Warcraft will ein Blockbuster werden. Es will eine gemeinsame Fantasy-Welt erschaffen, zwei Armeen hineinwerfen und sie kämpfen lassen. Was es stattdessen liefert, ist ein Film, der nicht entscheiden kann, ob er ein Drama über Familie oder ein Spektakel über Trolle sein soll. Das Ergebnis ist eine aufgeblähte, unkonzentrierte Katastrophe, die nie Fuß fassen kann.
Der Film basiert auf dem populären Online-Spiel World of Warcraft von Blizzard Entertainment. Er erzählt eine einfache Geschichte: Orcs vom Planeten Draenor fliehen von einer sterbenden Welt und kommen auf Azeroth an, wo sie mit Menschen zusammenstoßen, die von König Llane Wrynn geführt werden. Dieses Setup sollte funktionieren. Es funktionierte nicht.
Trailer, via Legendary.
Duncan Jones und das Orc-Problem
Duncan Jones inszeniert seinen zweiten Spielfilm nach „Moon“ und zeigt hier Ansätze von Talent. Er weiß, wie man Action inszeniert, und die Kampfszenen sind oft dynamisch. Aber er scheint auch unsicher zu sein, was „Warcraft“ eigentlich für ein Film sein soll. Das Drehbuch, das Charles LeChase und Chris Metzen zugeschrieben wird, stützt sich auf dialoglastige Expositionen und holprige Charaktervorstellungen. Das Tempo zieht sich in der Mitte hin, und der dritte Akt hetzt über wichtige Handlungspunkte hinweg, als ob die Filmemacher versuchen würden, aus Dodge zu fliehen.
Das größte Problem sind die Orcs. Im Spiel sind sie ein stolzes, ehrenhaftes Volk. Hier sind sie meist grünhäutige Karikaturen, die grunzen und knurren. Der führende Orc, Durotan, gespielt von Toby Kebbell, soll ein edler Anführer sein. Stattdessen kommt er wie ein blasser Platzhalter rüber, und sein Handlungsbogen fühlt sich unvollständig an. Die Menschen kommen nur geringfügig besser weg. Paula Patton spielt Garona, eine halb-orcische Spionin, und sie hat ein paar anständige Momente, aber ihre Rolle ist unterentwickelt. Dominic Cooper spielt König Llane, und seine Leistung ist in Ordnung, aber der Charakter ist zu dünn, um ihn zu unterstützen.
Die Schlacht am Schwarzen Felsen
Die beste Sequenz des Films ist die Schlacht am Schwarzen Felsen. Sie ist laut, chaotisch und visuell beeindruckend. Die Orcs reiten auf riesigen Kriegstieren über ein schneebedecktes Schlachtfeld, und die menschlichen Streitkräfte antworten mit Feuer und Stahl. Hier fühlt sich „Warcraft“ am lebendigsten an. Das Problem ist, dass diese Sequenz nicht lange dauert. Nach ein paar Minuten geht der Film zu ruhigeren, weniger fesselnden Inhalten über.
Die Spezialeffekte sind gelungen. Die Orks wirken überzeugend, und die digitalen Umgebungen sind detailliert. Die Animation strauchelt jedoch manchmal. Eine Szene mit einem jungen Orkkind wirkt cartoonartig und stört den Gesamteindruck des Films. Der Soundtrack von Michael Giacchino ist unauffällig. Er versucht, Spannung aufzubauen, unterstreicht aber meist die Schwächen des Films.
Das Drama zwischen den Schlachten
Der Film versucht, eine persönliche Note einzubringen. Durotan und seine Frau Draka, gespielt von Rachel Naomi Richards, haben einen Sohn namens Thrall. Ihre Beziehung soll die Geschichte in Emotionen verankern. Das gelingt nicht. Die Szenen zwischen ihnen wirken gezwungen, und ihr Schicksal wird auf eine Weise gelöst, die überstürzt und enttäuschend wirkt. Der Film führt außerdem eine Nebenhandlung über Garonas Loyalität ein, die aber nie vollständig entwickelt wird. Am Ende fragt sich der Zuschauer, warum all dies überhaupt wichtig war.
Die schauspielerischen Leistungen leiden unter schwachen Dialogen. Toby Kebbell gibt sein Bestes mit einem schlecht konstruierten Charakter. Dominic Cooper amüsiert sich damit, Szenen zu füllen, aber seine Dialogzeilen sind oft absurd. Paula Patton wird in einer Rolle verschwendet, die interessant hätte sein können. Der Nebencast, darunter Robert Kazinsky als Orgrim Doomhammer, wird ebenfalls unterfordert eingesetzt.
Was funktioniert und was nicht
Es gibt Momente, in denen Warcraft funktioniert. Eine Szene, in der Durotan und Draka einen stillen Moment in ihrem Zelt teilen, ist zärtlich, obwohl der Dialog holprig ist. Der Beginn des Films, der die Zerstörung von Draenor zeigt, ist gut gemacht. Doch diese Lichtblicke sind selten. Häufiger schleppt der Film sich durch Exposition, Hintergrundinformationen und Lore, an denen Fans des Spiels Freude haben mögen, aber das allgemeine Publikum als langweilig empfinden wird.
Die Länge des Films ist ein Problem. Bei 123 Minuten wirkt er aufgebläht. Szenen hätten gestrichen werden können, und die Laufzeit hätte von einem strafferen Schnitt profitiert. Wie er jetzt steht, zieht sich der Film in der Mitte zusammen und verliert gegen Ende an Schwung.
Das Fazit
Warcraft ist ein Scheitern der Ambitionen. Es wollte eine große epische Geschichte sein, konnte sich aber nicht entscheiden, welche Art von epischer Geschichte es sein sollte. Das Ergebnis ist ein Film, der weder seiner Vorlage treu ist noch als eigenständige Geschichte zufriedenstellt. Die Action ist gelegentlich aufregend, wird aber von den filmischen Strukturproblemen überschattet.
Dies ist ein Film, der wohl nur eingefleischten Fans des Spiels gefallen wird. Alle anderen werden wahrscheinlich enttäuscht davonkommen. Der Film fängt den Geist von World of Warcraft nicht ein und kann auch nicht für sich stehen.
Box mit wichtigen Fakten – Titel: Warcraft – Regie: Duncan Jones – Drehbuch: Charles LeChase, Chris Metzen – Laufzeit: 123 Minuten – Wertung: 3,2/10
Warcraft ist ein Scheitern der Ambitionen. Die Action ist gelegentlich aufregend, wird aber von den filmischen Strukturproblemen überschattet. Es fängt den Geist von World of Warcraft nicht ein und kann auch nicht für sich stehen. Die finale Wertung beträgt 3,2 von 10.
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