Wild Tales ist kein Film über ruhige Lösungen. Es ist ein Film über den Moment, bevor die Ruhe zerbricht. Sechs Kurzgeschichten, jede eine kleine Explosion aus Wut, Demütigung und Rache, aneinandergereiht zu einer einzigen Anthologie, die den Augenblick einfängt, in dem ein Mensch ausrastet. Der Film, geschrieben und inszeniert vom argentinischen Filmemacher Damián Szifron, läuft 122 Minuten und bewegt sich durch sechs eigenständige Kurzfilme mit einem gemeinsamen Faden: Menschen, die ausrasten. Der Tagline fasst es zusammen: „Wir alle können die Kontrolle verlieren.“ Dieser Kontrollverlust ist der Motor jeder Geschichte in Wild Tales, und der Film läuft darauf, ohne je den Griff zu verlieren.
Trailer, via Rotten Tomatoes Indie.
Das Ensemble
Die Ensembleriege ist das Herz des Films. Ricardo Darín erscheint im Segment „Bombita“ und spielt Simón Fisher. Leonardo Sbaraglia spielt Diego in „El más fuerte“. Érica Rivas spielt Romina in „Hasta que la muerte nos separe“. Oscar Martínez spielt Mauricio in „La propuesta“. Rita Cortese spielt Cook in „Las ratas“, während Julieta Zylberberg die Kellnerin im selben Segment spielt. Darío Grandinetti spielt Salgado in „Pasternak“, mit María Marull als Isabel und Mónica Villa als Professor Leguizamón in diesem Segment. César Bordón spielt Cuenca in „Las ratas“, und Walter Donado spielt Mario in „El más fuerte“. Nancy Dupláa spielt Victoria in „Bombita“.
Szifron wollte ausdrücklich mit Darín und Martínez arbeiten, und er gab diesen Schauspielern die Freiheit, ihre Rollen zu wählen. Diese Wahl zeigt sich in den Darbietungen. Das sind Schauspieler, die wissen, wie man am Rand einer Szene spielt, und der Film gibt ihnen Raum, darüber hinauszugehen.
Die Segmente
Die sechs Geschichten tragen die Titel „Pasternak“, „Las ratas“ („Die Ratten“), „El más fuerte“ („Road to Hell“, wörtl. ‚Der Stärkste‘), „Bombita“ (wörtl. ‚Kleine Bombe‘), „La propuesta“ („The Bill“, wörtl. ‚Das Angebot‘) und „Hasta que la muerte nos separe“ („Till Death Do Us Part“). Vier dieser Geschichten basierten teilweise auf Szifrons realen Erfahrungen, und alle vier waren ursprünglich als Thriller oder Dramen geplant, bevor sie ihre endgültige Form annahmen.
Jedes Segment steht für sich, aber der Film verbindet sie mit einem gemeinsamen Faden aus Katharsis, Gewalt und Rache. Die Geschichten sind nicht sanft, aber sie sind präzise. Sie treffen ihre Punkte ohne Verschwendung.
- „Pasternak“ ist eine der Geschichten des Films, mit Darío Grandinetti als Salgado.
- „Las ratas“ folgt einer Kellnerin, die einem mürrischen Kredithai dient. Julieta Zylberberg spielt die Kellnerin, und Rita Cortese spielt Cook.
- „El más fuerte“ erzählt die Geschichte eines Streits zwischen zwei Autofahrern. Leonardo Sbaraglia spielt Diego, und Walter Donado spielt Mario.
- „Bombita“ zeigt Ricardo Darín als Simón Fisher, einen Mann, dessen Frau ihn betrügt. Nancy Dupláa spielt Victoria. Das Segment wird in der Quelle nur als eine separate Geschichte in der Anthologie beschrieben.
- „La propuesta“ dreht sich um Oscar Martínez als Mauricio, einen Mann, der ein schreckliches Angebot macht, um eine Schuld zu begleichen. Das Segment ist ein langsamer Burn, und die Auflösung ist scharf.
- „Hasta que la muerte nos separe“ schließt den Film mit einem Hochzeitsempfang, der auseinanderfällt. Érica Rivas spielt Romina. Das Segment wird in der Quelle nur als eine separate Geschichte in der Anthologie beschrieben.
Produktionsdetails
Wild Tales ist eine argentinisch-spanische Koproduktion. Drei argentinische Studios taten sich mit Pedro Almodóvars spanischer Firma El Deseo zusammen, und die Brüder schlossen sich Kramer & Sigman Films, Telefe Productions und Corner Contenidos an, nachdem sie Szifrons vorherigen Film On Probation (2005) gesehen hatten. Der Film wurde zwischen April und Mai 2013 in Argentinien gedreht und kostete 3,3–4,5 Millionen US-Dollar – 70 % davon kamen aus Argentinien und 30 % aus Spanien.
Die Produktion ist bescheiden nach Hollywood-Maßstäben, aber der Film fühlt sich nicht bescheiden an. Er fühlt sich exakt an. Die Kameraarbeit ist scharf, die Musik passt zum Ton, und der Humor zündet, weil er von Schauspielern vorgetragen wird, die die Einsätze verstehen.
Die kritische Rezeption
Der Film erhielt breite kritische Anerkennung. Er wurde als gutes Beispiel für einen fesselnden Anthologiefilm gelobt, für seine Besetzung, vor allem Érica Rivas, für seinen Humor, für seine Kameraarbeit und für seine Musik. Die Auszeichnungen häuften sich schnell:
- Acht von zehn Platino Awards
- Der BAFTA Award for Best Film Not in the English Language
- Der Goya Award for Best Spanish Language Foreign Film
Der Film wurde auch für seinen Umgang mit Katharsis, Gewalt und Rache bemerkt. Diese Themen sind in Wild Tales nicht abstrakt – sie werden auf der Leinwand ausgelebt, eine Explosion nach der anderen.
Was es funktionieren lässt
Die sechs Segmente funktionieren als Ganzes, weil sie eine gemeinsame Sprache der Frustration und der Entladung teilen. Jede Geschichte ist eine kleine Tragödie, und die Anthologieform erlaubt es dem Film, eine Tragödie auf die andere zu häufen, ohne an Schwung zu verlieren. Das Ergebnis ist ein Film, der größer wirkt als seine Teile.
Der Humor in Wild Tales ist dunkel, aber er ist nie billig. Der Film versteht, dass die Grenze zwischen Komödie und Horror dünn ist, und er wandelt mit Zuversicht auf dieser Grenze. Die Geschichten sind nicht angenehm, aber sie fesseln durchweg. Das Publikum wird aus dem Gleichgewicht gehalten, und der Film verdient dieses Unbehagen.
Schlusswort
Wild Tales ist ein straffer, präziser und oft sehr lustiger Film über Menschen, die es nicht zusammenhalten können. Es ist kein Film über Erlösung. Es ist ein Film über den Moment, bevor die Dinge auseinanderfallen, und er scheut sich nicht, das Chaos zu zeigen.
Der Film erinnert daran, dass Katharsis nicht immer schön ist. Er erinnert daran, dass Rache befriedigend sein kann, aber sie hat ihren Preis. Und er erinnert daran, dass manchmal die beste Antwort auf Ungerechtigkeit nicht Vergebung ist – sondern Chaos.
„Wir können alle die Kontrolle verlieren.“
Das ist die Botschaft des Films, und sie wird mit Witz und Präzision vermittelt. Die Besetzung ist durchweg hervorragend, das Tempo ist schnell, und der Humor schneidet tief. Dies ist ein Film, der genau weiß, was er tut, und er tut es gut.
Wild Tales verdient eine starke Bewertung.
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