Green Book ist ein Film über zwei Männer, die sich kaum ausstehen können, gezwungen, 1962 durch den amerikanischen Süden zu fahren. Tony Vallelonga, ein stämmiger italienisch-amerikanischer Bouncer aus New York, nimmt als Fahrer und Leibwächter für Don Shirley auf, einen weltberühmten afroamerikanischen Klavierspieler auf Tournee. Die Vorlage klingt wie eine Formel für eine feel-good-Road-Comedy, und sie liefert zum Großteil eine. Was der Film schwierig findet, ist das Gewicht seiner eigenen Geschichte. Er will eine Geschichte von Freundschaft, die Vorurteile überwindet, erzählen, aber die Vorurteile, die er zeigt, sind so dünn skizziert, dass der Triumph hohl erscheint.
Trailer, via Universal Pictures.
Tony und Don
Der Film beginnt mit Tony, gespielt von Viggo Mortensen, der Don, gespielt von Mahershala Ali, von New York nach Alabama fährt. Don ist ein gebildeter Mann, ein klassischer Musiker, der Jahre in Europa verbracht hat, während er zu Hause Vorurteile zu ertragen hatte. Tony ist rau ums Herz, schnell wütend und offen feindselig gegen jeden, den er als unterlegen ansieht. Ihre ersten Szenen zusammen sind unbequem, aber das Skript vertraut darauf, dass die Chemie zwischen den Schauspielern die Spannung trägt. Das tut es zum Großteil.
Mortensen spielt Tony als physische Kraft, einen Mann, der seine Wut in Schultern und Fäusten trägt. Er ist kein sympathischer Charakter zu Beginn. Er ist ein Rassist, ein Bully und ein Lügner. Der Film fordert uns auf, ihm bei seinem Wandel über den Lauf der Reise zuzusehen, und Mortensen legt sich voll in diese Bahn. Am Ende interessieren wir uns für Tony. Das ist eine Fähigkeit, selbst wenn die Gründe, warum er sich ändert, weniger verdient als bequem erscheinen.
Ali spielt Don mit einer ruhigen Würde, die seine Geduld fast übermenschlich erscheinen lässt. Sein Don ist ein Mann von Feinheit und Intelligenz, der ständig beleidigt werden muss, nur um ein Konzert zu spielen. Er wehrt sich nicht, aber der Film deutet an, dass seine innere Stärke weit größer ist, als jeder um ihn herum vermutet. Der Gegensatz zwischen den beiden Männern ist der Motor des Films, und beide Darstellungen halten ihn in Gang.
Comedy und ihre Grenzen
Green Book hängt sehr an Humor an, und viel davon funktioniert. Es gibt Witze über Essen, Musik und die Absurdität der Situation. Das Film versteht, dass Comedy eine Möglichkeit ist, schwierige Themen leichter zu verdauen zu machen. Aber der Humor offenbart auch das größte Problem des Films: Er behandelt Rassismus als etwas zum Lachen, nicht als etwas zum Trauern.
Die Witze über Segregation werden oft mit einem Wink geliefert, als würde das Film sagen, „Sieh, wie albern diese Regeln waren!“ Das ist ein gefährlicher Zug. Rassismus war nicht albern. Er war gewalttätig, er war erniedrigend und er zerstörte Leben. Das Film erkennt dies in Momenten stiller Reflexion, aber die Stimmung springt immer wieder zurück zur Leichtigkeit. Das Ergebnis ist ein Film, der leichter fühlt, als der Gegenstand es verdient.
Es gibt Ausnahmen. Eine Szene, in der Tony gezwungen wird, sich im hinteren Teil eines Restaurants niederzulegen, während Don am Tisch vorne sitzt, wird mit echtem Unbehagen gehandhabt. Eine andere Szene, in der Don an einem Hotel abgewiesen wird, weil seine Hautfarbe es verwehrt, trifft härter als die meisten Versuche des Films auf Witze. Diese Momente funktionieren, weil sie dem Film erlauben, im Schmerz zu verharren, statt ihn einfach vorbeizuschaffen.
Die Road-Trip-Struktur
Der Film folgt einem klassischen Road-Trip-Modell: Die beiden Hauptfiguren beginnen als Feinde, wachsen in gegenseitigem Respekt, und sie treten am Ende als Freunde hervor. Das ist kein neuer Gedanke, und das Film versucht nicht, es zu verbergen. Die Reise selbst ist die Geschichte, und die Stops entlang des Weges — die Clubs, die Hotels, die Restaurants — sind die Orte, an denen die Figuren sich selbst offenbaren.
Jede Location bringt neue Konflikte. Ein Club-Besitzer weigert sich, Don zu lassen, dass er spielt, bis er sich in einen Smoking kleidet. Ein Diner-Besitzer besteht darauf, dass Tony separat von Don isst. Ein Polizist zieht sie an den Straßenrand und droht Gewalt. Diese Momente sind ausgelegt, um die Bindung zwischen den beiden Männern zu prüfen, und sie tun es. Aber die Prüfungen fühlen sich repetitiv an, und das Film lehnt sich zu sehr auf die gleichen Tricks — ein gemeinsames Mahl, eine Geste von Güte, ein Witz, der die Spannung bricht — aus, als es sollte.
Der Film widmet auch viel Zeit dem persönlichen Leben von Don, zeigt ihn als Mann, der Ehe und Kinder für seine Karriere aufgegeben hat. Diese Nebenhandlung verleiht seinem Charakter Tiefe, aber sie verlangsamt auch die Geschwindigkeit. Der Film dauert bereits über zwei Stunden, und die Abweichungen in Dons Vergangenheit fühlen sich manchmal wie Füllmaterial an.
Das Problem des Endes
Der Abschluss von Green Book ist die Stelle, wo die Fehler des Films am deutlichsten werden. Nach einer Reihe steigender Konflikte erreicht der Klimax in einer Kleinstadt im Deep South, wo Don von einer Gruppe Einwohner bedroht wird. Tony tritt ein, um ihn zu schützen, und die beiden kämpfen Seite an Seite. Die Szene ist spannend, aber sie fühlt sich inszeniert an. Wir wurden den ganzen Film über mitgeteilt, dass Tony und Don enger zusammenkommen, und der Kampf bestätigt es. Aber das Wachstum war langsam genug, dass der Moment als Bezahlung landet, nicht als Erkenntnis.
Das Ende selbst ist eine Mischung aus Dankbarkeit und Auflösung. Tony dankt Don für die Reise, und Don dankt Tony für seinen Schutz. Sie trennen sich, und der Film endet auf einem Ton gegenseitiger Anerkennung. Es ist ein befriedigender Abschluss, aber er fühlt sich verdient durch die Leistungen der Darsteller, nicht durch den Plot. Der Film hat keinen Fall für den Grund, weshalb diese beiden Männer Freunde wurden; er hat lediglich gezeigt, dass sie es tun.
Eine gut gemachte Film mit einem schwachen Kern
Green Book ist ein kompetent gemachter Film mit einem schwachen Kern. Die Darstellung ist stark, die Regie ist selbstbewusst, und die Produktionswerte sind hoch. Aber die zentrale Idee des Films — dass zwei Männer aus entlegenen Welten gemeinsamen Boden finden können, indem sie einfach menschlichen Kontakt pflegen — wird untergraben durch sein Verweigern, ernsthaft mit der systematischen Gewalt umzugehen, die diese Verbindung so lange unmöglich machte.
Der Film ist kein Misserfolg. Es ist eine aufrichtige Versuch einer schwierigen Geschichte, und er gelingt darin, uns um seine Figuren zu bekümmern. Aber er versagt daran, uns das Welt zu verstehen, das sie bewohnten. Er sagt uns, dass Rassismus falsch ist, aber er zeigt uns selten, wie tief falsch es war. Das Ergebnis ist ein Film, der angenehm zu schauen und vergesslich zu erinnern ist.
| Szene | Standort | Ton |
|---|---|---|
| Eröffnung | New York | Unruhig |
| Klubgegner | Alabama | Spannung |
| Im Diner | Mississippi | Humorvoll |
| Endkampf | Tiefer Süden | Klimakrise |
| Abschied | Verschieden | Spiegelnder |
Der Film ist für die Darstellungen von Mortensen und Ali allein sehenswert. Aber er ist ein Werk, das gebeten wird, als Meilenstein der rassistischen Fortschritte gefeiert zu werden, und es gelingt ihm nicht, diesem Anspruch gerecht zu werden. Es ist ein gutes Werk über ein großes Thema, und der Unterschied zwischen den beiden ist der Maßstab seines Erfolgs.
Green Book ist eine solide, wenn auch fehlerbehaftete Roadmovie, die ihre Figuren mehr respektiert als ihr Thema. Es ist ein Werk, das Sie zum Lachen bringt und zum Nachdenken, aber nicht notwendigerweise in der Reihenfolge, die Sie erwarten. Es ist ein Werk, das Sie bewegt, aber nicht verändert. Es ist ein Werk, das es verdient, seine Zuschauer zu haben, aber nicht seinen Ruhm.
Punktzahl: 6.9 von 10.
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