Noah ist ein großes, seltsames, teures Filmprojekt über einen Mann, der eine Arche baut, während Gott die Welt überflutet. Es ist zudem stellenweise sehr schön. Darren Aronofsky inszeniert, und er möchte die Bibel lebendig, dringlich und furchteinflößend wirken lassen. Das gelingt ihm meistens, selbst wenn der Film die Geduld mit seiner eigenen Handlung verliert.
Der Film beginnt mit einem Prolog, der erklärt, warum Gott beschließt, die Menschheit zu vernichten. Adam und Eva lebten im Paradies, aber sie aßen die Frucht, und ihre Nachkommen wurden böse. Gott wählt Noah aus, um eine Arche zu bauen und einige Tiere sowie seine Familie zu retten. Der Film verbringt einen langen Abschnitt damit, diese Prämisse aufzubauen, und er hetzt nicht.
Trailer, über Paramount Pictures International.
Die Geschichte der Sintflut, Adaptiert
Die Geschichte ist jedem bekannt, der Genesis kennt, aber Aronofsky nimmt sich Freiheiten. Er fügt neue Charaktere, neue Szenen und einen moralischen Rahmen hinzu, der stark auf Umweltismus setzt. Es ist keine treue Wiedererzählung. Es ist eine Meditation über Sünde, Strafe und den Sinn des Lebens. Dieser Ansatz hat seine Kosten.
„Er ist der Auserwählte.“
Dieser Satz, gesprochen von Ila, fasst die zentrale Spannung des Films zusammen. Sie ist Noahs Frau, und sie fürchtet, er sei verrückt geworden. Der Film fordert uns auf, diese zwei Stunden lang mit dieser Angst zu sitzen, und er macht nicht immer den Fall für Noahs Vision.
Russell Crowe trägt die Arche
Russell Crowe spielt Noah als einen Mann, der von Trauer und Glauben getrieben wird. Seine Frau starb bei der Geburt seiner Söhne, und er trägt nun Schuldgefühle wegen der Sintflut. Crowe verkauft die körperliche Anstrengung der Arbeit – die Strapaze beim Heben von Balken, die Angst vor den Wächtern. Er ist der Anker des Films.
Seine Söhne werden von Douglas Booth, Logan Lerman und Noah Jupe gespielt. Sie sind kompetent, aber sie bekommen nicht genug Raum, um sich zu entwickeln. Die Schwiegertöchter, gespielt von Emma Watson und Jennifer Connelly, kommen besser zurecht. Watson spielt Ila mit stiller Verzweiflung, und Connelly spielt Naameh mit einer Müdigkeit, die sich verdient anfühlt.
Ray Winstone spielt Tubal-Cain, den Anführer der bösen Menschen. Er ist ein Bösewicht, der die Regeln des Spiels versteht. Winstone spielt mit dem Hintergrund, und der Film lässt ihn das tun. Die Konfrontation zwischen Noah und Tubal-Cain ist der dramatische Höhepunkt des Films.
Die Wächter und die Magie
Die Wächter sind die seltsamste Ergänzung des Films. Sie sind gefallene Engel, die in Stein gefangen sind und damit beauftragt wurden, die Erde zu bewachen. Aronofsky möchte, dass sie die natürliche Welt repräsentieren, und er möchte, dass sie sprechen. Diese Entscheidung ist mutig, aber sie kommt nicht immer gut an.
Die Wächter werden von Anthony Ingruber, Nick Cassavetes und anderen gesprochen. Ihre Dialogzeilen sind zwar poetisch gedacht, klingen aber oft wie eine vorlesene Erzählung. Der Film versucht, die Wächter als uralt und weise erscheinen zu lassen, aber sie wirken unbeholfen.
Das magische System rund um die Wächter ist dünn. Aronofsky deutet an, dass die Steine Macht enthalten, erklärt aber nie, wie diese Macht funktioniert. Das Publikum muss akzeptieren, dass die Wächter sprechen können und dass sie wichtig sind. Das ist ein Sprung, und einige Zuschauer werden ihn nicht wagen.
Die Umweltbotschaft
Die Umweltbotschaft des Films ist explizit. Gott bestraft die Menschheit für die Zerstörung der Erde. Aronofsky möchte, dass wir die Sintflut als Warnung sehen. Das ist eine gültige Interpretation, aber sie vereinfacht den Text. Die Bibel bietet viele Gründe für die Sintflut, und Aronofsky wählt einen davon aus.
Die Version der Geschichte, die der Film präsentiert, handelt weniger von Gottes Gerechtigkeit und mehr von der menschlichen Verantwortung. Das ist eine noble Idee, aber es ist nicht die Geschichte, die das Quellenmaterial erzählt. Einige Zuschauer werden die Botschaft als übertrieben empfinden. Andere werden sie als relevant erachten.
Der visuelle Stil
Die Kinematografie ist das stärkste Kapital des Films. Die Arche ist riesig, und die Sets sind aufwendig gestaltet. Der Film setzt wann immer möglich auf praktische Effekte, und das ist zu sehen. Der Maßstab ist beeindruckend.
Die Farbpalette ist gedämpft. Aronofsky bevorzugt Brauntöne, Grautöne und Blautöne und setzt Licht ein, um Stimmungen zu erzeugen. Der Himmel ist oft stürmisch, und die Erde ist oft feucht. Der Film wirkt wie ein lebendiges Gemälde.
Die Musik von Clint Mansell ist sparsam. Sie schwillt in Schlüsselszenen an, dominiert aber nicht. Der Soundtrack unterstützt die Bilder, ohne sie zu überwältigen. Das Sounddesign ist präzise. Der Regen, der Wind und die entfernten Schreie sind alle hörbar.
Das Problem mit dem Tempo
Der Film hat einen ungleichmäßigen Rhythmus. Die erste Stunde bewegt sich langsam voran, und verdient seine Länge nicht immer. Der Aufbau ist gründlich, aber auch wiederholend. Aronofsky vertraut dem Publikum, dass es mit der Stille aushalten kann, und dieses Vertrauen zahlt sich manchmal aus.
Im mittleren Abschnitt strauchelt der Film. Er führt neue Charaktere und neue Bedrohungen ein, aber verbindet sie nicht immer mit der Hauptgeschichte. Das Publikum fragt sich, was diese neuen Elemente bedeuten. Der Film erholt sich im letzten Akt, aber die Erholung kommt zu spät.
Das Ende ist abrupt. Die Flut kommt herein und ist verheerend, aber die Nachwirkungen sind gehetzt. Der Film verweilt nicht bei den Überlebenden. Er erforscht nicht die neue Welt, in die sie eintreten. Das ist eine verpasste Gelegenheit.
Die Frage des Glaubens
Der Film wirft Fragen über den Glauben auf, die er nicht vollständig beantwortet. Noah glaubt, er tue Gottes Willen, ist sich aber nicht sicher. Der Film räumt diese Unsicherheit ein, löst sie aber nicht. Einige Zuschauer werden diese Mehrdeutigkeit belohnend finden. Andere werden es frustrierend finden.
Der Film berührt auch Theodizee, das Problem des Bösen. Wenn Gott allmächtig und allgütig ist, warum existiert dann das Böse? Der Film bietet keine saubere Antwort. Er präsentiert die Flut als Strafe, aber er erklärt nicht, warum die Bösen sie verdient haben. Das ist eine schwierige Frage, und der Film weicht ihr nicht aus. Er beantwortet sie nur nicht.
Das endgültige Urteil
Noah ist ein visuell beeindruckender Film mit einem starken Cast und einem Regisseur, der auf seinem Höhepunkt ist. Es ist aber auch ein fehlerhafter Film, der zu viel versucht. Die Umweltbotschaft ist zeitgemäß, aber die Adaption ist ungleichmäßig. Die Wächter sind eine mutige Wahl, aber sie funktionieren nicht immer. Der Rhythmus ist langsam, und das Ende ist gehetzt.
Der Film ist sehenswert wegen seines Ehrgeizes und seiner Handwerkskunst. Er ist es nicht wert, ihn wegen seiner Kohärenz zu sehen. Es ist ein Film, der Aufmerksamkeit belohnt, aber Geduld verlangt. Es ist ein Film, der Diskussionen anregen wird, aber nicht jeder wird sich einig sein, was er bedeutet.
| Szene | Länge |
|---|---|
| Prolog | ~15 Minuten |
| Bau der Arche | ~25 Minuten |
| Begegnung mit den Wächtern | ~10 Minuten |
| Die Sintflut beginnt | ~10 Minuten |
| Höhepunkt | ~15 Minuten |
| Epilog | ~5 Minuten |
Der Film-Soundtrack erhält 6,8 von 10 Punkten.
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