Room ist ein Film über einen Schuppen. Das ist der ganze Trick daran, und Lenny Abrahamson lässt einen das nie vergessen. Das psychologische Überlebensdrama von 2015 läuft 118 Minuten, und in der ersten Hälfte verlässt man nie das Gehege, das Joy Newsome und ihr fünfjähriger Sohn Jack ihr Zuhause nennen. Sie schlafen darin, essen darin, waschen sich darin. Ihr einziges Licht kommt durch ein einziges Oberlicht.
Emma Donoghue schrieb das Drehbuch nach ihrem eigenen Roman von 2010, und sie hielt die Geschichte an Jacks Blickwinkel gefesselt. Diese Entscheidung ist es, was Room von jedem anderen Gefangenschaftsdrama unterscheidet. Wir sehen nicht zu, wie ein Opfer leidet. Wir sehen zu, wie ein Kind entdeckt, dass sein gesamtes Universum eine Lüge ist, und dann das Universum entdeckt, das es ersetzt hat.
Der Film wurde am 4. September 2015 beim 42. Telluride Film Festival uraufgeführt. Er wurde beim Toronto International Film Festival gezeigt, wo er den People’s Choice Award gewann. A24 gab ihm am 16. Oktober 2015 einen begrenzten Kinostart in den Vereinigten Staaten und ging am 22. Januar 2016 in die Breite.
Trailer, via A24.
Joy Newsome und der Schuppen in Akron
Der Aufbau ist so düster, wie er klingt. Joy, gespielt von Brie Larson, ist 24. Sie wurde sieben Jahre vor Beginn des Films entführt. Jack, gespielt von Jacob Tremblay, wurde in Gefangenschaft geboren. Sein leiblicher Vater ist der Mann, den sie Old Nick nennen, gespielt von Sean Bridgers, der Joy routinemäßig vergewaltigt, während Jack im Schrank schläft.
Jack weiß nichts davon. Er denkt, Room sei die Welt. Er denkt, das Fernsehen zeige ihm Bilder von einem Ort, den es nicht gibt. Joy hat ihm das gesagt, und sie hat es ihm absichtlich gesagt, weil die Wahrheit ihn zerbrechen würde.
Das ist der grausamste Antrieb des Films. Joys Liebe zu ihrem Sohn verlangt von ihr, ihn anzulügen, und die Lüge muss ausgeklügelt und vollständig sein. Sie erhält fünf Jahre lang eine Fiktion aufrecht, während ihr eigener Körper versagt. Sie leidet an Unterernährung und Depression. Old Nick sagt ihr, er habe seinen Job verloren und könne sich ihre Vorräte vielleicht nicht mehr leisten.
Dann wird Jack neugierig. Er klettert aus dem Schrank, während Old Nick im Bett neben Joy schläft. Joy schlägt Old Nick weg. Als Strafe schneidet er ihnen Heizung und Strom ab.
Die Flucht und was sie kostet
Was folgt, ist die Abfolge, um die der Film herum aufgebaut ist, und sie funktioniert, weil Donoghue sich weigert, sie sauber zu machen. Joy versucht zunächst, Jack herauszuholen, indem sie ihn ein Fieber vortäuschen lässt, in der Hoffnung, Old Nick werde ihn in ein Krankenhaus bringen. Old Nick verspricht nur, Antibiotika mitzubringen. Der Plan scheitert.
Also wickelt Joy Jack in einen Teppich und sagt ihm, er solle vorgeben, tot zu sein. Sie sagt ihm, er solle zur ersten Person rennen, die er sieht. Old Nick fällt darauf herein. Er legt den Jungen auf die Ladefläche seines Pick-up und fährt durch ein Wohnviertel. Jack, betäubt von seinem ersten Blick auf die Außenwelt, springt vom Truck und erregt die Aufmerksamkeit eines Passanten. Old Nick versucht, ihn zurückzuziehen, scheitert und flieht. Die Polizei kommt und rettet Jack.
Hier ist der Teil, der am meisten zählt. Die Flucht ist nicht das Ende. Sie ist der Mittelpunkt, und der Film weiß das.
Brie Larson und Jacob Tremblay
Larson bekam die Rolle, nachdem ein Mitarbeiter von Abrahamson vorgeschlagen hatte, er solle sie in Short Term 12 sehen. Sie konsultierte einen Trauma-Experten und eine Ernährungsberaterin. Sie machte eine strenge Diät und mied Sonnenlicht. Sie hat gesagt, sie sehe Room weniger als Kriminalgeschichte und mehr als „eine Geschichte von Liebe und Freiheit und Durchhaltevermögen und davon, wie es sich anfühlt, aufzuwachsen und seine eigene Person zu werden“.
Diese Lesart ist richtig, und deshalb hält die zweite Hälfte des Films stand. Der Film handelt nicht von dem Schuppen. Er handelt davon, was der Schuppen zwei Menschen angetan hat und was passiert, wenn man sie herausholt.
Tremblay war sieben, als er besetzt wurde, aus Vancouver. Die Filmemacher erwogen Dutzende Kinderdarsteller für Jack. Er hat gesagt, die Rolle sei nicht schwer gewesen, „weil ich ein glückliches Kind gespielt habe“, das die sinistere Natur von Room nicht verstand. Er war zu jung, um das ganze Drehbuch zu lesen, also wurde ihm jede Szene einzeln erklärt. Er trug eine Perücke aus Menschenhaar.
Die Produktion gab Larson und Tremblay mehr als drei Wochen zusammen vor den Dreharbeiten, um das aufzubauen, was Joan Allen eine „sehr enge, offensichtlich entscheidende, nahe Beziehung“ nannte. Die Room-Szenen wurden über fünf Wochen gedreht.
Joan Allen, Tom McCamus und die zweite Hälfte
Allen spielt Nancy, Joys Mutter. Sie kam später als die Hauptdarsteller in Toronto an und traf Tremblay, doch sie bemerkte die bewusste Distanz: „Wir wollten nicht, dass er zu vertraut mit mir wird, weil das nicht die Geschichte ist.“ Für ihre eigene Vorbereitung konsultierte sie keine echten Mütter entführter Kinder. Sie dachte an einen Moment in einem Einkaufszentrum zurück, als ihre Tochter klein war und sie sich umsah und das Mädchen im Nu verschwunden war.
Tom McCamus auditionierte für Old Nick, bevor er als Leo besetzt wurde. William H. Macy spielt Robert. Zum Ensemble gehören außerdem Cas Anvar als Dr. Mittal, Amanda Brugel als Officer Parker, Wendy Crewson als Talkshow-Moderatorin, Joe Pingue als Officer Grabowski und Matt Gordon als Doug.
Donoghue hat gesagt, die Schauspieler hätten Zeilen improvisiert, die „Sprachmuster hervorbrachten, die natürlicher klingen, als ich sie hätte schreiben können, und einige brillante neue Zeilen ergaben, die es in den Film schafften“. Das ist in der zweiten Hälfte zu spüren, wo sich der Dialog lockert und der Film aufhört, ein Thriller zu sein, und beginnt, etwas zu sein, das einer Familienstudie näher kommt.
Das Set in den Pinewood Toronto Studios
Room war eine Koproduktion von Kanada, Irland, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. Er wurde in Toronto gedreht, wobei das Set in den Pinewood Toronto Studios aufgebaut wurde. Die Crew entwarf jeden Teil des Sets so, dass er abnehmbar war, damit sie Wände herausziehen und die Kamera dorthin bringen konnten, wo sie hin musste.
Das ist keine Nebensache. Der Schuppen ist die zentrale Figur des Films, und die Produktion behandelte ihn auch so. Das Set ist klein genug, um wie eine Falle zu wirken, und detailliert genug, dass man glaubt, ein Junge könne jeden Zentimeter davon erfassen. Als Jack schließlich einen Himmel sieht, der über den Bildrand hinausgeht, ist die Befreiung physisch, nicht metaphorisch.
Was Room richtig macht
Die erste Hälfte des Films ist nahezu makellos. Sie zurück, dann enthüllt sie, dann hält sie wieder zurück. Sie lässt Joy sich nie vor dem Publikum erklären. Sie lässt Jack nie mehr verstehen, als er sollte. Die Spannung ist häuslich und beständig, und sie kippt nie in Horrorfilm-Mechanik.
Die zweite Hälfte ist unordentlicher. Sobald Jack draußen ist, muss der Film in weniger als einer Stunde eine neue Welt aufbauen, und einiges an dieser Welt ist dünn. Das ist ein Urteil über die Form des Films, keine Feststellung aus der Vorlage.
Doch das Chaos ist ehrlich, und das ist die Lesart der Zeitung, keine Tatsache, die die Macher des Films geäußert haben. Room ist nicht an einer ordentlichen Wiederherstellung interessiert. Er ist an der Tatsache interessiert, dass Freiheit desorientierend ist und dass ein Kind, das in einem Raum aufwächst, mit fünf lernen muss, dass alles, was ihm beigebracht wurde, eine Freundlichkeit und zugleich eine Lüge war.
Larson trägt die erste Hälfte fast ohne Dialog, und Tremblay trägt die zweite Hälfte fast ohne ein Drehbuch, das er lesen könnte. Keine der beiden Darstellungen buhlt um Sympathie. Diese Zurückhaltung ist die beste Entscheidung des Films.
Die Zahlen hinter Room
- Titel: Room
- Jahr: 2015
- Regie: Lenny Abrahamson
- Drehbuch: Emma Donoghue, nach ihrem Roman von 2010
- Laufzeit: 118 Minuten
- Genres: Drama, Thriller
- Tagline: „Love knows no boundaries.“
- Premiere: 4. September 2015, 42. Telluride Film Festival
- US-Kinostart (begrenzt): 16. Oktober 2015
- Veröffentlichung in Kanada: 23. Oktober 2015
- Veröffentlichung in Großbritannien und Irland: 15. Januar 2016
- Kinostart in den USA: 22. Januar 2016
- Budget: 13 Millionen Dollar
- Einspielergebnis: 36,3 Millionen Dollar
- Metacritic: 86/100
- Bewertung: 8,6/10
Room im Vergleich zum üblichen Gefangenschaftsdrama
Die meisten Filme in diesem Bereich behandeln den Raum als Bühne des Leidens und die Flucht als Ziellinie. Room macht das Gegenteil. Er behandelt den Raum als Zuhause und die Flucht als Beginn des schwierigen Teils.
| Element | Room (2015) | Das übliche Gefangenschaftsdrama |
|---|---|---|
| Erzählperspektive | Jack, fünf Jahre alt | Der gefangene Erwachsene |
| Flucht | Wendepunkt | Höhepunkt |
| Zweite Hälfte | Ein Leben draußen wieder aufbauen | Meist abwesend |
| Zentrale Beziehung | Mutter und Sohn | Die beiden Hauptfiguren, getrennt gehalten |
| Ton | Häuslich, zurückhaltend | Thriller, eskalierend |
| Laufzeit | 118 Minuten | Oft länger |
Die Tabelle erklärt, warum Room auch 11 Jahre später noch Bestand hat. Es ist kein Film über ein Monster. Old Nick ist kaum eine Figur. Er ist ein Job, ein Versorgungsgang, eine Bedrohung hinter einer Tür.
Der Film handelt davon, was ein Elternteil aufbaut, um ein Kind zu schützen, und was passiert, wenn das Gefüge zusammenbricht und das Kind im Freien leben muss.
Wo dieser hier landet
Room verdient seine 8,6 von 10. Larson und Tremblay leisten die Art von Arbeit, die einen kleinen Film riesig wirken lässt, und Donoghues Drehbuch verweigert an jeder Stelle die einfache Version der Geschichte.
Die Schwächen sind real, und sie sind die Lesart dieser Zeitung und nicht etwas, das die Quelle angibt. Das letzte Drittel greift nach ein paar Szenen, die ausbuchstabieren, was der Film bereits gezeigt hatte, und einige Nebenfiguren bekommen nie genug Raum zum Atmen.
Aber die zentrale Idee des Films ist haltbar. Jack verbringt fünf Jahre damit zu glauben, dass ein Zimmer die ganze Welt ist, und dann verbringt er den Rest des Films damit zu lernen, dass die Welt größer und seltsamer und nicht immer freundlicher ist. Room tut nicht so, als wäre das ein glückliches Ende. Er zeigt einem nur, was es kostet, und er vertraut darauf, dass man es fühlt.
Das Notizbuch abonnieren.
Die besten Geschichten des Tages und jedes neue Urteil, in klarem Deutsch, um sieben im Postfach. Eine Mail am Tag, nicht mehr.





