Call of Juarez: Gunslinger versetzt den Spieler in die Rolle eines Revolverhelden, der Jahrzehnte damit verbracht hat, im Wilden Westen umherzuziehen und die Männer zu jagen, die er in seiner Blütezeit getötet hat. Das Spiel stellt eine einfache Frage: was passiert, wenn man denselben Tod immer wieder erlebt? Diese Antwort ist die ganze Geschichte.
Trailer, via Ubisoft.
Vergangene Zeiten wiederaufleben
Die Prämisse ist eine Abwandlung der üblichen Shooter-Formel. Anstatt in einer Kampagne voranzukommen, betritt der Spieler Erinnerungen, besucht alte Kämpfe und alte Feinde erneut. Jedes Level ist ein Schnappschuss aus dem Leben des Helden, und das Spiel lässt den Spieler wählen, welche Schlacht er als nächstes angehen möchte. Diese Freiheit verleiht dem Spiel eine Struktur, die sich von den meisten Shootern unterscheidet, auch wenn das Schießen selbst nach bekannten Regeln abläuft.
Das System funktioniert in der Theorie gut. Spieler können wählen, welche Erinnerung sie besuchen, welchen Feind sie jagen, welche Fähigkeit sie als nächstes freischalten wollen. In der Praxis leidet das Tempo. Einige Kämpfe sind langweilig, und das Spiel macht nicht immer deutlich, warum eine Erinnerung wichtiger ist als eine andere. Die Schleife ist clever, aber es ist auch leicht, den Überblick darüber zu verlieren, was der Spieler eigentlich erreichen möchte. Diese Verwirrung ist ein Symptom der zentralen Designentscheidung des Spiels: das Erinnerungssystem ist auf Entscheidungen aufgebaut, und Entscheidungen können manchmal ein Gefühl der Ziellosigkeit anstelle von Zweckmäßigkeit erzeugen.
Schießen und Steuerung
Das Schießen ist solide, aber nicht herausragend. Feinde fallen von Kugeln um, und der Treffer des Spielers hat Gewicht. Nahkampf belohnt Timing und Geduld. Stillstehen bringt einen schnell um.
Die Steuerung ist auf PC und Konsole präzise, und das Spiel handhabt die Bewegungen gut genug, dass die Kämpfe zufriedenstellend sind, wenn sie gelingen. Nichts am Schießen sticht als innovativ hervor, aber auch nichts behindert es.
Geschichte und Sprecherstimme
Die Geschichte wird ausschließlich durch die Stimme des Revolverhelden selbst erzählt, eines rauen, abgehärteten Charakters, der direkt zum Spieler spricht. Seine Erzählung rahment jedes Gedächtnis ein und bietet Kontext und Farbe, wo die Action allein etwas verpassen könnte. Die Leistung ist stark, und das Schreiben stützt sich auf Witz und Erschöpfung anstatt auf reine Gewalt.
Die Erzählung hält nicht immer zusammen. Einige Handlungsstränge werden mitten im Verlauf fallen gelassen, und der Endabschnitt des Spiels stürzt in eine Schlussfolgerung, die gehetzt wirkt anstatt verdient zu sein. Die emotionale Last des Wiedererlebens von Tod ist eine gute Idee, aber die Umsetzung lässt Verbesserungsbedarf offen. Der mittlere Abschnitt ist der Punkt, an dem die Geschichte ihre Dynamik verliert, und das gehetzte Ende trägt wenig dazu bei, dies wiederherzustellen.
Technische Leistung
Das Spiel läuft auf PS3, PC und Xbox 360, und die Präsentation verrät ihr Alter. Texturen sind rau, die Beleuchtung ist veraltet, und die Bildrate ist stabil, beeindruckt aber selten. Auf dem PC unterstützt das Spiel höhere Auflösungen und bessere Einstellungen, was Spielern, die ein schärferes Bild suchen, eine Möglichkeit bietet.
Das Sounddesign vollbringt mehr mit weniger. Schusswaffen haben Gewicht, und das Umgebungsgeräusch einer staubigen Stadt fügt Atmosphäre hinzu, ohne den Spieler zu überfordern. Die Musik ist spärlich, lässt aber Schusswaffen und Dialoge die emotionale Last jeder Szene tragen.
Wo es zu kurz kommt
- Das Gedächtnissystem ist konzeptionell unterhaltsam, aber in der Umsetzung schwach.
- Einige Level fühlen sich wie Füllmaterial anstatt wie Höhepunkte an.
- Die Geschichte verliert ihre Dynamik in ihrem mittleren Abschnitt.
- Die technische Präsentation verrät ihr Alter auf allen Plattformen.
- Das Ende wirkt gehetzt nach einer langsamen Mitte.
Keine dieser Schwächen zerstört das Spiel, aber sie hindert es daran, Größe zu erreichen. Die stärksten Momente kommen, wenn das Gedächtnissystem am besten funktioniert, und die schwächsten Momente, wenn es auseinanderfällt. Das Spiel ist von Natur aus ungleichmäßig, und diese Unebenmäßigkeit ist das deutlichste Zeichen von Ehrgeiz, der nicht ganz Früchte getragen hat.
Schlusswort
Call of Juarez: Gunslinger ist ein Spiel, das versucht, das Shooter-Format neu zu denken. Sein Gedächtnissystem bietet den Spielern echte Wahlmöglichkeiten, und seine Geschichte bietet einen frischen Ansatz für das Western-Genre. Das Schießen ist kompetent, die Sprachausgabe ist stark, und die Atmosphäre hat Gewicht.
Es ist ein Spiel, das man für seine Ideen spielen kann, selbst wenn diese nicht immer ankommen. Für Spieler, die einen Shooter mit etwas Persönlichkeit mögen, bietet es ein denkwürdiges Erlebnis. Für Spieler, die nach Poliertheit suchen, kommt es nicht auf den Punkt.
Call of Juarez: Gunslinger erhält eine Wertung von 7,5 von 10.
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