ModNation Racers erschien 2010 als Sonys Antwort auf eine Frage, die sich das Kart-Renn-Genre seit Jahren gestellt hatte: Was wäre, wenn die Strecken selbst den Spielern gehörten? Entwickelt von United Front Games und San Diego Studio, veröffentlicht von Sony Computer Entertainment für PlayStation 3 und PlayStation Portable, baut das Spiel seine gesamte Identität auf dieser Prämisse auf. Es nimmt die Grundlagen des Driftens, des Boostens und des Waffeneinsatzes, auf denen das Genre basiert, und verschraubt sie mit einer Kreationssuite, die tief genug ist, um dasselbe „Play, Create, Share“-Konzept zu rechtfertigen, mit dem LittleBigPlanet bekannt wurde. Das Ergebnis ist ein Rennspiel, das sich präzise spielt, hell aussieht und von dir verlangt, das zu bauen, worauf du fährst.
Trailer, via PlayStation.
Biff Tradwell und die ModNation Racing Championship
Der Einzelspielermodus ist kein nachträglicher Gedanke, was ModNation Racers von den meisten seiner Konkurrenten unterscheidet. Er enthält eine vollständige Geschichte, geschrieben von professionellen Hollywood-Autoren, und dreht sich um einen stummen Spielercharakter namens Tag. Biff Tradwell und Gary Reasons, die Kommentatoren der ModNation Racing Championship, eröffnen die Saison mit der Ankündigung des Qualifikationsrennens für die diesjährige MRC-Tour. Tag lebt mit seiner Mutter in ihrer familieneigenen Lackiererei, einem Geschäft, das seit geraumer Zeit schlecht läuft. Als er ihr ein MRC-Plakat zeigt, erzählt sie ihm, dass sein alter Freund Chief Crew-Chief ist, und dass dies plus sein eigener Kart alles ist, was er zum Einstieg braucht.
Chief ist skeptisch gegenüber Tags Kartdekoration, unterschreibt aber trotzdem als Crew-Chief. Tag qualifiziert sich, und sein Stil macht ihn fast sofort bei den Fans beliebt.
Onkel Richard und Conservative Motors
Diese Beliebtheit zieht Aufmerksamkeit aus der falschen Ecke auf sich. Onkel Richard leitet Conservative Motors, ein Unternehmen, das auf billigen, faden, uninteressanten Karts aufgebaut ist, und er versucht, Tag für einen Sponsoringvertrag zu gewinnen. Tag lehnt ihn schnell ab. Auf halber Strecke der Home Tour gibt Tags Mutter zu, dass sich die Familie die ständigen Reparaturen, die sein Kart benötigt, nicht leisten kann. Das Kart geht kaputt. Dann wendet sich die Geschichte: Inspiriert von der Beliebtheit ihres Sohnes, eröffnet sie die Lackiererei als Karosseriewerkstatt wieder. Die Kunden kommen sofort, und die Familie bleibt über Wasser.
Hier macht ModNation Racers etwas, um das sich das Genre selten schert. Das Rennen ist die Handlung. Ein ausgefallener Kart ist kein Zwischensequenz-Ärgernis, er ist der Grund, warum das Familienunternehmen überlebt. Der Einsatz ist klein und häuslich, und gerade deshalb trifft er härter.
Driften, Boosten und das mehrstufige Thermometer
Das Fahrverhalten ist das Fundament, auf dem alles andere ruht, und es hält. Die Spieler beschleunigen und driften, und ein erfolgreicher Drift füllt den Boost-Messer. Dieser Messer sieht aus wie ein mehrstufiges Thermometer und gibt einem eine echte Wahl: ihn als Turbo-Boost für Geschwindigkeit verbrennen oder ihn als Schild gegen eingehende Angriffe und Seitenrempler ausgeben. Diese Entscheidung wiederholt sich alle paar Sekunden eines jeden Rennens, und sie ist das Beste im Spiel.
Waffen ergänzen den Rest. Man sammelt sie während des Rennens und rüstet sie bis zu drei Kraftstufen auf. Zum Arsenal gehören Schallangriffe, Raketen und Blitzschläge. Ein Schallangriff der ersten Stufe sendet eine Reihe von Ringen um den Spieler aus und wirft nahe Gegner von der Strecke. Ein Schallangriff der dritten Stufe schickt diese Ringe stattdessen nach vorn und räumt jeden Fahrer vor einem aus dem Weg. Diese Eskalation ist auf einen Blick erkennbar, was in einem so schnellen Spiel zählt.
Spielen, Erschaffen, Teilen
Nutzergenerierte Inhalte sind das Rückgrat von ModNation Racers, und das Spiel sagt das unverblümt, indem es die Maxime „Spielen, Erschaffen, Teilen“ von LittleBigPlanet entlehnt. Die Anpassung umfasst die Racer, ihre Karts und die Strecken, auf denen sie fahren. Die Werkzeuge sind leicht zu erlernen, und darum geht es. Eine Kreativ-Suite, die Expertise verlangt, produziert nichts als leere Server.
Die Struktur unterstützt das. Einzelspieler, Mehrspieler und Splitscreen sind alle vorhanden, und das streckenbasierte Fahren und der comicartige Kampf stehen neben den nutzergenerierten Inhalten statt hinter ihnen. Kart-Handling und Physiktechnik tragen Driften, Sprünge und Boosten, ohne dass die Kreativseite je aufgesetzt wirkt.
| Element | ModNation Racers | Conservative Motors |
|---|---|---|
| Produkt | Individuelle Karts und von Spielern gebaute Strecken | Billige, fade, uninteressante Karts |
| Philosophie | Nutzergenerierte Inhalte, einzigartiger Stil | Uniforme, massenmarkttaugliche Gleichförmigkeit |
| Rolle in der Geschichte | Was Tag fährt und baut | Was Tag sich weigert zu unterschreiben |
Diese Tabelle ist das gesamte Argument des Story-Modus im Kleinen. Der Bösewicht des Spiels ist kein rivalisierender Rennfahrer. Es ist ein Unternehmen, das langweilige Karts herstellt.
Chief und die Boom Box
Die Handlung geht über die Ablehnung des Sponsorings hinaus. Während der dritten Tour findet Chief das Boom-Box-Waffensystem auf Tags Kart schwer beschädigt vor, obwohl es angeblich unzerstörbar ist. Ein Ersatz ist teuer, und die Kosten könnten Tag völlig aus der Tour werfen. Tags Mutter fragt, ob die Boom Box von Chiefs altem Kart nach seinem Rennunfall von 1985 noch funktioniert. Chief sagt, sie sei der Grund gewesen, warum er nicht weiter Rennen fahren konnte.
Dann entdeckt Chief bei der Reparatur von Tags Kart in der Nacht vor der Grim Tour eine Bombe, die daran angebracht wurde. An dieser Stelle endet das Quellmaterial, und hier endet auch diese Rezension. Was zählt, ist, dass der Story-Modus eine Handlung mit einem Saboteur darin hat, keine Leiter von Pokalen mit angehängten Namen.
Eine Fortsetzung für die PlayStation Vita
ModNation Racers: Road Trip folgte im Februar 2012, ein Starttitel für die PlayStation Vita. Das ist ein echtes Vertrauensvotum von Sony, und es ist zugleich die Gestalt des Problems. Ein Spiel, das auf Kreationswerkzeugen aufbaut, steht und fällt damit, ob die Leute weiterhin auftauchen, um zu erschaffen.
Die Veröffentlichung von 2010 machte die Grundlagen richtig. In einen vollen Boost-Meter driften, zwischen Geschwindigkeit und Schild wählen, dann einen Schallangriff der dritten Stufe abfeuern, der das Feld vor einem auslöscht – diese Schleife ist straff, lesbar und die Wiederholung wert. Die Kreationssuite ist großzügig statt beschränkt. Der Story-Modus hat tatsächliche Autoren hinter sich und setzt sie auf eine Familienlackiererei statt auf eine generische Meisterschaft an.
Wo es gegen die Besten des Genres steht, ist eine berechtigte Frage, und die Antwort ist, dass ModNation Racers Politur gegen Bandbreite tauscht. Es fährt nicht besser als die straffsten Kart-Racer auf dem Markt. Es baut fast alle von ihnen aus.
- Die Entscheidung am Boost-Meter – Turbo für Geschwindigkeit oder Schild zur Verteidigung – ist die Mechanik, die jedes Rennen trägt.
- Waffenaufwertungen auf drei Kraftstufen geben dem Kampf eine klare Eskalation.
- Driften und Boosten belohnen saubere Linien statt Glück.
- Streckenerstellung verwandelt die Community in die Content-Pipeline.
- Der Familienbetriebs-Handlungsbogen des Story-Modus gibt dem Einzelspieler einen Grund zu existieren.
Was die 8,1 tatsächlich misst
Eine 8,1 von 10 über fünf Publikationen ist eine Wertung, die besagt, dass das Spiel exzellent ist, ohne makellos zu sein, und das liest sich hier korrekt. ModNation Racers ist kein Spiel, das man aus der Distanz bewundert. Es ist eines, das man spielt, dann den Editor öffnet, dann wieder auf etwas spielt, das jemand anderes gebaut hat. Die Anpassung ist keine Dekoration. Sie ist der Grund, warum das Spiel existiert, und das Rennen darunter ist stark genug, um das Versprechen zu rechtfertigen.
Der Schwachpunkt ist die Dauerhaftigkeit, nicht das Design. Kreationswerkzeuge konzentrieren Wert in der Community, und eine Community ist keine Funktion, die man ausliefern und vergessen kann. Dass Road Trip zwei Jahre später auf neuer Hardware erschien, zeigt, dass Sony an die Idee glaubte. Ob die Spieler weiterbauten, ist die Frage, die die Wertung nicht beantworten kann.
Was bleibt, ist die Schleife. Driften, das Thermometer füllen, entscheiden, angreifen. Wiederholen. ModNation Racers versteht, dass ein Kart-Racer von dieser Entscheidung von Sekunde zu Sekunde lebt, und es baut eine ganze Schöpfungsökonomie um eine Entscheidung, die bereits funktioniert. Die Lackiererei im Story-Modus, die Garage in der Karosseriewerkstatt, Onkel Richards fade Karts – all das vertritt dieselbe Sache wie die Mechanik. Stil schlägt Gleichförmigkeit, und der Spieler sollte derjenige sein, der ihn macht.
8,1 von 10.
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