Perception fordert Spieler auf, die Welt durch die Ohren einer anderen Person zu sehen. Cassie Thornton ist blind und navigiert mithilfe der Echolokation durch die Hallen des Anwesens Echo Bluff. Jeder Schritt, jeder Wassertropfen, jedes Knarren des Holzes wird zu einem Hinweis. Dieses Konzept ist einfach und clever, und für eine Weile trägt es das gesamte Spiel.
Trailer, via IGDBcom.
Cassies Ohren
Cassie nutzt die Echolokation, um sich ein Bild ihrer Umgebung zu machen. Ihre Schritte, das Geräusch tropfenden Wassers, der Windrauschen – jedes Element gibt dem Spieler einen Einblick in den Raum. Es ist ein ausgeklügelter Trick, und er funktioniert gut in den ersten Stunden. Spieler lernen, aufmerksam zuzuhören, sich vorzubeugen und zu hören, was Cassie hört. Das Spiel belohnt Aufmerksamkeit, und die ersten Rätsel fühlen sich befriedigend an.
Der Stock ist das andere Werkzeug. Durch Antippen entsteht ein vollständiger Überblick über den Raum, der für die Navigation unerlässlich ist. Es ist eine clevere Mechanik, die Cassies Blindheit perfekt ergänzt. Doch damit wird auch eine Schwäche im Design deutlich. Das Spiel verlässt sich darauf, dass Spieler den Stock ständig antippen, um zu sehen, was vor ihnen liegt, und diese Wiederholung wird schnell ermüdend.
“Perception ist ein First-Person-Narrativ-Horror-Adventure, das die Geschichte von Cassie erzählt, einer blinden Heldin, die ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten im Hören und ihren scharfen Verstand einsetzt, um die Geheimnisse eines verlassenen Anwesens zu lüften, das ihre Träume heimsucht.”
Die Präsenz
Echo Bluff wird von einer Präsenz heimgesucht, die ihre Bewohner quält. Cassie weiß, dass sie da ist, und sie jagt sie durch das Anwesen. Die Präsenz kann nicht direkt bekämpft werden. Sie kann nur gemieden oder vor ihr versteckt werden. Diese Designentscheidung zieht Vergleiche zu anderen Horrorspielen nach sich, darunter Amnesia: The Dark Descent, Outlast und Alien: Isolation.
Der Vergleich trifft zu. Die Präsenz ist eine ständige Bedrohung, die knapp außerhalb der Sichtweite lauert. Es ist eine gut gemachte Schreckmaschine und hält die Spannung hoch. Doch die Präsenz ist auch ein stumpfes Werkzeug. Sie ist kein cleverer Gegner. Sie ist eine Sache, die verfolgt und tötet, und diese Einfachheit zeigt sich in den späteren Stunden.
Gloucester, Massachusetts
Die Handlung spielt in einem großen Herrenhaus in Gloucester, Massachusetts. Das Spiel nimmt sich Zeit, um die Geschichte des Ortes zu etablieren, und die Geschichte entfaltet sich durch Cassies Recherchen. Sie entdeckt das Herrenhaus nach monatelanger Suche, und das Spiel baut das Rätsel um seine Geheimnisse herum auf.
Das Schreiben ist kompetent, obwohl es stark auf Erklärungen setzt. Cassie spricht oft mit sich selbst, und ihre Monologe erklären die Handlung, anstatt den Spieler selbst entdecken zu lassen. Dieser Ansatz funktioniert für manche Spieler, verlangsamt aber das Tempo und unterbricht die Immersion. Das Herrenhaus selbst ist gut gestaltet, mit Räumen, die sich bewohnt und verfallen anfühlen. Die Beleuchtung ist gedämpft und effektiv, und das Sounddesign verkauft das Gefühl der Angst.
Länge und Tempo
Perception ist ein kurzes Spiel. Es bewegt sich schnell durch seine Geschichte, und die Rätsel bestehen hauptsächlich darin, den richtigen Ton zu finden, um die nächste Spur auszulösen. Das Spiel sollte nicht länger als nötig dauern, aber es verweilt auch nicht lange genug, um einen starken emotionalen Effekt zu erzielen.
Das Tempo leidet im mittleren Abschnitt. Einige Abschnitte ziehen sich, und die Wiederholung des Tippens mit dem Stock beginnt, sich mechanisch anstatt clever anzufühlen. Die Stärken des Spiels – die Echolokation, die angespannte Atmosphäre – werden durch die Länge verwässert. Eine straffere Bearbeitung hätte es besser getan.
Endwort
Perception ist ein Spiel mit einer guten Idee und einer schwachen Umsetzung. Das Konzept, sich durch Klänge zu bewegen, ist wirklich erfrischend, und die ersten Stunden sind ein Vergnügen zu spielen. Aber die Abhängigkeit des Spiels von wiederholtem Tippen, sein dünnes Schreiben und seine dünnen Schrecken halten es zurück. Es ist eine solide, gelegentlich brillante Erfahrung, aber es fällt kurz vor Größe zurück.
Faktenbox:
- Entwickler: The Deep End Games
- Publisher: The Deep End Games, Feardemic
- Erscheinungsdaten: PC (Windows): 30. Mai 2017; PS4, Xbox One: 6. Juni 2017; Switch: 31. Oktober 2017
- Plattformen: PC, PS4, Xbox One, Switch
- Genre: Horror-Adventure (
- Modus: Einzelspieler (
- Wertung: 6 von 10 (
Das Spiel ist ein solides Horror-Adventure, aber kein großartiges. Cassies Blindheit ist ein überzeugender Aufhänger, und das Herrenhaus ist ein würdiges Setting. Doch die Mechanik wird dünn, die Geschichte erklärt zu viel, und die Schrecknisse verlieren ihre Wirkung. Perception ist einen Blick wert, aber nicht mehr als das.
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