrieb, ein Gebäude, das zwischen 1887 und 1892 errichtet und der Öffentlichkeit als „Murder Castle“ verkauft wurde, das mit Fallen für Gäste ausgestattet war. Nach seiner Gefangennahme gestand er eine Reihe von Morden und sagte, er „wurde mit dem Teufel in mir geboren“. Supermassive nimmt den Mythos und trägt ihn weiter, indem es ein modernes Filmteam in eine Kopie des Gebäudes setzt, in der ein maskierter Killer die Einbauten nachgebildet hat.
Der Prolog erzählt die ursprüngliche Geschichte. Die frisch verheirateten Jeff und Marie Whitman checken während der Chicagoer Weltausstellung von 1893 für ihre Flitterwochen in dem Hotel ein. Holmes trennt sie, sperrt sie in Räume, die sich bewegen, und tötet beide. Es ist kurz, hässlich und wirkungsvoll, und es legt die Regel fest, der der Rest des Spiels folgt: Das Haus erledigt die Arbeit, die Menschen gehen nur hinein.
Kate Wilder, Charlie Lonnit und ein Team, das sich nicht mag
Fünf spielbare Protagonisten tragen die Geschichte. Kate Wilder (Jessie Buckley) ist die investigative Journalistin und Moderatorin. Charlie Lonnit (Paul Kaye) führt Regie bei der Show und besitzt Lonnit Entertainment. Mark Nestor (Fehinti Balogun) ist der Kameramann und Kates Ex-Freund. Jamie Tiergan (Gloria Obianyo) ist die Beleuchterin. Erin Keenan (Nikki Patel) ist die Audio-Praktikantin.
The Devil in Me verfolgt drei Beziehungen im Verlauf. Kate und Mark sind nach einer Trennung noch wund, und das kann entweder die Spannung verschärfen oder einen Neuanfang ermöglichen. Charlie entzieht sich gerade dem Nikotin, was ihn allen gegenüber kurz angebunden macht, und besonders Kate denkt, dass seine Regie ihre Karriere ruiniert. Jamie und Erin umkreisen einander, und Dialogentscheidungen können daraus eine vollwertige Romanze machen.
Nichts davon ist subtil. Charlies Rückzug wird als Running Gag gespielt, der nicht mehr lustig ist, wenn die Crew gejagt wird, und das Material um Kate und Mark ist das dünnste der drei. Aber das Spiel gibt der Crew genug Reibung, dass der Verlust eines von ihnen etwas kostet, was mehr ist, als die meisten Horror-Spiele schaffen.
Rennen, Springen und ein Multimeter
Hier trennt sich The Devil in Me von den drei vorherigen Dark-Pictures-Spielen. Frühere Einträge hielten die Spieler auf einer strengen Linie. Dieser öffnet die Karte. Charaktere rennen, springen, klettern über Hindernisse, zwängen sich durch enge Räume und balancieren über Balken. Das Hotel ordnet sich selbst neu an, wobei der Killer Wände verschiebt, um Ihr Gefühl für den Grundriss durcheinanderzubringen.
Jeder Protagonist trägt ein Werkzeug. Charlies Visitenkarte öffnet verschlossene Schubladen. Marks Kamera dokumentiert Beweise. Jamie verdrahtet elektrische Panels mit einem Multimeter neu. Die Rätsel, die sie verwenden, sind einfach, und das Inventarsystem ist dünn, aber die Werkzeuge geben den fünf etwas Trennung jenseits davon, wer wo steht.
Action läuft über Quick-Time-Events. Getimte Tastendrücke weichen Angriffen aus, beseitigen Gefahren und halten Stealth in Verstecken aufrecht. Verpassen Sie einen, kann ein Charakter dauerhaft sterben, und die Geschichte geht ohne ihn weiter. Dialog- und Aktionsentscheidungen haben eine Uhr, und sie verschieben sowohl Beziehungen als auch die Form der Handlung. Ein Menü namens Bearings kartiert die Verzweigungen, sodass Sie sehen können, wie weit Sie sich auf eine Version der Ereignisse festgelegt haben.
H. H. Holmes, Psycho und Saw
Supermassive baute The Devil in Me als eigenständige Geschichte innerhalb des gemeinsamen Universums der Anthologie und hinterließ Easter Eggs, die auf die anderen Spiele hinweisen. Die Prämisse stammt von Holmes. Der Horror stammt aus Filmen: Psycho (1960), The Shining (1980), Saw, Halloween und Friday the 13th.
Es gibt nur wenige historische Aufzeichnungen darüber, wie das ursprüngliche Murder Castle von innen aussah, also modellierte das Art-Team das Hotel nach zeitgenauem nordamerikanischem Design, um zum bekannten Äußeren zu passen. Die Entwickler bauten während des Motion Capture auch physische Sets für die Schauspieler, was nötig wurde, als die Bewegungssysteme erweitert wurden. Diese letzte Entscheidung sieht man. Das Hotel wirkt wie ein Ort mit Gewicht und Ecken, nicht wie ein Korridor mit bemalten Türen, und der Trick mit den sich verschiebenden Wänden sitzt härter, weil die Räume zuerst wie Räume aussehen.
Was die Fallen richtig machen
Das beste Material in The Devil in Me ist das Haus selbst. Supermassive hat jahrelang Spiele darüber gemacht, wie Menschen unter Druck schlechte Entscheidungen treffen, und hier ist der Druck architektonisch. Der Killer ist nicht die Bedrohung. Das Gebäude ist es. Wände, die sich bewegen, wenn man nicht hinsieht, Räume, die nicht zu dem passen, was man beim letzten Mal gesehen hat, und eine Reihe von Fallen, die eindeutig von jemandem entworfen wurden, der den ursprünglichen Mythos genau studiert hat.
Auch die Sammelobjekte tragen ihr Gewicht. Versteckte Gegenstände erweitern die Lore des Hotels, und einige zeigen Visionen dessen, was später passieren könnte, was eine Schatzsuche in eine Art Sorge um die Zukunft verwandelt.
Was das Spiel nicht löst, ist das Schreiben unter der Maschinerie. Die Konflikte der Crew sind grob gezeichnet, und die Darstellungen arbeiten härter als das Drehbuch. Buckley ist der Anker und spielt Kate als die einzige Person im Gebäude, die klar denkt, was sie zum interessantesten Ziel macht. Kaye bekommt das lauteste Material und das wenigste davon.
Das Tempo hängt in der Mitte durch. Sobald die Crew drinnen ist und die Regeln klar sind, muss das Spiel die Zeit zwischen den Set Pieces füllen, und das tut es mit Gehen und Gesprächen, die nicht viel voranbringen. Die erweiterte Erkundung ist der Grund für die Verlangsamung. Rennen und Klettern zu können ist willkommen, aber ein größeres Hotel bedeutet mehr Strecke, die man zurücklegen muss, bevor etwas passiert.
wurde mit dem Teufel in mir geboren
Eine 7,4 von 10
The Devil in Me ist das mechanisch ehrgeizigste Dark-Pictures-Spiel und nicht das am besten geschriebene. Die Fortbewegung, die Werkzeuge, das Inventar und das Bearings-System stoßen die Anthologie in neue Gefilde vor, und das Murder Castle ist die stärkste Kulisse, die Supermassive je gebaut hat. Der Preis dafür ist ein zäher Mittelabschnitt und eine Besetzung, deren Probleme weniger interessant sind als das Haus, in dem sie gefangen ist.
Es lohnt sich trotzdem zu spielen, und es lohnt sich, mit aktivierten Toden zu spielen. Die Regel des permanenten Todes ist der ganze Sinn der Sache. Ein Horrorspiel, das einen Protagonisten verlieren lässt und weiterläuft, vertraut darauf, dass der Spieler mit einem schlechten Ausgang zurechtkommt, und dieses tut das ohne Zögern.
Fans der früheren Teile sollten wissen, worauf sie sich einlassen. Dies ist ein längeres, lockereres, erkundbareres Dark-Pictures-Spiel, und seine besten Ideen sind struktureller而非 narrativer Natur. Wenn die Serie sich weiter in diese Richtung bewegt, sollte der nächste Teil ebenso viel Mühe auf die Menschen wie auf die Wände verwenden.
The Dark Pictures Anthology: The Devil in Me — 7,4 von 10
Die harten Zahlen
- Wertung: 7,4 von 10
- Erschienen: 2022
- Entwickler: Supermassive Games
- Publisher: Bandai Namco Entertainment
- Plattformen: Xbox Series X|S, PlayStation 4, PC (Microsoft Windows), PlayStation 5, Xbox One
- Genre: Adventure; Horror, Thriller, Survival
- Modi: Einzelspieler, Mehrspieler, Koop
- Perspektive: Dritte Person
- Spielbare Protagonisten: 5
- Schauplatz: Ein Nachbau des „Murder Castle“ von H. H. Holmes aus der Gegenwart auf einer Insel im Michigansee
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